BYE BYE MEDIA

BYE BYE FAZ, BYE BYE STREET ART, 2010

Michael Schirner, BYE BYE MOS20, 2002 – 2009, Fine Art Print, Kaschierung auf Alu-Dibond-Platte

EINE GESCHICHTE DER ENTFERNUNG

Zu Michael Schirners Fotografien im heutigen Feuilleton

„Die Methodik, durch Weglassungen die Wirkmacht von ikonischen Bildern zu erproben, hat sich der vor allem als Werber bekannt gewordene Michael Schirner für sein BYE BYE genanntes Projekt auf direktmöglichem Wege zu eigen gemacht. Er entfernt die wesentlichen Figuren aus ikonischen Pressebildern: den fallenden Kämpfer aus Robert Capas berühmten Bild des Spanischen Bürgerkriegs, James Dean aus der Szene am verregneten Times Square, einen Toten in Ohio aus dem Bild von 1970. Übrig bleibt auch hier ein ‚punktum‘: Wer ist die Frau, die da im Sommer 1970, den Pullover um die Hüfte geknotet, an der Kent State University über den Campus läuft; wo kam sie her, was geschah mit ihr, wo lebt sie heute – und warum wurde dieses Bild gemacht? … Ein fast unvermeidlicher Gag ist es, dass Schirner aus dem Bild, aus dem Stalin Trotzki entfernen ließ, Lenin entfernt – was auf eine mögliche Botschaft dieser Bildmanipulationen hinführt: Die Geschichte wäre anders verlaufen, wenn hier andere Menschen das Wort und die Macht ergriffen hätten, Geschichte ist kein Naturereignis, sondern das Produkt menschlicher Auftritte und Idealbilder. So könnte man Schirners Entfernungen vielleicht als Werbung und Ermunterung lesen, auch politisch mehr Druck zu machen.“  Niklas Maak

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2010, Nr. 87 / 15 D3

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2010, Nr. 87 / 15 D3

Die BYE BYE FAZ

FAZ-Ausgabe vom 15. April 2010

In der Ausgabe der FAZ vom Eröffnungstag der Ausstellung MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE im Haus der Photographie der Hamburger Deichtorhallen machte die Redaktion der Frankfurter Allgemeine Zeitung ein hochinteressantes Experiment: In der aktuellen Ausgabe der FAZ werden 17 Beiträge mit 17 Werke der Serie BYE BYE bebildert. Dabei nutzen die Redakteure die BYE BYE Bilder als Material für literarischen Neuschöpfungen, indem sie in ihren Bildtexten eine Verbindung zwischen Inhalt der BYE BYE Bilder mit redaktionellen Beiträgen herstellt. Das Spiel beginnt auf der Titelseite mit der Arbeit BYE BYE, CER36, 2002 – 2009, Fine Art Print based on a photograph by Robert Capa und setzt sich auf den Folgeseiten fort.

BYE BYE, WAR70: Geschichtsbücher werden immer wieder umgeschrieben. Ein wenig wohler ist einem aber doch, wenn sie noch gedruckt vorliegen.

BYE BYE, NOR44: Wenn man Windstärke, Temperatur und Niederschlagsmenge vorausberechnen kann, ist dann auch der Ausgang der Geschichte bereits determiniert?

BYE BYE, NEW55: Helden gehen gern zu Fuß, auch wenn sie hoch hinaus wollen.

BYE BYE, VER84: Die Polen greifen in höchste Register öffentlichen Gedenkens und erweisen damit ihrem verunglückten Präsidenten eine heikle letzte Ehre.

BYE BYE, CLE08: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr: Auf dem Land herrscht jedenfalls ein anderes Verhältnis zur Transgression als in großen Städten.

BYE BYE, TRA72: Krieg, das heißt Gräuel. Man entkommt ihnen nicht, wenn man nicht von ihm spricht.

BYE BYE, PAR97: Manchmal wäre es besser, nicht durch Drehtüren zu eilen.

BYE BYE, BAG08 : Der Traum aller Gäste des Pictoplasma-Festivals ist es, die Welt des Trickfilms um eine Figur zu bereichern, die später jeder kennt.

BYE BYE, NEW32: Hoch hinaus, denn Baukunst heißt heute überwiegend Montage.

BYE BYE, TOR98: Die ewige Frage: Was würdest du wählen, wenn du entscheiden könntest zwischen dem Leiden und dem Nichts.

BYE BYE, HAM08 : Damit akademische Karrieren in Fahrt kommen, werden Anführungsstriche schon einmal auch weggelassen.

BYE BYE, JER61:
Ein Mann, der sein Rollenbild für die Wirklichkeit nahm.

BYE BYE, GEN87: Die ARD blickt auf ihre Geschichte zurück. Vier Nächte lang geht es um Wegmarken des politisch, informierenden wie des unterhaltenden Fernsehens. Einen neuen Slogan gönnen sich die Sender demnächst auch: „Wir sind eins. ARD.“

BYE BYE, IWO45 : Vox, 20.15 Uhr, der Flug des Phoenix: Ein Flugzeug stürzt über der Wüste Gobi ab. Die Passagiere müssen um ihr Überleben kämpfen.

BYE BYE, YAN66: Wenn die Natur außer Kontrolle gerät, versagen die Bilder.

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

BYE BYE Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

bye bye STREET ART

BYE BYE Großflächenplakate und -City Light Poster

Als Teil der Medien-Kunst-Aktion erschienen Bilder der Serie BYE BYE auf mehr als tausend Großflächenplakaten, Plakatsäulen und City Light Poster in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt.

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Düsseldorf, 2010

BYE BYE City Light Poster in Düsseldorf, 2010

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

BYE BYE Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

Michael Schirner, BYE BYE, Katalogbuch zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg, Hrsg. Markus Peichl, Distanz Verlag, Berlin 2010

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