Archiv der Kategorie: Projekte

MICHAEL SCHIRNER, PICTURES IN OUR MINDS

NRW-Forum Düsseldorf, 2007

Katalog "Bilder im Kopf", Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf 2007, Titelabbildung: Thomas Demand

Bilder im Kopf, NRW-Forum Düsseldorf, Katalog, 2007

Katalog "Bilder im Kopf", Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf mit CD, 2007

Bilder im Kopf, NRW-Forum Düsseldorf, Katalog, 2007

Pictures in our ears

An den Wänden des Forums hingen 10 Audioplayer. Über Kopfhörer konnten Besucher die Beschreibung von 10 Bildern hören. An 10 Tagen strahlte der WDR 5 die Hörbilder aus. Ein Ausschnitt: „Soldaten sterben nicht. Soldaten fallen. Dieser fällt buchstäblich. Aber stirbt er auch? Hat ihn die Kugel getroffen? Oder wirft er sich im Dienste linker Propaganda rückwärts ins Gras? Sicher ist: Robert Capas Bild eines stürzenden spanischen Milizionärs zählt zu den berühmtesten Photographien des 20. Jahrhunderts. Es ist nicht das erste Kriegsfoto der Geschichte. Aber womöglich „das erste überzeugende Actionbild mitten aus dem Kriegsgeschehen heraus“, wie Carol Squiers formuliert. Richard Whelan spricht von der „erregendsten unmittelbarsten Momentaufnahme des Krieges“, die je gelungen sei. Russel Miller bezeichnet die Aufnahme als das „beste Kriegsfoto aller Zeiten. … Fact ist: Von 70.000 Aufnahmen, die der 1913 in Ungarn geborene Robert Capa gemacht hat, ist dies die weltweit bekannteste. Und die umstrittenste zugleich. Bis heute halten sich Gerüchte, das Bild sei inszeniert. Im Bildjournalismus sind Strategien der Inszenierung entschieden tabu. Wer Fotos stellt, riskiert seine Glaubwürdigkeit als Zeuge der Zeitgeschichte. Mehr noch: Er riskiert die Glaubwürdigkeit seines kompletten Oevres.“ Michael Koetzle

Weitere Hörbilder:

  • Migrant Mother, Nipomo, California, 1936 von Dorothea Lange
  • V.J. Day, 15. August 1945 von Alfred Eisenstedt
  • Marilyn Monroe auf Lüftungsschacht, 1954 von Sam Shaw
  • James Dean am Times Square, 1955 von Dennis Stock
  • Flucht aus Ost-Berlin, 15.August 1961 von Peter Leibing
  • Willy Brandt in Warschau, 1970 von Sven Simon
  • Das Mädchen von Vietnam, 1972 von Nick Ut
  • Hanns Martin Schleyer – Gefangener der RAF, 6. September 1977,
    aufgenommen von einem Mitglied der RAF
  • 11. September 2001, anonym

 

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MICHAEL SCHIRNER, PICTURES IN OUR MINDS

NRW-Forum Düsseldorf, 2007

Michael Schirner, Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf 2007, Exhibition Shot

Michael Schirner, Bilder im Kopf, Performance shot, NRW-Forum Düsseldorf 2007

COW YOGURT SUPER GIRL

In der Ausstellung im NRW Forum Düsseldorf 2007 sahen die Besucher 7 Pictures in our Minds, mit denen Michael Schirner Menschenrechte für Tiere einfordert.

Michael Schirner, PICTURES IN OUR MINDS, The head of the South Vietnamese police shooting a panda, Siebdruck auf Leinwand, 2007

Michael Schirner, Pictures in our Minds, The head of the South Vietnamese police shooting a panda, 2007, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

Michael Schirner, PICTURES IN OUR MINDS, The footprint of the first panda on the moon, Siebdruck auf Leinwand, 2007

Michael Schirner, Pictures in our Minds, The footprint of the first panda on the moon, 2007, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

Michael Schirner, PICTURES IN OUR MINDS, Genetically manipulated panda with an ear growing on his back, Siebdruck auf Leinwand , 2007

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Genetically manipulated panda with an ear growing on his back, 2007, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

Michael Schirner, PICTURES IN OUR MINDS, Michael Jackson holding a panda baby out of the window of the Adlon Hotel, Siebdruck auf Leinwand, 2007

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Michael Jackson holding a panda baby out of the window of the Adlon Hotel, 2007, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

Michael Schirner, PICTURES IN OUR MINDS, China's Mongolian Cow Yogurt Super Girl 2005 with panda, Siebdruck auf Leinwand, 2007

Michael Schirner, Pictures in our Minds, China’s Mongolian Cow Yogurt Super Girl 2005 with panda, 2007, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

Michael Schirner, PICTURES IN OUR MINDS, The last picture of Bruno, Siebdruck auf Leinwand, 2007

Michael Schirner, Pictures in our Minds, The last picture of Bruno, 2007, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

Michael Schirner, PICTURES IN OUR MINDS, The last picture of the bear Mitrofan, Siebdruck auf Leinwand, 2007

Michael Schirner, Pictures in our Minds, The last picture of the bear Mitrofan, 2007, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

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MICHAEL SCHIRNER, PICTURES IN OUR MINDS

Messe Hamburg, 1985

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Hamburg 1985, Exhibition Shot

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Exhibition shot, Messe Hamburg 1985

EINE FOTOAUSSTELLUNG OHNE FOTOS

Der Intermedia-Kongress 1985, die Messe der neuen Medien in Hamburg, war der Anlass. Hier wollte das Magazin STERN ein Zeichen setzen und die Kraft und Überlegenheit des gedruckten Mediums exemplarisch demonstrieren. Für die Demonstration des Printmediums galt es, ein Ausstellungskonzept zu finden, eine Form der Präsentation für die stärksten Bilder, die je in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht wurden. Uns war klar, dass es nicht damit getan war, die bekannten journalistischen Fotos in einer Ausstellung nebeneinander zu hängen. Wir wollten die Technik der Kommunikation von Imaginärem in der Kunst auf die Spitze treiben, indem wir uns weit entfernten von Referenzen auf Außenliegendes, uns stattdessen auf das Innere des Betrachters, seine Fantasie- und Gedankenarbeit beziehen. Wir machten den Betrachter zu seinem Medium: Die Hardware ist sein Gehirn, die Software seine Imagination, auf seiner Festplatte sind alle Bilder, die in seinem Kopf gespeichert sind. Deshalb gaben wir dem Projekt den Titel Pictures in our Minds. Die Besucher der legendären Ausstellung Pictures in our Minds betraten eine Fotoausstellung ohne Fotos. Statt der Bilder sahen sie schwarze Tafeln, auf denen in weißer Schrift die Beschreibungen bekannter Fotos zu lesen sind. Die Texte auf den Tafeln des imaginären Museums ließen die Bilder in den Köpfen der Betrachter entstehen. Hier war nur noch die Imagination des Betrachters gefordert, das Schwarze der Tafeln aufzuhellen. Das ist Kunst der Zukunft: Das Bild muss es aushalten können, ganz in der Imagination des Betrachter zu verschwinden. Der Text, und vor allem der Autor, müssen dasselbe aushalten können.

Michael Schirner, The footprint of the first man on the moon, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, The foot-print of the first man on the moon, 1985, Fine Art Print

Lassen Sie uns einen Blick in die Ausstellung werfen. Sie sehen eine 120 x 120 cm große schwarze Tafel. Sie lesen den Text darauf: „The footprint of the first man on the moon“. Der Fußabdruck des ersten Menschen auf dem Mond. Sie schließen die Augen. Vor Ihrem inneren Auge tauchen die Bilder der ersten Mondlandung auf: Ein Astronaut. Die Mondoberfläche. Der Boden im Close up. Der Fußabdruck des moonboots. Sie sind Schöpfer des Bildes in Ihrem Kopf. Es ist Ihr Bild. Sie sind der Fotograph. Es ist Ihr Fußabdruck. Sie sind der erste Mensch auf dem Mond.

Michael Schirner, Crowds on the Berlin Wall, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Crowds on the Berlin Wall, 1985, Fine Art Print

Sie lesen: „Crowds on the Berlin wall“. Sie machen aus dem Bild an der Wand ein Bild in Ihrem Kopf. Das Bild der Menge auf der Berliner Mauer ist Ihr Werk. Ihr Bild ist stärker als die Fotovorlage, weil es seit dem Fall der Mauer ein Teil von Ihnen ist. Alle Bilder in Ihrem Kopf sind stärker, intensiver, bewegender als die Bildvorlagen in Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Kino, Museen etc. weil es Ihre Bilder sind. Ihr geistiges Eigentum. Sie sind der Schöpfer Ihrer Bilder.

Michael Schirner, Tortured Iraqi prisoner with hood, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Tortured Iraqi prisoner with hood, 1985, Fine Art Print

Der gefolterte Gefangene Iraker mit Kapuze. Wenn Sie das Bild nicht gleich vor Augen haben, weil es in Ihrem kollektiven Gedächtnis schlummert, wecken Sie es nicht, lassen Sie es schlummern. Sie wissen, es ist auf Ihrer Festplatte im Ordner mit Bergen nackter, kotbeschmierter gefolterter, gefangener Iraker. Da ist es: der Kapuzenmann mit Mantel und ausgebreiteten Armen in Abu Ghraib… die Stromkabel an seinen Händen.

Michael Schirner, Marilyn Monroe poised over a subway air-shaft, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Marilyn Monroe poised over a subway air-shaft, 1985, Fine Art Print

Marilyn Monroe auf Subway-Luftschacht. In Ihrem Kopf läuft ein Film ab. Sie sind Regisseur- und Protagonistin. Ihr weißer Rock fliegt höher und höher; sie haben Mühe, ihn mit den Händen festzuhalten. Der Filmtitel? Richtig: Das verflixte 7. Jahr. Nur an den Namen des Herrn am linken Bildrand können Sie sich nicht mehr erinnern. Oder doch?

Michael Schirner, Naked Vietnamese child fleeding after a napalm attack, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Naked Vietnamese child fleeding after a napalm attack, 1985, Fine Art Print

Das Bild des nackten vietnamesischen Kindes, das nach einem Napalm-Angriff schreiend auf der Straße von Trang Bang flieht. Ihr Bild sorgte dafür, dass der Vietnamkrieg beendet wurde. Das Bild hat die Welt zu verändern.

Michael Schirner, Wreckage of the World Trade Center, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Wreckage of the World Trade Center, 1985, Fine Art Print

Die Trümmer des World Trade Center. Das Bild führte dazu, dass der Krieg gegen den Terrorismus begann. Das Bild vom erschossenen Bin Laden fehlt in Ihrer Sammlung.

Michael Schirner, Albert Einstein sticking his tongue out, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Albert Einstein sticking his tongue out, 1985, Fine Art Print

Das Tolle an den Bildern in Ihrem Kopf – im Gegensatz zu normalen Kunstwerken, von denen es immer mehr gibt und die immer mehr Platz wegnehmen – ist, dass bei Ihren Bildern im Kopf die Kosten für Lager-, Transport- und Versicherung gleich Null sind. Das heißt, Ihre Bilder sind äußerst umweltfreundliche und platzsparende Kunst. Vielleicht streckt Albert Einstein deshalb allen Sammlern von analogen Kunstwerken die Zunge raus.

Michael Schirner, Portrait of Che Guevara, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Portrait of Che Guevara, 1985, Fine Art Print

Das Portrait von Che Guevara. Es ist Ihr Portrait. Sie sind der Che Guevara der Kunst der Zukunft. Sie sind Sammler, Kurator, Künstler und Betrachter in einer Person. Mit dem imaginären Museum der Bilder in Ihrem Kopf sind Sie im Besitz der größten und eindrucksvollsten Sammlung, die es gibt. Und das Tolle: Alle Werke sind das Ergebnis Ihrer Fantasie- und Gedankenarbeit. Sie sind Schöpfer der faszinierendsten Bilder der Welt.

DER KREATIVE IKONOKLASMUS

Hans Ulrich Reck

Dass Bilder erst wirklich ’sind‘, nämlich lebendig wirken, in einer aktuellen Wahrnehmung, gilt schlechterdings für alle Bilder. Besonders aber für diejenige Art von Bildern, die man als artifizielle Konstrukte bezeichnen kann. Bilder also, die nichts anderes sein wollen als ein Anstoß, ein Anlass oder Ausgangspunkt solcher Wahrnehmung.

Es handelt sich hier wesentlich um eine Errungenschaft der radikalen Moderne, die an die Stelle ritueller und auratischer, religiöser und sakraler Bilder die ästhetische Reflektion gesetzt hat. Diese aber keineswegs nur abstrakt, als philosophische Kategorie, sondern in poetischer Gestalt.

Seit zum Beispiel Kasimir Malewitsch bedeutet, Bilder zu sehen, sich zur eigenen Wahrnehmung in ein aktives Verhältnis zu setzen. Bedeutet, das Sehen zu sehen und die Wahrnehmung an den Mechanismen der Wirkung von Bildern zu betrachten.

Das Gefüge in der Verbindung zwischen Autor, Werk, Betrachter wird komplizierter. Die Bilder verlieren ihre bisherige Autorität und gewinnen neue Kraft. Sie verwandeln sich von Repräsentanten eines Sinns zu ‚Kraftwerken‘ einer Erfahrung. Es verschiebt sich im Zuge der modernen Poetik das Werk und die Autorität seines Erzeugers auf den Gang der Erfahrungen auf Seiten des Betrachters.

Die Bedeutung der Bilder ist ihr Gebrauch in der Gesellschaft. So könnte man bildtheoretisch Wittgensteins Auffassung vom Gebrauch der Sprache umschreiben. Auch für die Bilder gilt, dass sie nicht in ein einziges Sprachspiel aufgelöst werden können, sondern dass stets viele und diverse Formen und Weisen des Visuellen gegeben sind. Schirners Werk legt folgende Diagnose nahe: Die schöpferischen Leistungen der Rezipienten müssen neu und angemessen auch in den Konsequenzen der Nutzung der Bilder im öffentlichen Gebrauch bewertet werden. Die Bilder sind öffentliche Medien geworden. Sie sind konsequent in ihrer öffentlichtkeitsmodellierenden Kraft zu erkennen und zu diskutieren. Künstler, die durch Bekanntheit ihrer Werke, also genuine Bild- und Werkerfindungen, in den Zirkulationsbereich strikter öffentlicher Bilder hineingehören, sind eben solche, die den Bestand der lebensweltlichen Kommunikation in ihre Bildfindungen einbeziehen. Das gilt für Picassos ‚Guernica‘ ebenso wie für die Werke der Pop Art. Und eben auch für Michael Schirner. Man kann die Sachlage so zusammenfassen: Das 20. Jahrhundert hat den Betrachter als produktive, ja schöpferische Instanz in das Werk selber integriert. Das Werk verschiebt sich auf den Prozess, der Anspruch des Autors auf die Wirkweisen des Mediums.

Kreieren bedeutet nun vorrangig: Inszenieren, Arrangieren, Edieren, immer wieder neu Thematisieren. Die Kräfte haben sich verschoben, das Dispositiv verwandelt.

Die privilegierte, ontologisch starre Position eines hierarchisch und autoritativ allem Prozessualen enthobenen, genuinen und originären Erfinders als Figur ‚des‘ Künstlers ist überholt. ‚Kunst ohne Werk‘, ‚Kunst ohne Künstler‘ sind entscheidende Stichworte der Beschreibung und Errungenschaften der Künste im 20. Jahrhundert.

Auszug des Beitrags von Hans Ulrich Reck, Professor der Kunstgeschichte und Medientheorie an der Medienkunsthochschule in Köln, zu Pictures in our Minds von Michael Schirner in internationalen Fotozeitschrift foam #31ref. Sommer 2012.

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DER LÄRM VOM KLICKEN

Photo Porst, 1980

Anzeige für die Fotoaktion "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Tageszeitungsanzeige

21.6.1980, 16:00 –16:01

Photo Porst, ehemals „Das größte Photohaus der Welt“, plante ein Comeback. Michael Schirner wollte Photo Porst wieder zu dem machen, was Porst damals in den 60er Jahren für ihn und alle Fotoamateure war: Fotolehrer der Nation und beste Adresse für Foto- und Filmbedarf. Michael Schirner und sein Artdirector Axel Hinnen machten in Tageszeitungen doppelseitige Anzeigen mit einem riesigen Zeigefinger über dem Auslöser einer Kamera, darunter das Motto der Aktion Die Minute des Jahres, Lauftext:

„Wir möchten Sie einladen, bei dem Fotoereignis des Jahres mitzumachen. Es heißt Die Minute des Jahres oder eine Nation knipst sich selbst und geht so: An einem Tag dieses Jahres, dem 21.6.1980, während einer Minute dieses Tages, von 16.00 Uhr bis 16.01 Uhr, sollen die 18 Millionen Deutsche, die einen Fotoapparat besitzen, dort ein Foto machen, wo sie gerade sind. Soweit wir wissen, ist so ein Fotoprojekt noch nie gemacht worden. Wer darüber nachdenkt, kann leicht ins Schwärmen kommen. Das Schöne daran ist, dass das größte Fotoportrait des Landes von denen gemacht wird, die darin leben. Jeder leistet mit dem Foto aus seinem Leben einen wichtigen Beitrag.

Die vielen Fotos, die überall in Deutschland gemacht werden, geben zusammen eine herrliche Dokumentation der Minute von uns allen. Wir könnten dann im Fotoalbum unseres Landes blättern, könnten uns darin wiederfinden und unseren Kindern später einmal zeigen, wie es damals war, am 21.6.1980 von 16.00 Uhr bis 16.01 Uhr.

Was dann? Wir von Photo Porst werden alle Bilder in einer großen Fotoausstellung veröffentlichen. Jedes Bild, das uns geschickt wird, stellen wir aus. Außerdem veröffentlichen wir die die ersten 10.000 Bilder, die wir kriegen, in 3 Bildbänden. Außerdem drehen wir über Die Minute des Jahres einen Film, der überall in Deutschland gezeigt wirdWas gibt’s? Unter allen Einsendern verlosen wir 5 Fotoweltreisen, jede im Wert von 10.000 Mark. Auf Wunsch auch bar.

Wie geht’s? Sie können mit jeder x-beliebigen Kamera und jedem x-beliebigen Negativ-Film mitmachen. Knipsen Sie am Samstag, den 21. Juni von 16.00 Uhr bis 16.01 Uhr. Machen Sie mehrere Bilder. Am besten knipsen Sie den ganzen Film voll. Egal, was Sie knipsen, jedes Bild, das in der Minute gemacht wird, ist gut für Die Minute des Jahres. Sie können Ihren Minuten-Film in jedem Fotogeschäft entwickeln lassen. Von den entwickelten Bildern suchen Sie dann das aus, was Sie am schönsten finden. Dann kleben Sie einen Zettel auf die Rückseite des Bildes und schreiben Namen und Adresse drauf. Schreiben Sie auch kurz drauf, was Sie fotografiert haben, zum Beispiel: „Meine Frau im Garten“.

Was knipsen? Zum Beispiel: „Picknick am Meer“, „Horst beim Autowaschen“, „Der Himmel über Wanne-Eickel“, „Im D-Zug nach München“, „Spaziergang am Rhein“, „Blick aus meinem Arbeitszimmer“, „Mein Mann beim Autowaschen“, „Die ganze Familie bei Kaffee und Kuchen“ usw.

Wie mitmachen? Schicken Sie Ihr Bild an Photo Porst, Am Falbenholzweg 1, 1, 8540 Schwabach. Einsendeschluss ist der 31.7.1980. Nicht vergessen: Auf den Auslöser gedrückt wird am Samstag, den 21.6. um vier Uhr nachmittags. Der Lärm vom Klicken wird ohrenbetäubend sein.

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres",1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Foto eines Teilnehmers von "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Foto eines Teilnehmers von "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

CREDITS

Auftraggeber: Photo Porst Schwabach
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Axel Hinnen, Dieter Pisculla
Fotograf: Bill Stuart
Grafiker: Günter Classen, Beate Lorbeer
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SCHÖNER SCHEITERN

Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991

Plakat für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, Großflächenplakat

NOLYMPICS

1991 übernahm Lutz Grüttke, früher Generalbevollmächtigter der IBM Deutschland, die Leitung der Olympia Berlin 2000 GmbH und wurde oberster Olympia-Manager der Stadt. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen wollte eine Kampagne zur Bewerbung von Berlin um die Olympischen Spiele in Jahr 2000, die so stark ist wie die IBM-Kampagne. Lutz Grüttke beauftragte Michael Schirner und sein Team mit der Entwicklung. Artdirector Hans Peter Weiß entwarf Corporate Design und Logo Berlin 2000 mit Nullen als verschränkte Ringe in den Schwarz, Rot Gold und ein Maskottchen als Punkt-Komma-Strich-Bärchengesicht auf gelben Grund. Michael Schirner und sein Team erarbeiteten ein Konzept für die Entwicklung von Berlin zu Olympia-Stadt und europäischen Metropole. Sie skizzierten Visionen und Projekte für das Neues Berlin als Hauptstadt von Medien, Business, Kunst, Kultur, Szene, Film-, Sport, Jugend etc. Sie schlugen vor, wie aus Berlin eine Metropole wie Paris wird. Die Vorschläge für das Neue Berlin und Olympia 2000 präsentierten sie in einer Anzeigenkampagne der 100 Ideen, z.B.:

Gigantische Körper stehen ständig als Ballons über Berlin, sind weit sichtbare neue Wahrzeichen. Ungefähr so hoch wie Empire State Building und Eiffelturm zusammen. Headline: „Jetzt hat auch Berlin eine Skyline“.
Ein schönes Symbol haben wir ja, noch schöner wäre es, viele davon zu haben: „Wie viele Brandenburger Tore sollen wir bauen?“
Die Waschmaschinen des Senats, die machen, dass das gute, alte Berlin wie neu wird: „Berlin – eine Stadt, die sich gewaschen hat“.
Die Künstlerin Katharina Fritsch macht Pappel-Land-Art in der Stadt: „Jetzt wird Berlin erst mal aufgepappelt“.
Stellt Riesenkulissen vor Baustellen! Ein Wettbewerb für Bauherren: „Das neue Berlin. Jetzt schon mal zum Angucken“.  Ein tolles Kunst-Wissenschaft-Musik-Aktions-Gelände: „Kulturtempelhof von Berlin“.
Das Stadion für Olympia 2000 im neuen Berlin: Es beginnt am Brandenburger Tor und zieht sich die ganze Straße des 17. Juni entlang, „Das schönste Stadion der Welt“.
Wir suchen Firmen, die Patenschaften für Stadtviertel übernehmen: „Kreuzberg kriegt Unterberg. Wer will Karlshorst?“
Der neue Geldschein, den gibt es, wenn das neue Berlin den Zuschlag kriegt: „Der Jahrtausender“. Noch ein Konzept-Art-Projekt: Von jeder der 207 Metropolen der teilnehmenden Nationen wird ein 100 Meter langes Stück vom Gehsteig der jeweiligen Hauptstraße abgetragen, nach Berlin auf den Ku’damm gebracht, dort auf dem Gehsteig eingesetzt und mit einem Schild des Herkunftsorts versehen. Die entsprechenden Gehsteig-Stücke des Ku’damms werden an den entsprechenden Stellen in den Gehsteigen der Metropolen eingesetzt und markiert.

Offene Spiele mit freiem Eintritt für alle, Eröffnungsfeier entlang der Spree und Wettkämpfe überall auf Berlins Straßen und Plätzen.

Mayo Thompson, Musiker und Künstler der Avantgarde-Band Red Krayola, komponierte die Olympia-Hymne „All together now“ mit Lyrics von Diedrich Diederichsen.

 

All together now!

Every country on the planet,

south & north & east & west,

black & white & red & yellow ­–

all the nations send their best.

Everybody

try together,

love each other

in Berlin!

All together now!

 

Neither walls, nor wars, nor borders,

no divisions do us part:
with a flame and with a vision
we create Olympia.

Everybody
try together,

love each other

in Berlin!

(„Isch bin ain Balina!“)

All together now!

Das Bärchen wurde Moderator der Bewerbungskampagne und wollte Berliner und IOC für Olympia in Berlin 2000 gewinnen. Es erschien auf Plakaten, Anzeigen, bannern und Flaggen. Doch die Stimmung für Olympia in Berlin – zwei Jahre nach dem Fall der Mauer – war nicht gut. Auch weil die Berliner die Olympischen Spiele nicht wollten, bekam die Stadt den Zuschlag für die Spiele nicht. Strahlender Gewinner ist das Bärchen, das alle lieben und das weiter lebt auf Mützen, Buttons, T-Shirts, Tassen, Taschen, Kissen etc., die in Berliner Souvenier-Läden Absatz finden. Da Michael Schirner auch hier belegen wollte, dass Werbung nur Kunst ist und Kunst nur Werbung, verewigte er das Olympia-Bärchengesicht auf Ölbildern der Serie Lorem ipsum.

Plakat für Olympia 2000 in Berlin, 1988

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, , 1991, Großflächenplakat

Aufkleber für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, Aufkleber

T-Shirt für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, T-Shirt

Flaggen für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, Beflaggung

CREDITS

Auftraggeber: Olympia Berlin 2000 GmbH
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner, Enrique Jungbauer
Artdirector: Hans Peter Weiß
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RAP OHNE TON

Nord/LB, 1983

Kinofilm für das Girokonto der Nord/LB, Screen Shot, 1983

GGK Düsseldorf, Nord/LB, 1983, Screenshot

Kinofilm für das Girokonto der Nord/LB, Screen Shot, 1983

GGK Düsseldorf, Nord/LB, 1983, Screenshot

Kinofilm für das Girokonto der Nord/LB, Screen Shot, 1983

GGK Düsseldorf, Nord/LB,1983, Screenshot

ANDREAS DORAU

Die Aufgabe: Giro-Konten für alle zwischen 15 und 20 bewerben

Die Überlegung: Einen Anlass zu schaffen, dass Schüler in die nächste Filiale der Nord/LB gehen.

Die Idee: Im Kino-Film spielen Andreas Dorau und die Marinas den Schlager fürs Giro-Konto. Aber ohne Ton. Den Originalton auf Cassette gibt’s in Nord/LB-Filialen. Anträge fürs Girokonto auch.

Der Erfolg: Anträge über Anträge

Cinema commercial:

Andreas Dorau und die Marinas spielen den Rockefeller Rap. Man hört keinen Ton.

(Super:) Den Originalton gibt’s auf Cassette in jeder Filiale der NORD/LB.

Den Antrag fürs Giro-Konto auch. Gratis. Für alle zwischen 15 und 20.

CREDITS

Auftraggeber: Nord/LB
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Fred Baader
Texter: Gerald Heinemann
Artdirector: Wolfgang Behnken
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FÜR GEORG

Nord/LB, 1987

Anzeige zum Kunstpreis der Nord/LB 1987

Michael Scirner und Grey Advertising, Nord/LB, 1987, Anzeige

UNTERST ZU OBERST

Für Symposien vom STERN zur Marktforschungsstudie Dialoge 2 entwickelte Michael Schirner mit Konstantin Jacoby und Jean Remy von Matt von Springer & Jacoby eine Kampagne für das Hamburger Schauspielhaus, mit Franz Brauer und Michael Preiswerk von McCann-Erickson eine Kampagne für die Bahn, mit Manfred Riemel von Eiler & Riemel eine Kampagne für die MD Papierfabriken, mit Ulli Leschack und Jürgen Mandel von GGK Düsseldorf eine Kampagne für IBM, mit Feico Derschow und Carlos Obers von RG Wiesmeier eine Kampagne für den Münchener Umwelttag 1987. In seiner Agentur entwickelte Michael Schirner mit Mit Claudia Hammerschmidt eine Kampagne für den Bundesjugendwettbewerb Jugend forscht.

Die Kampagne für den Kunstpreis der Nord/LB entwickelt Michael Schirner mit Jean Lessenich von der Grey Adverteising. Da der Gewinner des Kunstpreises Georg Baselitz seine Bilder auf dem Kopf gestellt malt, stellte Jean Lessenich die Abbildungen der Anzeigen auch auf den Kopf, was einige Zeitschriftenverlage vor Veröffentlichung der Anzeigen irrtümlich korrigierten.

Anzeige zum Kunstpreis der Nord/LB 1987

Michael Scirner und Grey Advertising, Nord/LB, 1987, Anzeige

Anzeige zum Kunstpreis der Nord/LB 1987

Michael Scirner und Grey Advertising, Nord/LB, 1987, Anzeige

Anzeige zum Kunstpreis der Nord/LB 1987

Michael Scirner und Grey Advertising, Nord/LB, 1987, Anzeige

Anzeige zum Kunstpreis der Nord/LB 1987

Michael Scirner und Grey Advertising, Nord/LB, 1987, Anzeige

CREDITS

Auftraggeber: Nord/LB
Agentur: Michael Schirner und Grey Advertising
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Jean Lessenich
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FÜR REINHARD

Bertelsmann, 1986

19seitige Anzeige zum 65. Geburtstag von Reinhard Mohn

KKG Projektagentur, Bertelsmann, 1986, 19-seitige Anzeigenstrecke

19 x 19

Die Verlagsgruppe Bertelsmann wollte, dass KKG sich ein Geschenk für Reinhard Mohns 65jährigen Geburtstag ausdenkt. Michael Schirner hat eine Medienidee: Jede der 19 Bertelsmann-Zeitschriften gratuliert Reinhard Mohn auf 19 Anzeigenseiten im jeweiligen Heft so: Auf jeder Seite steht ein großer Buchstabe, darunter klein, dass hier z.B. der STERN Reinhard Mohn zum Geburtstag gratuliert, Seite für Seite ein weiterer Buchstabe. Die Buchstaben auf den Seiten in jedem Heft ergeben den Satz: Reinhardt Mohn wird 65!

CREDITS

Auftraggeber: Bertelsmann
Agentur: KKG Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Enrique Jungbauer
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
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MICHAEL SCHIRNER, VERDIENT DIE MILKA-KUH DEN NOBEL-PREIS FÜR LITERATUR?

Intervention im Oberlandesgericht Düsseldorf, 1982

Intervention im Oberlandesgericht Düsseldorf, Szenenfoto, 1982

Michael Schirner, Verdient die Milka-Kuh den Nobelpreis für Literatur? Intervention, Oberlandesgericht Düsseldorf, 1982

Der Prozess

1982 hatte ich für den BDW Deutscher Kommunikationsverband eine Aktion durchgeführt, in der ich mich mit dem Verhältnis von Werbung zur Literatur auseinandersetzte. Ich hatte zwei Literaten und zwei Werbeleute in den großen Saal des Oberlandesgerichts in Düsseldorf geladen zum Verhandeln der Frage: Verdient die Milka-Kuh den Nobelpreis für Literatur?

Richter war der Journalist  Felix Perelsztein, der eine Nachbildung der lila Kuh vor sich hatte; rechts neben ihm saßen die Autoren Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore, links die Schweizer Werber Martin Suter und Silvio Rizzi . In der Verhandlung verlasen die beiden Werber elaborierte literarische Texte, während Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore Inserenten-Werbung machten für ihre gerade gegründete Zeitschrift Transatlantik.

Martin Suter: ,,Meine Damen und Herren, Venedig versinkt, und wir fragen uns, ob die Milka-Kuh den Nobelpreis für Literatur verdient. Gestatten Sie mir, an dieser Stelle zu antworten: ,Muh‘ … Ich beantrage, dass die Milka-Kuh in Abwesenheit vom Versuch, den Nobelpreis für Literatur zu ergattern, freigesprochen wird. Der Kläger Michael Schirner ist zu den Gerichtskosten verurteilt. Die Nebenklägerschaft Enzensberger/Salvatore zu den Nebenkosten. Der Beklagten und Venedig sind angemessene Entschädigungen zu entrichten.“

Silvio Rizzi : ,,Was ein Schriftsteller schreibt, ist nie etwas anderes als Werbung für ihn selbst … Ich bitte die Schriftsteller unter Ihnen, auch die Journalisten, wenn solche dabei sind, eine einzige Zeitschriftenseite zu schreiben, auf der nur Zustimmendes gesagt wird, das Wort ,ich‘ nie erscheint und ebenso wenig der Name des Verfassers. In einer Ecke ist der verbale Hinweis ,Anzeige‘ zu dulden, der auf die bezahlte und kommerzielle Art der Publikation deutet. Sollte sich unter den Angesprochenen jemand imstande fühlen, diese Seite zu schreiben und darauf für einen Gegenstand nach freier Wahl zu werben, jedoch nicht für die eigene Person, ist die GGK bereit, die Erscheinungskosten in Transatlantik zu übernehmen. Einsendeschluss ist der 31. Oktober.“

Dass Literaten und Werber ihre angestammten Rollen tauschten, wertete der Richter als Indiz dafür, dass die Milka-Kuh den Nobelpreis für Literatur verdiene und wünschte Transatlantik viele Werbe-Insertionen.

Ich habe dann eine weiße doppelseitige Anzeige in Transatlantik veröffentlicht, auf der nichts anderes zu sehen ist als oben links sehr klein „GGK“.

Gaston Salvatore und Hans Magnus Enzensberger, Intervention im Oberlandesgericht Düsseldorf, Szenenfoto, 1982

Michael Schirner, Verdient die Milka-Kuh den Nobelpreis für Literatur? Intervention, Oberlandesgericht Düsseldorf, 1982

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OH WUNDER!

Lettre International, 1988

Anzeige zur Einführung der Kulturzeitschrift "Lettre International", 1988

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Lettre International, 1988, Zeitschriftenanzeige

BLEI UND ÖL

Lettre International ist die von Frank Berberich als Kulturzeitschrift seit Mai 1988 in Berlin herausgegebene deutsche Ausgabe der 1984 in Paris von Antonin J. Liehm gegründeten, französischen Publikation Lettre Internationale. In Frankreich war Lettre ausschließlich mit langen Textbeiträgen erschienen. Frank Berberich bat Michael Schirner um Entwicklung eines Konzepts für Design und Werbung der deutschen Lettre. Schirner empfahl, Titel und Innenseiten jeder Ausgabe mit Werken vonbekannten Künstler gestalten zu lassen. Schirner sprach zahlreiche internationale Künstler an und bat um Arbeiten für die jeweiligen Ausgaben. Für Lettre Nr.1 malte Jörg Immendorff einen Zyklus von Ölbildern. Schirner warb mit einem Zitat von Milan Kundera: „Oh Wunder, eine europäische Zeitschrift von außergewöhnlichem Niveau.“

Beitrag aus Wikipedia mit Überschrift „Zusammenarbeit mit Künstlern“: „Titelbilder und weitere Seiten im Innenteil werden exklusiv von Künstlern gestaltet. Zahlreiche internationale Künstler haben die Zeitschrift visuell geprägt, darunter Jörg Immendorff, der die erste Ausgabe gestaltete, Miquel Barcelò (2004), Ai Weiwei (2009), Georg Baselitz (1989 und 2008), Sigmar Polke (1989), Rebecca Horn (1990), Rosemarie Trockel (1994), Tobias Rehberger (2012 und 2018), Ilya Kabakov (1990), Marina Abramović (1993), A. R. Penck (1988), Jorinde Voigt (2015), Gerhard Richter (1996), Max Grüter (2003 und 2009) und Valérie Favre (2016).

Die großzügige Positionierung von Fotografie, Fotoportfolios sowie der Einsatz konzeptioneller, künstlerischer, essayistischer, dokumentarischer oder Reportage-Fotografie gehören zu den wesentlichen visuellen Bestandteilen des Heftes.[11][2] Beitragende Photographen waren unter anderem Quentin Bertoux, Daniel Schwartz, Cristiana Garcia Rodero, Sebastião Salgado, Massimo Berruti, Rodrigo Abd, Graciela Iturbide, Tian Doan Na Champassak, JR, Hans Hansen, Paolo Pellegrin, Olafur Eliasson, Juan Manuel Castro Pietro, Matt Black, oder Robert Longo.

Jede Ausgabe von Lettre International ist konzipiert als Kombination verschiedener Textsorten, Kunstformen und Themen, eine Komposition von textlichen und bildlichen Beiträgen, ein „Versuch, bildende Kunst und Politik zusammenzudenken“. Weltpolitik und Geschichte, Philosophie und Religion, Literatur und Theater, Film und Oper, Musik und Kunst, Wissenschaft und Forschung, Psychoanalyse und Ethnologie, Ökologie oder Ökonomie gehören ebenso zu den Themen von Lettre International wie Architektur, Astronomie, Sport, Natur, Medien, Erotik, Netzkultur oder life style. Die in Lettre International veröffentlichten Beiträge sind in der Regel deutsche Erstveröffentlichungen; etwa 80 Prozent werden aus anderen Sprachen übersetzt. Eine Vielzahl von Autoren hat Lettre International erstmals im deutschen Sprachkreis publiziert. darunter Liao Yiwu (2007), Slavoj Žižek (1991), Eliot Weinberger (1995), Halford J. Mackinder (2018), Abdelwahab Meddeb (1989), Urvashi Butalia (1997), Suketu Mehta (1997), Wiliam Langewiesche (2001), Nicholas Shakespeare (1988), Mark Danner (2005), Zhoug Qing (2006), Michail Ryklin (1991) und Gohar Homayounpour (2013). Zu den regelmäßig publizierenden Autoren von Lettre gehören ferner u. a. Bora Ćosić, Régis Debray, Volker Demuth, Svetlana Alexijewitsch, Marcel Hénaff, Pankaj Mishra, Enrique Vila-Matas, Yang Lian, Georges Nivat, Frank Raddatz, Jacques Rupnik, Priya Basil, Wallace Shawn, Jean-Luc Nancy, Tom Engelhardt, Georg Stefan Troller, Karl Schlögel, Raoul Schrott, Elif Batuman, Philippe Videlier, Roberto Scarpinato, Olga Slawnikowa, Patricia Görg, Alfred McCoy, Nedim Gürsel, Péter Nádas, Boris Groys. (Wiki)

Die Einführungswerbung zeigt die neue Lettre mit Immendorffs Titelbild und Zitat Milan Kunderas: „Oh Wunder: Eine europäische Zeitschrift von außergewöhnlichem Niveau“.

Anzeige zur Einführung der Kulturzeitschrift "Lettre International", 1988

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Lettre International, 1988, Tageszeitungsanzeige

CREDITS

Auftraggeber: Frank Berberich, Lettre International
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Diedrich Diederichsen
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
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