Archiv der Kategorie: Projekte

HIER NICHT

taz, die tageszeitung, 1990

Anzeige für taz, die Tageszeitung, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, taz, die tageszeitung, 1990, Anzeige

GEGENANZEIGE

1990 kam die Chefredakteurin der taz Georgia Tornow zu Michael Schirner: „Zeigt, dass taz die Alternative zu allen Tageszeitungen ist.“ Die Agentur schlug der taz eine Kampagne vor, die aus einem Anzeigenmotiv bestand. Auf der Anzeige stand der Satz: „Was hier nicht steht, steht in der taz.“ Diese Anzeige wurde in FAZ, Süddeutsche, Die Welt, Die Zeit etc. veröffentlicht. Umgekehrt bot die taz den Tageszeitungen an, in der taz Gegenanzeigen zu schalten, z.B.: „Was hier nicht steht, steht in der FAZ“. Einige Titel machen das Spiel mit. Die Abo-Auflage der taz steigt. Die der anderen Tageszeitungen auch.

MINI-TAZ

1987 kamen taz-Chefredakteur Thomas Hartmann und Verlagsleiter Kalle Ruch in die Agentur und schilderten die Lage ihrer Tageszeitung: „Wenn wir in den nächsten Wochen nicht deutlich mehr Zeitungen und Abos verkaufen, müssen wir die taz einstellen. Könnt Ihr uns retten? Geld für die Agentur haben wir keins.“ Schirner und Diederichsen hatten eine Idee: Eine aktuelle Ausgabe der taz wird Seite für Seite auf Postkartenformat verkleinert, die letzte Seite ist eine Abo-Bestellkarte; diese Mini-taz wurde auf eine weiße Seite der SPIEGEL-Gesamtauflage geheftet. So erreichte die taz für eine Woche 1 Mio. SPIEGEL-Leser. Darauf waren verkaufte Auflage und Abos der taz so angestiegen, dass die taz das Einheitsgehalt jedes Mitarbeiters von 800 auf 1.200 DM erhöhen konnte.

Bei der Gelegenheit hatte die Agentur der taz ein neues Corporate Design verordnet mit dem Schriftzug: taz, die tageszeitung.

CREDITS

Auftraggeber: taz, die tageszeitung
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Diedrich Diederichsen
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
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MICHAEL SCHIRNER UND MARCEL ODENBACH, 1.000 MORDE

Galerie Hans Mayer Düsseldorf, 1983

Video-Still, Tausend Morde, 1983

Michael Schirner und Marcel Odenbach, 1.000 Morde, 1983, Video-Still

VIDEO-EDITION, FOLGE 3

1983 schlug Michael Schirner der Fernsehzeitschrift Gong vor, eine Edition von Video-Kassetten mit Medienkunst herauszugeben. Für Folge 3 der Edition hatte Schirner die Idee, aus Klassikern der Filmgeschichte 1.000 Mordszenen auszuwählen und so zu bearbeiten, dass ein eigenständiges Videokunstwerk entsteht. Regie führte Michael Schirner, Schnitt und Bearbeitung übernahm Marcel Odenbach. Premiere hatte das Band in der Galerie Hans Mayer Düsseldorf und wurde auf Festivals für Videokunst ausgezeichnet.

Video-Still, Tausend Morde, 1983

Michael Schirner und Marcel Odenbach, 1.000 Morde, 1983, Video-Still

Video-Still, Tausend Morde, 1983

Michael Schirner und Marcel Odenbach, 1.000 Morde, 1983, Video-Still

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MICHAEL SCHIRNER UND KLAUS VOM BRUCH, 1.000 KÜSSE

Galerie Hans Mayer Düsseldorf, 1983

Video-Still, Tausend Küsse, 1983

Michael Schirner und Klaus vom Bruch, 1000 Küsse, 1983, Video-Still

VIDEO-EDITION FOLGE 2

1982 hatte Michael Schirner der Fernsehzeitschrift Gong vorgeschlagen, eine Edition von Kassetten mit Video-Kunst herauszugeben. Folge 1 Musik zum Gucken zeigt die ersten Musik-Videos avancierter Pop-Gruppen. Für Folge 2 der Edition hatte Schirner die Idee, aus Klassikern der Filmgeschichte 1.000 Kussszenen auszuwählen und so zu bearbeiten, dass ein eigenständiges Videokunstwerk entsteht. Regie führte Michael Schirner, Schnitt und Bearbeitung übernahm Klaus vom Bruch. Das Video 1.000 Küsse hatte Premiere in der Galerie Hans Mayer Düsseldorf und wurde auf Videofestivals ausgezeichnet.

Video-Still, Tausend Küsse, 1983

Michael Schirner und Klaus vom Bruch, 1000 Küsse, 1983, Video-Still

Michael Schirner, Klaus vom Bruch, Tausend Küsse, Video-Still, 1983

Michael Schirner und Klaus vom Bruch, 1000 Küsse, 1983, Video-Still

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GGK WAS HERE

Ströer Superposter, 1980

Werbung für Superposter auf Superposter, 1980

GGK Düsseldorf, Ströer Superposter, 1980, Superposter

HÖHER PINKELN

Die Verlagsgruppe vom „The Dubliner Independent“ führte ein neues Außenwerbeformat in Deutschland ein. Es heißt Superposter und ist fast doppelt so groß wie das übliche 18/1-Bogenplakat. Michael Schirner, sein Texter Franz Brauer und Artdirector Michael Preiswerk wollten das neue Medium in der Werbebranche bekanntmachen. Sie fanden, das beste Medium für das Medium ist das Medium selbst. Klar, dass Werbung für Superposter auf Superposter gehört. Mit der ersten Superposter- Runde reden Superposter über sich: „4 x 5 Meter“, „40 Bogen“, „Produktion 100 Mark“, „Wird nachts beleuchtet“, „Hängt 30 Tage“, „Hängt quer zum Verkehr“, „Liebes 12/1, ich bin ein 40/1“, „Liebe Hunde, ich häng höher, als Ihr pinkeln könnt“ etc. In der nächsten Runde sprechen sie die Chefs von Werbeagenturen an. Auf dem Weg in die Agentur liest der Chairman von TEAM/BBDO: „Lieber Vilim Vasata, möchten Sie nicht mal ein wirklich großes Plakat machen?“ Auch die Chefs von Y&R, DDB, TBWA etc. finden ihre Namen auf Superposter. Die nächste Runde spricht Inserenten an: „Lieber Opel-Rekord, ich bin größer als Du“, „Lieber Weißer Riese, ich bin auch einer“, „Liebe Pepsi, Coke was here” etc. In der nächsten Runde wird Superposter persönlich: „Lieber Baurat, bitte genehmigen Sie mich“, „Liebe Baya, ich mach Dir hier den größten Heiratsantrag aller Zeiten, Jörg“ und „GGK was here“.

Werbung für Superposter auf Superposter, 1980

GGK Düsseldorf, Ströer Superposter, 1980, Superposter

Werbung für Superposter auf Superposter, 1980

GGK Düsseldorf, Ströer Superposter, 1980, Superposter

Werbung für Superposter auf Superposter, 1980

GGK Düsseldorf, Ströer Superposter, 1980, Superposter

Werbung für Superposter auf Superposter, 1980

GGK Düsseldorf, Ströer Superposter, 1980, Superposter

Werbung für Superposter auf Superposter, 1980

GGK Düsseldorf, Ströer Superposter, 1980, Superposter

CREDITS

Auftraggeber: Ströer Superposter
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Franz Brauer
Artdirector: Michael Preiswerk
Grafiker: Holger Brondics
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DOPPEL

Kunsthalle Düsseldorf, 1995

Werbung für die Doppelausstellung "Siqueiros / Pollock" in der Kunsthalle Düsseldorf 1985

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf, 1995, Plakat

ZWISCHENVERGLEICH

Jürgen Harten

Als erster hat Octavio Paz, kein unkritischer Bewunderer der beiden Künstler, Siqueiros mit Pollock verglichen. Wie mit einem Zeitraffer fasst er den Abstand zwischen den dreißiger und späten vierziger Jahren zusammen, um in beiden eine zutiefst verwandte, aber eben verschiedene Motivation von vergleichbarerer Dynamik zu entdecken. Siqueiros, schreibt er, begreift die Materie als von Energien bewegt, die mit sich selbs kämpfen. Zu Pollock heißt es, er arbeite an „einer Vision der Materie, die um sich greift und sich ausdehnt, bis sie sich schließlih selbst negiert, bis sie aufhört, Materie zu sein und sich in Schrei verwandelt; Schrei, nicht Wort: totale Bejahung der Energie und zugleich nicht minder total Verneinung der Bedeutung.“ Mit anderen Worten, Paz diagnostiziert bei Pollock eine Dialektik zwischen einer von „Bedeutung“ freien, rein auf die Materialität reduzierten Malerei und einem unbedingten Ausdruckswillen, während er bei Seiqueiros ein a priori wirksame Dynamik im Umgang mit den malerischen Mitteln annimmt, die zwar unmittelelbar zum Ausdruck kommt, aber trotzdem, also zusätzlich, „Bedeutung“ beansprucht.

CREDITS

Auftraggeber: Kunsthalle Düsseldorf
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Artdirector: Catharina von Poser
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HEAVEN, AN EXHIBITION, THAT WILL BREAK YOUR HEARD

Kunsthalle Düsseldorf, 1999

Michael Schirner, Amen, in: Heaven, An Exhibition That Will Break Your Heart, Hrsg. Doreet Levitte Harten, Kunsthalle Düsseldorf, Tate Gallery Liverpool, Hatje Cantz Verlag, Osterfildern-Ruit 1999

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Heaven, Kunsthalle Düsseldorf, 1999, Plakat

MICHAEL SCHIRNER, SALVATION

Doreet Levitte Harten

In der Ausstellung HEAVEN ist Schirners Arbeit mit dem Titel Salvation in der Toilette untergebracht, wo Slogans in der Art und Weise von Predigten vorgetragen werden und dabei das geistliche Prozedere imitieren. Die Arbeit trägt den Titel Salvation (Erlösung), da dies das erklärte Ziel ist, das beide Systeme versprechen. Die Toilette ist ein metaphorischer Raum: Hier durchläuft man eine Art Reinigungs- und Läuterungsprozess, entledigt sich körperlicher Abfallstoffe und fühlt sich nach ihrer Benutzung besser. In Beziehung zur Kirche sind Toiletten das, was der Körper in Beziehung zur Seele ist  – ein Dualismus, der noch auf der Suche nach einem Mittler ist. Die Vorstellung von der Toilette als Manifestation des Läuterungsrituals ist nur eine von vielen Metaphern; die Toilette kann auch für die Werbung als solche stehen, da beide Institutionen verabscheut, aber gebraucht, wenn nicht geradezu begehrt werden.

AMEN

Michael Schirner

1999 hatte ich einen Pilgerort als Andachtsraum geschaffen. Das war auf der Ausstellung HEAVEN An Exhibition That Will Break Your Heart in der Kunsthalle Düsseldorf. HEAVEN  war eine Ausstellung über religiöse Erfahrung und ihre Verwandlung in den Künsten und der Populärkultur. In den ausgestellten Werken und Objekten manifestiert sich, wie das Erhabene und Sublime in vielfältiger Weise den medialen Alltag des Jahrhunderts durchdringen. HEAVEN zeigte Werke von Sylvie Fleuty, Gilbert & George, Jeff Koons, Ron Muek, Tony Oustler, Ed Ruscha. u.a. Für HEAVEN entwickelte ich die audiovisuelle Installation SALVATION. Auf Türen von Damen- und Herren-Toiletten wurde vertikal SALVATION plakatiert, der Raum der Toiletten in Schwarzlicht getaucht und beschallt mit gepredigten Werbeslogans:

Auf diese Steine können Sie bauen.

Nichts bewegt sich wie ein Citroen.

Quadratisch, praktisch, gut.

Sind sie zu stark, bist Du zu schwach.

Wir machen den Weg frei.

Come to Marlboro Country.

Aus dieser Quelle trinkt die Welt.

Bild dir deine Meinung.

Smart. Reduced to the max.

Bitte ein Bit.

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf.

Er läuft und läuft und läuft und läuft.

A + T. We connect people.

Der Tag geht, Johnnie Walker kommt.

Heiß geliebt und kalt getrunken.

Bauknecht weiß, was Frauen wünschen.

IBM. Solutions for a small planet.

Für das Beste im Mann.

Campari. Was sonst.

Apple. Think different.

Aus Erfahrung gut.

Hell wie der lichte Tag.

Heinecken refreshes parts other beers don’t reach.

Ich rauche gern.

Lucky Strike. Sonst nichts.

Mobil. We want you to live.

Ich trinke Jägermeister, weil …

Da weiß man, was man hat.

Have a break, have a kitkat.

Ich war eine Dose.

Otto … find ich gut.

Ihr guter Stern auf allen Straßen.

Mit 5 Mark sind Sie dabei.

Coca Cola is it.

Heute ein König.

Michts ist unmöglich.

Happyness is a cigar called Hamlet.

Persil bleibt Persil.

Microsoft. Where do you want to go.

Nie war er so wertvoll wie heute.

No smint. No kiss.

Just do it.

Auch hier habe ich gezeigt, dass Werbung nur Kunst ist und Kunst nur Werbung, also beides nichts Besonderes, aber das Höchste und Erhabenste. Amen.

Michael Schirner, Installation, Ausstellung "Heaven", Kunsthalle Düsseldorf 1999

Michael Schirner, Salvation, Kunsthalle Düsseldorf, 1999, Installation Shot

Michael Schirner, Installation, Ausstellung "Heaven", Kunsthalle Düsseldorf 1999

Michael Schirner, Salvation, Kunsthalle Düsseldorf, 1999, Installation Shot

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BRAVO, JETZT KOMMT ROCKY!

Burda GmbH, 1979

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

1979 beauftragte Hubert Burda GGK Düsseldorf mit der Werbung zur Einführung von Rocky, einer Kopie der Jugendzeitschrift Bravo. Reinhold Scheer textete: Bravo, jetzt kommt Rocky. Michael Schirner, sein Texter Joachim Beutler und Artdirector Holger Nicolai verfassten die Kleine Enzyklopädie der jungen Leute, einen Katalog der Sammlungen von Attributen, Zeichen und Moden der Jugendkultur.

Themen: die Frisuren, die Flipper, die Musik-Boxen, die Tänze, die Buttons, die Sprache, die T-Shirts, die Chopper, die Jacken. Zu jedem Thema gibt es große zwei Bildtafeln mit Fotos, jeweils gefolgt von Gesprächen mit 14- bis 19-Jährigen zu den Themen der Enzyklopädie. Zum Beispiel Zitate von Mot-Rockern zu ihren Jacken: Wenn man jetzt die Zeichen hat, kommt das Abzeichen jetzt auf die Jacke drauf, jeder nimmt sich ne Flasche Bier oder Sekt, die Jacke wird auf den Boden geschmissen, dann kommt Sekt oder Bier drüber, danach wird drübergestrullt und anschließend noch paarmal mit der Karre drübergefahren, und dann wieder das Ding angezogen. Ich würde die Jacke nicht verschenken, eher verbrennen oder zerreißen.“

Vorwort

Es gibt zwei Kulturen. Die alte und die junge. Die alte Hochkultur wird in den Museen ausgestellt, in Theatern aufgeführt, in Konzertsälen dirigiert, in Leinen gebunden und in Bibliotheken gehütet. Die Junge Kultur ist die Massenkultur der um die 18jährigen. Sie findet überall statt, auf allen Straßen, auf allen Plätzen, in allen Häusern.

Die Skulpturen der jungen Kultur haben zwei Räder. Das Rad darf vom Motorblock nur 1,50 m entfernt sein, die Gabel muss eine bestimmte Länge haben, der Tank kann individuell bemalt sein. Stufensitzbank möglich, viel Chrom; der Fahrer steht auf Gleiten, nicht auf Rasen.

Das Tafelbild der jungen Kultur ist die Anzeigetafel des Flippers, den Bettina in der Hand hat, der die Breite hat, die toll ist, Beckenbreite, zu dem Anna eine Beziehung aufbaut, wenn sie immer an der gleichen Stelle spielt und er auf einmal weg ist und sie richtig traurig darüber ist, oder sie jemanden gut gefunden hat und mit ihm zusammen geflippert hat, ohne dass sie dabei viel gesagt haben.

Die Literatur der jungen Kultur ist die Sprache der jungen Leute, die Sprache von Günther, der Sachen redet, einfach so in den Satz rein, die gar nicht dazu passen, die praktisch genau das Gegenteil von dem sagen, was wirklich läuft. Die Sprache von Pia, die sich bei diesen Wörtern einem gewissen Trend oder einer gewissen Mode unterworfen hat, die sich laufend ändert und jeden Tag praktisch was Neues kommt, was dann aufgegriffen wird. Die Sprache von Tina, die Hochdeutsch überhaupt nicht sprechen kann, die dann zu stottern anfängt, auch wenn sie liest, dann muss sie ertmal hinten nachsehen, was die Wörter alles heißen. Die Sprache von Roland, der glaubt, die Sprache ist gebildet worden vor etlichen Jahren, um sich von den Erwachsenen zu unterscheiden, und der es unheimlich stark findet, wenn es eine Kultur gibt von Jugendlichen.

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler
Artdirector: Jürgen Dahlen, Holger Nikolai
Grafiker: Detlef Garlipp
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8 Minuten Bibel

Die Post, 1978

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

DIE LÄNGSTEN 8 MINUTEN, DIE ES JE GAB

Heli Ihlefeld, PR-Chefin der Post, bat GGK, für den neuen 8-Minuten-Zeittakt beim Telefonieren zu werben, denn alle regten sich auf, dass man jetzt nicht mehr so lang telefonieren könne wie früher und alle 8 Minuten nachzahlen müsse. Michael Schirner, sein Texter Bernd Arnold und Artdirector Helmut Rottke erzählten die Geschichte andersrum: Nicht, dass man jetzt weniger telefonieren kann als früher, sondern wie herrlich viel man in 8 Minuten am Telefon sagen kann. 8 Minuten sind nämlich eine ganz schön lange Zeit. Das zeigten sie mit die Plakattexten, die 8 Minuten lang sind z.B. 8 Minuten Luther-Bibel, 1. Buch Moses, 8 Minuten Speisekarte des Düsseldorfer Restaurants Nippon Kan gegenüber der Agentur, 8 Minuten „Jason und Medea“ von Grillparzer, 8 Minuten „Tischlein deck Dich“ der Gebrüder Grimm, 8 Minuten Lexikon von Fuchsjagd bis Fühlung, 8 Minuten Volkslieder, 8 Minuten Witze. Der Spaß des Publikums an der Werbung war so groß, dass die Kritik verstummte. Viele wollten die schönen Plakate haben. Das Plakatmotiv mit 8 Minuten Witzen war so gefragt, dass es nachgedruckt werden musste.

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

CREDITS

Auftraggeber: Bundesministerium für Post- und Fernmeldewesen
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Bernd Arnold
Artdirector: Helmut Rottke
Grafiker: Susi Richli
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MICHAEL SCHIRNER, POPE

Düsseldorf, 1999

POPE, Pop-CD von Michael Schirner, 1999, CD-Cover

Michael Schirner, Pope, 1999, CD-Cove

WIR SPIELEN STÜCKE, DIE WIR MÖGEN
UND ZERSTÖREN SIE, SO GUT WIR KÖNNEN

1999 kooperierte Michael Schirner mit dem Musiker und Producer Suppi Huhn für das Album Pope mit CD und 12” Maxi Single. Anders als Glitch-Gruppen, die elektronische Pop-Songs mit Störgeräuschen produzieren, werden bei Pope Pop-Songs analog gespielt und digital bearbeitet; Klangmaterial sind Störgeräusche. Das Pope-Konzept: „Wir spielen Stücke, die wir mögen, und zerstören sie so gut wir können.“ Die Musik von Michael Schirner folgt dem Prinzip der Auflösung herkömmlichen Regeln für das Zusammenspiel von Melodie und Harmonie. Für Pope werden nicht nur Melodie und Harmonie zerstört, sondern auch der Rhythmus. Die Strukturen der Stücke werden aufgelöst, die Mikrostrukturen erscheinen. Die Klangerlebnisse sind extrem, den Hörgewohnheiten wird widersprochen: Unsatisfaction guaranteed!

Für die Nutzung von Pop-Songs wurden 11 Pop-Gruppen angefragt: The KLF What Time is Love, Ween Fat Lenny, Michael Nyman Memorial, LFO Love Is The Message, Beck Where It’s At, Daft Punk Rock’n Roll, Arrested Development Man’s Final Frontier, Calvin Rotane I Believe, Aborigene Alexa und Gary D. und BDP The Original Way. 10 Gruppen lehnten die Nutzung ihrer Songs ab, The KLF übertrug Pope die Nutzungsrechte für What Time Is Love. 10 Titel wurden analog gespielt und bearbeitet, jedes Stück zuerst in der Soft- und dann in der Hardcore-Version: Dark Green / Green; What Time / The King of Jamaica; Xenia, Princess of Jamaica / Xenia; No Love / Love; Ulli, The Mother; Trident of Jamaica / Trident; Silvana; 50 Peacocks / Pia; Miriam Shot the Pope; Help. 12” Maxi Single, A: Xenia Dub Mix, B1: Xenia Club Mix, B2: DJ Remix Tools.

Suppi Huhn von Chicken Records: „Pope setzt da an, wo KLF, Ween, Beck und Daft Punk aufhören. Pope ist für Elektro-Fans und alle, die Interesse an Neuem und Experimenten in der Pop-Musik haben. Pope führt Trendsetter mit den Stücken 1 bis 10, die soft und tanzbar sind, an die Hard-Core-Versionen 11 bis 19 heran. Das Material der Stücke stammt aus unterschiedlichen Stilrichtungen. Pope bietet Jugendlichen die Möglichkeit, mit extremem Musikgeschmack zu schockieren und zu demonstrieren, dass sie nicht Mainstream sind.“

dark green 3:38

what time 3:02

xenia, princess of jamaica 3:54

no love 3:10

ulli, the mother 3:55

trident of jamaica 3:28

Silvana minha terrorista 3:23

50 peacocks 3:09

miriam shot the pope 3:14

king of jamaica 3:26

 

help 1:04

green 3:00

xenia 3:05

love 3:01

ulli 3.08

trident 3:03

silvana 3:00

miriam 3:01

Credits: Michael Schirner Concept, Music & Spoken Voice; Suppi Huhn: Music, Production; DJ „Duck“ Anderson: Rap Vocals; Stefan Berkenfeld: Trobone; Suppi Huhn: Keyboard, E-Percussion; Jan Kazda: Bass; Oliver Kok: Trumpet; Monika Meyer: Opera Vocals; Sameh Mina: Drums; Andreas Reck: Vocals, Guitar; Cosima Russo: Chorus; Michael Schirner: Spoken Voice; Joana Smith: Chorus; Markus Wienstroer: String Arrangements; Günter Zulauf: Guitar; Verlag: Chicken Records; Vertrieb: Koch International.

Die Gruppe POPE sind Suppi Huhn, Thomas Junk und Michael Schirner

Die Gruppe Pope, Thomas Junk, Michael Schirner, Suppi Huhn, 1999

MICHAEL SCHIRNER, THE KING OF JAMAICA

Für die Aufnahmen des Pope-Musikvideos The King of Jamaica flogen Michael Schirner, Miriam und Pia Dehne, Uli Brahm und ihrer Tochter Xenia (8) nach Port Antonio, Jamaika ins Tridend, dem Hotel im englischen Landhausstil in grün und weiß mit Buchsbaumhecken und 50 Pfauen und Perlhühner.

Credits: Miriam Dehne: Script, Direction, Camera; Pia Dehne: Actress; Ulli Brahm: Actress & Photos; Xenia: Actress; Michael Schirner: Actor; Thomas Junk: Video Composing, Cover-Design, Booklet, Einladung, Poster etc.

Michael Schirner: „Ich danke Uli, Xenia, Pia, Miriam, Suppi und Thomas für Ihre Zusammenarbeit und ich danke allen, die mir gute Ratschläge gegeben haben: Diedrich Diederichsen, Andreas Dorau, Frank Fenstermacher, Jochen Hülder, Inga Humpe und Ulli Maier, dem Erfinder des Titels Pope.“

Echo auf die Pope:

„Unfortunately the material is not what we are looking for.“ Jeff Fenster, Jive Records N.Y.;

„Strange, aber interessant” Ralph Kotowski, Mercury/Polygram;

„Das ist Scheiße!” Walter Holzbaur, Wintrup Music; “Zu innovativ, aber die Soft- und Hardcore-Unterteilung ist lustig.” Michael Wolf,Virgin München;

„Klasse! Die Leute aus den Nachbarbüros sind gekommen und haben gefragt, ob ich jetzt übergeschnappt wäre.” Alfred Dübell, Koch International;

“Cooler Stuff”, Sacha Voss, Arcade;

“I was amused.” Inga Humpe, It Worx;

„Das Video ist ja mal der Hammer: Wenn der Track mich schon in meinen Grundmauern erschüttert, dann finde ich für die visuelle Umsetzung keine Worte. Musik für das 4. Jahrtausend?” Georg Roth, Dos or Die.

1999 und 2000 gab es Pope-Live-Auftritte von Michael Schirner, Suppi Huhn, Thomas Junk und Cosima Russo im Düsseldorfer Malkasten, im E-Werk Köln, HfG Karlsruhe und Hochschule für Künste Bremen.

POPE, Pop-CD von Michael Schirner, Leavelet, 1999

Michael Schirner, Pope, 1999, CD-Leavelet

POPE, Pop-CD von Michael Schirner, Leavelet, 1999

Michael Schirner, Pope, 1999, CD-Leavelet

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MICHAEL SCHIRNER, PLAKAT UND PRAXIS

Meterverlag, 1986

Michael Schirner, Plakat und Praxis, Text auf dem Rücktitel: Werner Büttner

Michael Schirner, Plakat und Praxis, Text auf dem Rücktitel: Werner Büttner, 1986

MEIN ARSCH GEHÖRT IHNEN

„Als Werner Büttner und Albert Oehlen vor zwei Jahren einen Verlag gründeten, bedurften sie exakt vier Dinge. Erstens eines Porträts des Illustrators Adolf Oehlen, dem Vater von Albert Oehlen, zweitens eines Brettes und drittens zweier Hämmer. Mit diesen Utensilien entwarfen sie das Programm des Verlages. Das Vaterporträt kündete dabei von der optischen Aufmachung künftiger Publikationen. Alle Bücher sollten ausschließlich mit Cartoons des Künstlervaters illustriert werden. Die drei übrigen Dinge gaben dem Verlag Rahmen und Namen. Aus Brett und Werkzeug montierten die Künstler ein Bücherbord, das die Hämmer als seitliche Buchstützen abschlössen. Dabei wurden sie derart installiert, dass sich zwischen ihren Schlagflächen ein Raum von exakt einem Meter Länge erstreckte. So gesellte sich zum Bildprogramm ein Produktionssoll. Es galt exakt so viele Bücher zu publizieren, dass sie genau den einen Meter des erstellten Bücherbordes ausfüllen. Folglich stand auch der Verlagsname fest: Meterverlag. Weitere Konditionen gab es für den jungen Verlag nicht.

Sechs Bücher zeugen bislang vom Bemühen der Verleger eine Bandbreite zu erstellen, die nicht nur den erforderlichen Meter füllt, sondern auch dem künstlerischen Äußerungsbedürfnis von Albert Oehlen und Werner Büttner seinen Raum gibt. Von beiden erschien das Buch Angst vor nice und von Werner Büttner der Gedichtband In Praise Of Tools And Women, des Weiteren, Mayo Thompson The Red Crayola, Gorky & Co., 33 Songs, Diedrich Diederichsen Elektra, Schriften zur Kunst, Sven Ake Johansson Gedichte und Gesänge, Michael Schirner Plakat und Praxis.“ Kunstforum Band 91, Realkunst

1986 bat Albert Oehlen Michael Schirner um Texte für ein Buch seines Meterverlags. Michael gab Albert zwei Texte: Das Plakat, eine Abhandlung über Gestaltung von Großflächenplakaten außerdem eine Sammlung von Briefen, die Gäste des S&M-Studios „Moderne Creation Düsseldorf“ an ihre Domina Gabi geschrieben hatten.

Titel: Michael Schirner Plakat und Praxis mit Illustration von Adolf Oehlen

Rücktiteltext von Albert Büttner:

„Traurig zu sagen, die mörderischen, kriegerischen Wahnsinnigen des Systems mit ihrem organisierten Massenmord. Krieg und Werbung – sie sind die schlimmste Scheiße von allem! Auf ihre Art sind sie schlimmer als Scheiße und Pisse und Verschmutzung! Sie sind mehr wie tödliches Gift. Sie sind wie verseuchtes, tödliches Typhuswasser, das Menschen tötet! Weißt Du, vor welcher Seuche sich die Welt heute am meisten fürchtet, und sie geraten darüber in Panik, und nötigen Dich, dagegen geimpft zu werden? Es ist die gefürchtete Werbung! Werbung ist giftiger, ansteckender Abfall, der Dich innerhalb einiger Stunden töten kann! Werbung ist die Kunst, die Menschen zu lieben/töten, ohne sie mit den Händen zu massieren, in sich einzuführen oder zu lutschen. Sie kann durch Fliegen, Fisch, Nahrung, Handcreme oder fast alles übertragen werden. Und ohne die Gnade des METERVERLAGES und sein wunderbares Heilen braucht sie nur ein paar Stunden, um auszubrechen, und Du bist hinüber!“

Seite 7, linke Spalte:

  1. Das Plakat in Beziehung zu sich.
  2. Dieser Beitrag hat zwei große Teile. Im zweiten Teil untersuche ich die Beziehung des Plakats zu den übrigen Medien der Kampagne, in der es erscheint. Im zweiten Teil beschäftige ich mich also nicht nur mit Plakaten, sondern auch mit Anzeigen und Filmen. Im ersten Teil untersuche ich die Beziehung des Plakats zu den übrigen Plakaten der Kampagne, von der es ein Teil ist. Es gibt drei arten von Beziehungen oder Relationen von Plakaten zu seinen Nachbarn: die Relation der Ähnlichkeit, der Unähnlichkeit und der Gleichheit. Sind die Pkakate einer Kampagne ähnlich oder unähnlich, sprechen wir von serien ähnlicher oder von Serien unähnlicher Plakate. Sind die Plakate einer Kampagne gleich, sprechen wir von Nicht-Serien oder Einzelplakaten.

1.1. Die Nichtserie oder das Einzelplakat

Seite 7, rechte Spalte

Auf den folgenden Seiten habe ich Ihnen für Ihnen für jede der 6 Pausen und der 6 Strafen aufgeschrieben, woran Sie mich dabei erinnern sollten. Es sind die Beschreibungen von Gelegenheiten, bei denen ich meinen Sadismus ausgelebt und erst dann im Nachhinein bedauert habe. Mit Ausnahme der letzten aktuellen Sache mit Ricarda sind diese Vorkommnisse nicht der entscheidende Grund für meinen Besuch bei Ihnen – der liegt in meinen auch masochistischen Phantasievorstellungen und in der Angst, bei immer stärker werdenden sadistischen Neigungen einmal etwas zu machen, was für mich unangenehme Konsequenzen hat. Wenn ich mich aber deswegen schon prügeln lassen muss, ist es

Seite 95

… Ich glaube, es ist wieder einmal an der Zeit, dass ich von Ihnen den Arsch versohlt bekomme. Ich möchte total von Ihnen erniedrigt werden. Einige Ohrfeigen würden mir ganz gut tun. Ihr Spezialgebiet sollte mein Hintern sein, den Sie kneifen und zwicken sollen. Falls Ihnen die Hände wehtun, vom Hintern hauen, nehmen Sie doch die Füße als Ersatz. Da mich nackte Füße immer schon interessiert haben, sollen diese mich ausgiebig in den Arsch treten, wofür ich Sie dann zum Dank lecke. Ich glaube, Sie werden meinen Hintern ordentlich einheizen, und mich als Spielobjekt betrachten, das nicht mehr sitzen kann.

MEIN ARSCH GEHÖRT IHNEN.

IHRE FÜßE GEHÖREN MIR GAR NICHT!

Beim Steirischen Herbst 87 in Graz traten Oliver Hirschbiegel und Michael Schirner gemeinsam in einer Performance auf. Sie standen rechts und links eines Rednerpultes, Hirschbiegel im schwarzen Outfit eines Ostjuden mit Kippa, Schirner in der Uniform eines Lufthansa Piloten. Beide lasen simultan aus Plakat und Praxis, Hirschbiegel las die linke Spalte der Seiten, Schirner die rechte.

Michael Schirner, Plakat und Praxis, Seite 6/7

Michael Schirner, Plakat und Praxis, Seite 6/7, 1986

Michael Schirner, Plakat und Praxis, Seite 94/95

Michael Schirner, Plakat und Praxis, Seite 94/95, 1986


COPYRIGHT

 

1986 Michael Schirner – Meterverlag

Illustrationen von Adolf Oehlen

Herausgegeben im Meterverlag

2000 Hamburg 20

Fettstraße 7a

 

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