Archiv der Kategorie: Werbung

ERDE UND HIMMEL

Ruhrgas AG, Essen, 1981

Ruhrgas-Kampagne "Erdgasleitung", 1981

Ruhrgas, Erdgasleitung, 1981, Tageszeitungsanzeige

Idyllische Niederrheinlandschaft mit Erdgasleitung

Unsere Erdgasleitung sieht man nicht, weil wir sie hier bei Zons unter die Wiesen am Rhein gelegt haben. Sie ist ein Stück der Glückaufleitung. Die Glückaufleitung gehört zu einem unserer größten regionalen Versorgungssysteme. Sie zieht sich durch das ganze Ruhrgebiet und versorgt Städte zwischen Drosten und Porz mit Erdgas. Hier heizt man mit Erdgas, weil es umweltfreundlich und sicher ist. Und weil es wettbewerbsfähig gegenüber allen anderen Heizenergien ist. Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass Erdgas auch in Zukunft eine wirtschaftliche Energie bleibt. Und eine sichere. Schon heute haben wir Verträge für Erdgas bis zum Jahr 2000. Wir sorgen also dafür, dass immer Erdgas fließt. Ruhrgas AG. Essen.

Ruhrgas-Kampagne "Erdgasleitung", 1981

Ruhrgas, Erdgasleitung, 1981, Tageszeitungsanzeige

Ruhrgas-Kampagne "Erdgasleitung", 1981

Ruhrgas, Erdgasleitung, 1981, Tageszeitungsanzeige

Ruhrgas-Kampagne "Himmel über ...", 1983

Ruhrgas, Himmel, 1983, Zeitschriftenanzeige

HIMMEL UND ERDE

Ruhrgas AG, Essen, 1983

 

 

Der Himmel über Marburg

Ein Blick vom Rathaus auf den alten Marktplatz, oben links das Landgrafenschloss. Als man hier die Altstadt sanierte, hat man sich auch gleich darum gekümmert, dass die schönen, alten Häuser mit einer umweltfreundlichen Energie versorgt werden, mit Erdgas. Die Leitung, die heute 12.000 Haushalten im Stadtkern Erdgas liefert, kommt von Wetzlar über Gießen nach Marburg. Die Umstellung auf die saubere Energie Erdgas, so haben die Marburger herausgefunden, trägt mit dazu bei, dass der Himmel über der Stadt so sein kann wie auf diesem Foto. Erdgas ist eine saubere Sache.

Ruhrgas-Kampagne "Himmel über ...", 1983

Ruhrgas, Himmel, 1983, Zeitschriftenanzeige

Ruhrgas-Kampagne "Himmel über ...", 1983

Ruhrgas, Himmel, 1983, Zeitschriftenanzeige

 

Ruhrgas-Anzeige "Throwing three balls in the air to get a straight line" (John Baldessari), 1995

Ruhrgas, Throwing three balls in the air to get a straight line, John Baldessari, 1985, Image-Anzeige

THROWING THREE BALLS IN THE AIR

Ruhrgas AG, Essen, 1985

 

 

TO GET A STRAIGHT LINE

Seit 1983 hatte Michael Schirner mit seinen Kreativen bei GGK Werbung mit dem blauen Himmel für Ruhrgas gemacht. Das Blau des Himmels war zum Symbol für Erdgas von Ruhrgas geworden. Als Schirner GGK verließ, um seine KKG zu eröffnen, setzte er in seiner Agentur die Werbung für Erdgas mit dem blauen Himmel fort. Er verband Kunst und Werbung und veröffentlichte Motive der Fotoserie „Throwing three balls in the air to get a straight line“ des Konzeptkünstlers John Baldessari auf Plakaten und Anzeigen für die Ruhrgas AG.

CREDITS

Auftraggeber: Ruhrgas AG
Agentur: GGK Düsseldorf , KKG Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler, Jörg Bruchmann (GGK), Enrique Jungbauer (KKG)
Artdirector: Axel Hinnen, Jürgen Heymen (GGK), Claudia Hammerschmidt (KKG)
Fotograf: Peter Knaup, Franklin Berger
nach oben

BRAVO, JETZT KOMMT ROCKY!

Burda GmbH, 1979

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

1979 beauftragte Hubert Burda GGK Düsseldorf mit der Werbung zur Einführung von Rocky, einer Kopie der Jugendzeitschrift Bravo. Reinhold Scheer textete: Bravo, jetzt kommt Rocky. Michael Schirner, sein Texter Joachim Beutler und Artdirector Holger Nicolai verfassten die Kleine Enzyklopädie der jungen Leute, einen Katalog der Sammlungen von Attributen, Zeichen und Moden der Jugendkultur.

Themen: die Frisuren, die Flipper, die Musik-Boxen, die Tänze, die Buttons, die Sprache, die T-Shirts, die Chopper, die Jacken. Zu jedem Thema gibt es große zwei Bildtafeln mit Fotos, jeweils gefolgt von Gesprächen mit 14- bis 19-Jährigen zu den Themen der Enzyklopädie. Zum Beispiel Zitate von Mot-Rockern zu ihren Jacken: Wenn man jetzt die Zeichen hat, kommt das Abzeichen jetzt auf die Jacke drauf, jeder nimmt sich ne Flasche Bier oder Sekt, die Jacke wird auf den Boden geschmissen, dann kommt Sekt oder Bier drüber, danach wird drübergestrullt und anschließend noch paarmal mit der Karre drübergefahren, und dann wieder das Ding angezogen. Ich würde die Jacke nicht verschenken, eher verbrennen oder zerreißen.“

Vorwort

Es gibt zwei Kulturen. Die alte und die junge. Die alte Hochkultur wird in den Museen ausgestellt, in Theatern aufgeführt, in Konzertsälen dirigiert, in Leinen gebunden und in Bibliotheken gehütet. Die Junge Kultur ist die Massenkultur der um die 18jährigen. Sie findet überall statt, auf allen Straßen, auf allen Plätzen, in allen Häusern.

Die Skulpturen der jungen Kultur haben zwei Räder. Das Rad darf vom Motorblock nur 1,50 m entfernt sein, die Gabel muss eine bestimmte Länge haben, der Tank kann individuell bemalt sein. Stufensitzbank möglich, viel Chrom; der Fahrer steht auf Gleiten, nicht auf Rasen.

Das Tafelbild der jungen Kultur ist die Anzeigetafel des Flippers, den Bettina in der Hand hat, der die Breite hat, die toll ist, Beckenbreite, zu dem Anna eine Beziehung aufbaut, wenn sie immer an der gleichen Stelle spielt und er auf einmal weg ist und sie richtig traurig darüber ist, oder sie jemanden gut gefunden hat und mit ihm zusammen geflippert hat, ohne dass sie dabei viel gesagt haben.

Die Literatur der jungen Kultur ist die Sprache der jungen Leute, die Sprache von Günther, der Sachen redet, einfach so in den Satz rein, die gar nicht dazu passen, die praktisch genau das Gegenteil von dem sagen, was wirklich läuft. Die Sprache von Pia, die sich bei diesen Wörtern einem gewissen Trend oder einer gewissen Mode unterworfen hat, die sich laufend ändert und jeden Tag praktisch was Neues kommt, was dann aufgegriffen wird. Die Sprache von Tina, die Hochdeutsch überhaupt nicht sprechen kann, die dann zu stottern anfängt, auch wenn sie liest, dann muss sie ertmal hinten nachsehen, was die Wörter alles heißen. Die Sprache von Roland, der glaubt, die Sprache ist gebildet worden vor etlichen Jahren, um sich von den Erwachsenen zu unterscheiden, und der es unheimlich stark findet, wenn es eine Kultur gibt von Jugendlichen.

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler
Artdirector: Jürgen Dahlen, Holger Nikolai
Grafiker: Detlef Garlipp
nach oben

RAUSCHZART

Racke Rauchzart Whisky, 1970

Zeitschriftenanzeige für Racke Rauchzart Whisky, 1970

Y&R Frankfurt, Racke Rauchzart Whisky, 1970, Zeitschriftenanzeige

IMMER, WENN EIN GLAS RACKE RAUCHZART UMFÄLLT

Für den deutschen Whisky Racke rauchzart, der einen ausgesprochen milden Geschmack, aber viele Prozente hat, werben Michael Schirner und Ben Oyne mit der hochprozentigen Wirkung des Alkohols. Der Eröffnungsfilm: Man sieht die Racke-Flasche, daneben ein umgefallenes Glas, aus dem  eine Bächlein Racke rauchzart rinnt, die Kamera folgt dem Nass  bis zur Tischkante  und runter  unter den Tisch, wo ein Herr liegt und seinen Raus ausschläft.  Dazu eine Stimme aus dem Off: „Moral: Dieser Whisky ist so milde, dass Sie vielleicht nicht gleich merken, wie viele Prozente er hat. Bitte trinken Sie ihn nicht allzu hastig. Immer, wenn ein Glas Racke rauchzart umfällt, blutet uns das Herz.“ Ein weiterer TV-Spot zeigt einen beschwipsten Pfarrer, der im schwarzen Talar mit seligem Lächeln an seiner Predigt sitzt, in der Rechten ein Whisky-Glas, vor ihm die Bibel und eine Flasche Racke rauchzart. Die Glocken läuten, der Gottesmann rüstet sich, stößt dabei sein Glas um und sagt mit Blick nach oben: “Hab Dank für so viel Milde. Gib, dass ich stärker bin als die dreiundvierzig Prozente des Racke rauchzart, rülpst und murmelt demutsvoll „Entschuldigung“, es folgt der Slogan: „Moral: Dieser Whisky ist so milde, dass Sie vielleicht nicht gleich merken, wie viele Prozente er hat.“ Im TV-Spot „Vorstandssitzung“ sieht man die Mitglieder des Vorstandes von Racke voll des milden Whiskys. Der Vorsitzende klopft ans Glas und eröffnet die Sitzung: „Wir haben unseren Whisky so milde gemacht, dass wir selbst nicht merken, wie stark seine 43% sind. Sollten wir vielleicht Racke rauchzart weniger mild machen?“ Heftiger Widerspruch, „Oder weniger stark?“ Empörung „Oder weniger trinken?“ Sturm der Entrüstung, Tumult, das goldgerahmte Portrait des Gründers an der Wand geht zu Boden.

CREDITS

Auftraggeber: Racke A. GmbH + Co
Agentur: Y&R Frankfurt
Kreativdirektor: Ben Oyne, Michael Schirner
nach oben

ROT UND SCHWARZ

Die Post, 1979

Imageanzeige für die Post, 1979

GGK Düsseldorf, Die Post, 1979, Zeitschriftenanzeige

FÜR HELI

Heli Ihlefeld, Freundin Willy Brandts und PR-Chefin der Post: „Wenn die Post Verlust macht, sagen alle, die Post kann nicht wirtschaften. Wenn sie Gewinn macht, sie nutze ihr Staatsmonopol aus. Was können wir tun, damit die Leute die Post gut finden?“ Michael Schirner: „Gute Anzeigen“. Das Rezept für die Anzeigenserie der Post: Wir machen Anzeigen mit Fotos und Headlines, die miteinander nichts zu tun haben, aber in den Köpfen der Leser herrliche Geschichten entstehen lassen. Z.B. die Abbildung eines zähnebleckenden Hundes, darunter: „Die Post ist da“. Der Leser verbindet Bild und Text und denkt an den Briefträger, der mit zitternden Knien durch die Gärten der Leute gehen muss, wo bissige Hunde auf ihn warten. Und genau diese Geschichte wird im laufenden Text erzählt. Die Abbildung eines Sternenhimmels, unter der steht: “Einer ist von der Post“: Man denkt automatisch an den Fernmeldesatelliten der Post. Und bei der exotischen Insel mit der langen Telefonnummer denkt man an internationale Telefonverbindungen. Die 00612207411wurde von den Lesern so oft angewählt, dass die Anzeige darauf mit dem Zusatz erscheint: „Die Spiegel- und Quick-Leser haben schon herausgefunden, dass die Nummer die Zeitansage von Sydney ist. Sie können sich also den Anruf sparen“. Der Herr mit Kopfhörer auf der Anzeige mit der Headline „Das Fräulein vom Amt“ bekam unzählige Liebesbriefe. Der Texter Diethardt Nagel schickte sich einen falsch adressierten Brief und machte eine Anzeige daraus mit der Überschrift: „Wie die Post herausbekam, dass D. Nogel Dietdardt Nagel heißt und in Düsseldorf in der Jägerhofstraße 19 wohnt“. Im laufenden Text steht, wie die Post falsch und unvollständig adressierte Briefe den richtigen Adressaten zustellt. Die Anzeige machte D. Nogel schnell bekannt. Er bekam ständig Briefe mit falscher Adresse. Die Anzeigen in den Zeitschriften wurden geliebt und mit ihnen die Post.

Imageanzeige für die Post, 1979

GGK Düsseldorf, Die Post, 1979, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Post, 1979

GGK Düsseldorf, Die Post, 1979, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Post, 1979

GGK Düsseldorf, Die Post, 1979, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Post, 1979

GGK Düsseldorf, Die Post, 1979, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Post, 1979

GGK Düsseldorf, Die Post, 1979, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Post, 1979

GGK Düsseldorf, Die Post, 1979, Zeitschriftenanzeige

CREDITS

Auftraggeber: Bundesministerium für Post- und Fernmeldewesen
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler, Diethardt Nagel, Julia Weiß
Artdirector: Holger Nicolai, Jürgen Heymen
Fotograf: Peter Droste, Rainer Fink, Axel Gnad, Joop Grijpink, Iver Hansen, Albert Schöpflin
Grafiker: Thomas Donner, Detlef Garlipp, Manfred Kamp, Detlef Krüger
nach oben

8 Minuten Bibel

Die Post, 1978

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

DIE LÄNGSTEN 8 MINUTEN, DIE ES JE GAB

Heli Ihlefeld, PR-Chefin der Post, bat GGK, für den neuen 8-Minuten-Zeittakt beim Telefonieren zu werben, denn alle regten sich auf, dass man jetzt nicht mehr so lang telefonieren könne wie früher und alle 8 Minuten nachzahlen müsse. Michael Schirner, sein Texter Bernd Arnold und Artdirector Helmut Rottke erzählten die Geschichte andersrum: Nicht, dass man jetzt weniger telefonieren kann als früher, sondern wie herrlich viel man in 8 Minuten am Telefon sagen kann. 8 Minuten sind nämlich eine ganz schön lange Zeit. Das zeigten sie mit die Plakattexten, die 8 Minuten lang sind z.B. 8 Minuten Luther-Bibel, 1. Buch Moses, 8 Minuten Speisekarte des Düsseldorfer Restaurants Nippon Kan gegenüber der Agentur, 8 Minuten „Jason und Medea“ von Grillparzer, 8 Minuten „Tischlein deck Dich“ der Gebrüder Grimm, 8 Minuten Lexikon von Fuchsjagd bis Fühlung, 8 Minuten Volkslieder, 8 Minuten Witze. Der Spaß des Publikums an der Werbung war so groß, dass die Kritik verstummte. Viele wollten die schönen Plakate haben. Das Plakatmotiv mit 8 Minuten Witzen war so gefragt, dass es nachgedruckt werden musste.

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

Großflächenplakat zur Einführung des 8-Minuten-Zeittakts der Post, 1978

GGK Düsseldorf, Die  Post, 1978, Großflächenplakat

CREDITS

Auftraggeber: Bundesministerium für Post- und Fernmeldewesen
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Bernd Arnold
Artdirector: Helmut Rottke
Grafiker: Susi Richli
nach oben

MICHAEL SCHIRNER, PICTURES IN OUR MINDS

NRW-Forum Düsseldorf, 2007

Katalog "Bilder im Kopf", Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf 2007, Titelabbildung: Thomas Demand

Bilder im Kopf, NRW-Forum Düsseldorf, Katalog, 2007

Katalog "Bilder im Kopf", Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf mit CD, 2007

Bilder im Kopf, NRW-Forum Düsseldorf, Katalog, 2007

Pictures in our ears

An den Wänden des Forums hingen 10 Audioplayer. Über Kopfhörer konnten Besucher die Beschreibung von 10 Bildern hören. An 10 Tagen strahlte der WDR 5 die Hörbilder aus. Ein Ausschnitt: „Soldaten sterben nicht. Soldaten fallen. Dieser fällt buchstäblich. Aber stirbt er auch? Hat ihn die Kugel getroffen? Oder wirft er sich im Dienste linker Propaganda rückwärts ins Gras? Sicher ist: Robert Capas Bild eines stürzenden spanischen Milizionärs zählt zu den berühmtesten Photographien des 20. Jahrhunderts. Es ist nicht das erste Kriegsfoto der Geschichte. Aber womöglich „das erste überzeugende Actionbild mitten aus dem Kriegsgeschehen heraus“, wie Carol Squiers formuliert. Richard Whelan spricht von der „erregendsten unmittelbarsten Momentaufnahme des Krieges“, die je gelungen sei. Russel Miller bezeichnet die Aufnahme als das „beste Kriegsfoto aller Zeiten. … Fact ist: Von 70.000 Aufnahmen, die der 1913 in Ungarn geborene Robert Capa gemacht hat, ist dies die weltweit bekannteste. Und die umstrittenste zugleich. Bis heute halten sich Gerüchte, das Bild sei inszeniert. Im Bildjournalismus sind Strategien der Inszenierung entschieden tabu. Wer Fotos stellt, riskiert seine Glaubwürdigkeit als Zeuge der Zeitgeschichte. Mehr noch: Er riskiert die Glaubwürdigkeit seines kompletten Oevres.“ Michael Koetzle

Weitere Hörbilder:

  • Migrant Mother, Nipomo, California, 1936 von Dorothea Lange
  • V.J. Day, 15. August 1945 von Alfred Eisenstedt
  • Marilyn Monroe auf Lüftungsschacht, 1954 von Sam Shaw
  • James Dean am Times Square, 1955 von Dennis Stock
  • Flucht aus Ost-Berlin, 15.August 1961 von Peter Leibing
  • Willy Brandt in Warschau, 1970 von Sven Simon
  • Das Mädchen von Vietnam, 1972 von Nick Ut
  • Hanns Martin Schleyer – Gefangener der RAF, 6. September 1977,
    aufgenommen von einem Mitglied der RAF
  • 11. September 2001, anonym

 

nach oben

MICHAEL SCHIRNER, PICTURES IN OUR MINDS

Messe Hamburg, 1985

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Hamburg 1985, Exhibition Shot

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Exhibition shot, Messe Hamburg 1985

EINE FOTOAUSSTELLUNG OHNE FOTOS

Der Intermedia-Kongress 1985, die Messe der neuen Medien in Hamburg, war der Anlass. Hier wollte das Magazin STERN ein Zeichen setzen und die Kraft und Überlegenheit des gedruckten Mediums exemplarisch demonstrieren. Für die Demonstration des Printmediums galt es, ein Ausstellungskonzept zu finden, eine Form der Präsentation für die stärksten Bilder, die je in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht wurden. Uns war klar, dass es nicht damit getan war, die bekannten journalistischen Fotos in einer Ausstellung nebeneinander zu hängen. Wir wollten die Technik der Kommunikation von Imaginärem in der Kunst auf die Spitze treiben, indem wir uns weit entfernten von Referenzen auf Außenliegendes, uns stattdessen auf das Innere des Betrachters, seine Fantasie- und Gedankenarbeit beziehen. Wir machten den Betrachter zu seinem Medium: Die Hardware ist sein Gehirn, die Software seine Imagination, auf seiner Festplatte sind alle Bilder, die in seinem Kopf gespeichert sind. Deshalb gaben wir dem Projekt den Titel Pictures in our Minds. Die Besucher der legendären Ausstellung Pictures in our Minds betraten eine Fotoausstellung ohne Fotos. Statt der Bilder sahen sie schwarze Tafeln, auf denen in weißer Schrift die Beschreibungen bekannter Fotos zu lesen sind. Die Texte auf den Tafeln des imaginären Museums ließen die Bilder in den Köpfen der Betrachter entstehen. Hier war nur noch die Imagination des Betrachters gefordert, das Schwarze der Tafeln aufzuhellen. Das ist Kunst der Zukunft: Das Bild muss es aushalten können, ganz in der Imagination des Betrachter zu verschwinden. Der Text, und vor allem der Autor, müssen dasselbe aushalten können.

Michael Schirner, The footprint of the first man on the moon, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, The foot-print of the first man on the moon, 1985, Fine Art Print

Lassen Sie uns einen Blick in die Ausstellung werfen. Sie sehen eine 120 x 120 cm große schwarze Tafel. Sie lesen den Text darauf: „The footprint of the first man on the moon“. Der Fußabdruck des ersten Menschen auf dem Mond. Sie schließen die Augen. Vor Ihrem inneren Auge tauchen die Bilder der ersten Mondlandung auf: Ein Astronaut. Die Mondoberfläche. Der Boden im Close up. Der Fußabdruck des moonboots. Sie sind Schöpfer des Bildes in Ihrem Kopf. Es ist Ihr Bild. Sie sind der Fotograph. Es ist Ihr Fußabdruck. Sie sind der erste Mensch auf dem Mond.

Michael Schirner, Crowds on the Berlin Wall, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Crowds on the Berlin Wall, 1985, Fine Art Print

Sie lesen: „Crowds on the Berlin wall“. Sie machen aus dem Bild an der Wand ein Bild in Ihrem Kopf. Das Bild der Menge auf der Berliner Mauer ist Ihr Werk. Ihr Bild ist stärker als die Fotovorlage, weil es seit dem Fall der Mauer ein Teil von Ihnen ist. Alle Bilder in Ihrem Kopf sind stärker, intensiver, bewegender als die Bildvorlagen in Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Kino, Museen etc. weil es Ihre Bilder sind. Ihr geistiges Eigentum. Sie sind der Schöpfer Ihrer Bilder.

Michael Schirner, Tortured Iraqi prisoner with hood, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Tortured Iraqi prisoner with hood, 1985, Fine Art Print

Der gefolterte Gefangene Iraker mit Kapuze. Wenn Sie das Bild nicht gleich vor Augen haben, weil es in Ihrem kollektiven Gedächtnis schlummert, wecken Sie es nicht, lassen Sie es schlummern. Sie wissen, es ist auf Ihrer Festplatte im Ordner mit Bergen nackter, kotbeschmierter gefolterter, gefangener Iraker. Da ist es: der Kapuzenmann mit Mantel und ausgebreiteten Armen in Abu Ghraib… die Stromkabel an seinen Händen.

Michael Schirner, Marilyn Monroe poised over a subway air-shaft, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Marilyn Monroe poised over a subway air-shaft, 1985, Fine Art Print

Marilyn Monroe auf Subway-Luftschacht. In Ihrem Kopf läuft ein Film ab. Sie sind Regisseur- und Protagonistin. Ihr weißer Rock fliegt höher und höher; sie haben Mühe, ihn mit den Händen festzuhalten. Der Filmtitel? Richtig: Das verflixte 7. Jahr. Nur an den Namen des Herrn am linken Bildrand können Sie sich nicht mehr erinnern. Oder doch?

Michael Schirner, Naked Vietnamese child fleeding after a napalm attack, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Naked Vietnamese child fleeding after a napalm attack, 1985, Fine Art Print

Das Bild des nackten vietnamesischen Kindes, das nach einem Napalm-Angriff schreiend auf der Straße von Trang Bang flieht. Ihr Bild sorgte dafür, dass der Vietnamkrieg beendet wurde. Das Bild hat die Welt zu verändern.

Michael Schirner, Wreckage of the World Trade Center, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Wreckage of the World Trade Center, 1985, Fine Art Print

Die Trümmer des World Trade Center. Das Bild führte dazu, dass der Krieg gegen den Terrorismus begann. Das Bild vom erschossenen Bin Laden fehlt in Ihrer Sammlung.

Michael Schirner, Albert Einstein sticking his tongue out, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Albert Einstein sticking his tongue out, 1985, Fine Art Print

Das Tolle an den Bildern in Ihrem Kopf – im Gegensatz zu normalen Kunstwerken, von denen es immer mehr gibt und die immer mehr Platz wegnehmen – ist, dass bei Ihren Bildern im Kopf die Kosten für Lager-, Transport- und Versicherung gleich Null sind. Das heißt, Ihre Bilder sind äußerst umweltfreundliche und platzsparende Kunst. Vielleicht streckt Albert Einstein deshalb allen Sammlern von analogen Kunstwerken die Zunge raus.

Michael Schirner, Portrait of Che Guevara, 1985 – 2013, Siebdruck auf Leinwand

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Portrait of Che Guevara, 1985, Fine Art Print

Das Portrait von Che Guevara. Es ist Ihr Portrait. Sie sind der Che Guevara der Kunst der Zukunft. Sie sind Sammler, Kurator, Künstler und Betrachter in einer Person. Mit dem imaginären Museum der Bilder in Ihrem Kopf sind Sie im Besitz der größten und eindrucksvollsten Sammlung, die es gibt. Und das Tolle: Alle Werke sind das Ergebnis Ihrer Fantasie- und Gedankenarbeit. Sie sind Schöpfer der faszinierendsten Bilder der Welt.

DER KREATIVE IKONOKLASMUS

Hans Ulrich Reck

Dass Bilder erst wirklich ’sind‘, nämlich lebendig wirken, in einer aktuellen Wahrnehmung, gilt schlechterdings für alle Bilder. Besonders aber für diejenige Art von Bildern, die man als artifizielle Konstrukte bezeichnen kann. Bilder also, die nichts anderes sein wollen als ein Anstoß, ein Anlass oder Ausgangspunkt solcher Wahrnehmung.

Es handelt sich hier wesentlich um eine Errungenschaft der radikalen Moderne, die an die Stelle ritueller und auratischer, religiöser und sakraler Bilder die ästhetische Reflektion gesetzt hat. Diese aber keineswegs nur abstrakt, als philosophische Kategorie, sondern in poetischer Gestalt.

Seit zum Beispiel Kasimir Malewitsch bedeutet, Bilder zu sehen, sich zur eigenen Wahrnehmung in ein aktives Verhältnis zu setzen. Bedeutet, das Sehen zu sehen und die Wahrnehmung an den Mechanismen der Wirkung von Bildern zu betrachten.

Das Gefüge in der Verbindung zwischen Autor, Werk, Betrachter wird komplizierter. Die Bilder verlieren ihre bisherige Autorität und gewinnen neue Kraft. Sie verwandeln sich von Repräsentanten eines Sinns zu ‚Kraftwerken‘ einer Erfahrung. Es verschiebt sich im Zuge der modernen Poetik das Werk und die Autorität seines Erzeugers auf den Gang der Erfahrungen auf Seiten des Betrachters.

Die Bedeutung der Bilder ist ihr Gebrauch in der Gesellschaft. So könnte man bildtheoretisch Wittgensteins Auffassung vom Gebrauch der Sprache umschreiben. Auch für die Bilder gilt, dass sie nicht in ein einziges Sprachspiel aufgelöst werden können, sondern dass stets viele und diverse Formen und Weisen des Visuellen gegeben sind. Schirners Werk legt folgende Diagnose nahe: Die schöpferischen Leistungen der Rezipienten müssen neu und angemessen auch in den Konsequenzen der Nutzung der Bilder im öffentlichen Gebrauch bewertet werden. Die Bilder sind öffentliche Medien geworden. Sie sind konsequent in ihrer öffentlichtkeitsmodellierenden Kraft zu erkennen und zu diskutieren. Künstler, die durch Bekanntheit ihrer Werke, also genuine Bild- und Werkerfindungen, in den Zirkulationsbereich strikter öffentlicher Bilder hineingehören, sind eben solche, die den Bestand der lebensweltlichen Kommunikation in ihre Bildfindungen einbeziehen. Das gilt für Picassos ‚Guernica‘ ebenso wie für die Werke der Pop Art. Und eben auch für Michael Schirner. Man kann die Sachlage so zusammenfassen: Das 20. Jahrhundert hat den Betrachter als produktive, ja schöpferische Instanz in das Werk selber integriert. Das Werk verschiebt sich auf den Prozess, der Anspruch des Autors auf die Wirkweisen des Mediums.

Kreieren bedeutet nun vorrangig: Inszenieren, Arrangieren, Edieren, immer wieder neu Thematisieren. Die Kräfte haben sich verschoben, das Dispositiv verwandelt.

Die privilegierte, ontologisch starre Position eines hierarchisch und autoritativ allem Prozessualen enthobenen, genuinen und originären Erfinders als Figur ‚des‘ Künstlers ist überholt. ‚Kunst ohne Werk‘, ‚Kunst ohne Künstler‘ sind entscheidende Stichworte der Beschreibung und Errungenschaften der Künste im 20. Jahrhundert.

Auszug des Beitrags von Hans Ulrich Reck, Professor der Kunstgeschichte und Medientheorie an der Medienkunsthochschule in Köln, zu Pictures in our Minds von Michael Schirner in internationalen Fotozeitschrift foam #31ref. Sommer 2012.

nach oben

DER LÄRM VOM KLICKEN

Photo Porst, 1980

Anzeige für die Fotoaktion "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Tageszeitungsanzeige

21.6.1980, 16:00 –16:01

Photo Porst, ehemals „Das größte Photohaus der Welt“, plante ein Comeback. Michael Schirner wollte Photo Porst wieder zu dem machen, was Porst damals in den 60er Jahren für ihn und alle Fotoamateure war: Fotolehrer der Nation und beste Adresse für Foto- und Filmbedarf. Michael Schirner und sein Artdirector Axel Hinnen machten in Tageszeitungen doppelseitige Anzeigen mit einem riesigen Zeigefinger über dem Auslöser einer Kamera, darunter das Motto der Aktion Die Minute des Jahres, Lauftext:

„Wir möchten Sie einladen, bei dem Fotoereignis des Jahres mitzumachen. Es heißt Die Minute des Jahres oder eine Nation knipst sich selbst und geht so: An einem Tag dieses Jahres, dem 21.6.1980, während einer Minute dieses Tages, von 16.00 Uhr bis 16.01 Uhr, sollen die 18 Millionen Deutsche, die einen Fotoapparat besitzen, dort ein Foto machen, wo sie gerade sind. Soweit wir wissen, ist so ein Fotoprojekt noch nie gemacht worden. Wer darüber nachdenkt, kann leicht ins Schwärmen kommen. Das Schöne daran ist, dass das größte Fotoportrait des Landes von denen gemacht wird, die darin leben. Jeder leistet mit dem Foto aus seinem Leben einen wichtigen Beitrag.

Die vielen Fotos, die überall in Deutschland gemacht werden, geben zusammen eine herrliche Dokumentation der Minute von uns allen. Wir könnten dann im Fotoalbum unseres Landes blättern, könnten uns darin wiederfinden und unseren Kindern später einmal zeigen, wie es damals war, am 21.6.1980 von 16.00 Uhr bis 16.01 Uhr.

Was dann? Wir von Photo Porst werden alle Bilder in einer großen Fotoausstellung veröffentlichen. Jedes Bild, das uns geschickt wird, stellen wir aus. Außerdem veröffentlichen wir die die ersten 10.000 Bilder, die wir kriegen, in 3 Bildbänden. Außerdem drehen wir über Die Minute des Jahres einen Film, der überall in Deutschland gezeigt wirdWas gibt’s? Unter allen Einsendern verlosen wir 5 Fotoweltreisen, jede im Wert von 10.000 Mark. Auf Wunsch auch bar.

Wie geht’s? Sie können mit jeder x-beliebigen Kamera und jedem x-beliebigen Negativ-Film mitmachen. Knipsen Sie am Samstag, den 21. Juni von 16.00 Uhr bis 16.01 Uhr. Machen Sie mehrere Bilder. Am besten knipsen Sie den ganzen Film voll. Egal, was Sie knipsen, jedes Bild, das in der Minute gemacht wird, ist gut für Die Minute des Jahres. Sie können Ihren Minuten-Film in jedem Fotogeschäft entwickeln lassen. Von den entwickelten Bildern suchen Sie dann das aus, was Sie am schönsten finden. Dann kleben Sie einen Zettel auf die Rückseite des Bildes und schreiben Namen und Adresse drauf. Schreiben Sie auch kurz drauf, was Sie fotografiert haben, zum Beispiel: „Meine Frau im Garten“.

Was knipsen? Zum Beispiel: „Picknick am Meer“, „Horst beim Autowaschen“, „Der Himmel über Wanne-Eickel“, „Im D-Zug nach München“, „Spaziergang am Rhein“, „Blick aus meinem Arbeitszimmer“, „Mein Mann beim Autowaschen“, „Die ganze Familie bei Kaffee und Kuchen“ usw.

Wie mitmachen? Schicken Sie Ihr Bild an Photo Porst, Am Falbenholzweg 1, 1, 8540 Schwabach. Einsendeschluss ist der 31.7.1980. Nicht vergessen: Auf den Auslöser gedrückt wird am Samstag, den 21.6. um vier Uhr nachmittags. Der Lärm vom Klicken wird ohrenbetäubend sein.

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres",1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Teilnehmerfoto, "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Foto eines Teilnehmers von "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

Foto eines Teilnehmers von "Die Minute des Jahres", 1980

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1980, Teilnehmerfoto

CREDITS

Auftraggeber: Photo Porst Schwabach
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Axel Hinnen, Dieter Pisculla
Fotograf: Bill Stuart
Grafiker: Günter Classen, Beate Lorbeer
nach oben

SCHULE DES SEHENS

Photo Porst, 1981

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

GGK Düsseldorf, Photo Porst, 1981, Zeitschriftenanzeige

EINE RECHT PERSÖNLICHE GESCHICHTE

Zitiert aus der Konzeptpräsentation von Michael Schirner für Photo Porst

Mir hat Porst das Fotografieren beigebracht. Das war vor fast 25 Jahren. Meine Bibel war ein Fotobüchlein von Porst. Darin stand wunderbar erklärt, wie man fotografiert. Ich konnte es auswendig. Alle Monate schrieb mir Herr Porst in einem Brief, er habe mit seinem Vater gewettet, daß ich eine Kamera bei ihm bestellen werde. Er bat mich inständig, ihn nicht zu enttäuschen. Ich bestellte. Ich sehe noch heute das Paket vor mir mit dem vielen Verpackungsmaterial und meiner ersten Kamera drin. Es war wie Weihnachten. Ich schickte meine ersten Filme zum größten Fotohaus der Welt. Und ich kriegte die größten Abzüge geschickt, die es damals in Deutschland gab. Und die billigsten und schönsten.

Das Tolle.
Porst war wohl der erste, wo man Abzüge mit glattem Rand kriegte. Später auch ganz ohne Rand, was noch toller war. Auch Kontaktstreifen gab es zuerst bei Porst. Das größte Vergnügen war, auf den langen Bestellzetteln die Wünsche für die Fotoarbeiten anzu- kreuzen. Für alle in meinem Alter, die damals wie besessen fotografierten, war Porst der größte. Er hatte für uns alle die Amateurfotografie erfunden. Und noch eins schien Porst erfunden zu haben.

Die Werbung.
Außer Fotografieren hatte Porst mir die Werbung beigebracht. Die Fotoheftchen und die Werbebriefe haben mich damals unglaublich beeindruckt. Später habe ich dann Fotografie und Film studiert. Und noch ein bißchen später etwas Werbung gemacht. Porst war für mich eine recht persönliche Geschichte.

Das Ende.
Wann diese Geschichte zu Ende war, das heißt, wann Porst keine Rolle mehr für mich spielte, weiß ich heute nicht mehr genau. Vielleicht war es vor 18 bis 20 Jahren. In all diesen Jahren hatte Porst Null Bedeutung für mich. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß Porst die letzten 20 Jahre für mich kaum existierte. In diesen Jahren hat Porst wohl auch seine faszinierende Stellungals Fotolehrer der Nation verloren.

1981.
Heute zumindest ist von all dem, was uns damals begeisterte, nichts mehr da. Aus unserem Lieblingslehrer von damals ist heute eine riesige Ladenkette geworden.

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

Die Fortsetzung.
Die persönliche Geschichte von damals, die dann plötzlich zu Ende war, könnte jetzt wieder weitergehen. Mit einer hübschen Wendung: Damals hatte Porst mir beigebracht, was Kommunikation ist. Heute könnte ich mich revanchieren. Wir könnten gemeinsam versuchen, der Nation zu zeigen, was Porst ist. Ich könnte mir kein größeres Vergnügen vorstellen, als Porst wieder zu dem zu machen, was er damals für mich und all die anderen war.

Die Chancen.
Die Zeit für ein Comeback von Porst ist günstig. Wir stehen am Anfang einer kulturellen Epoche: dem Übergang von der Hochkultur zur Massenkultur. Die hochkulturellen Ausdrucksformen wie Theater, Konzert, Gemälde, Skulptur, Kunstfotografie usw. verlier-en mehr und mehr an Bedeutung. Stattdessen werden massenkulturelle Ausdrucksformen immer bedeutungsvoller: Popmusik, Mode, Design, Illustrierte, Comics, Fernsehen, Kino, Werbung und eben auch die Amateurfotografie.

Unterst zu Oberst.
War Kreativität früher ein Privileg weniger Künstler und der gebildeten Oberschicht, ist Kreativität heute ein Massensport. Die Kunst findet nicht mehr in Museen statt, sondern auf der Straße. Diese Kulturrevolution kehrt das Unterste zu Oberst. Ein ungeahnt-es kreatives Potential wird frei.

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

Die Massenfotografie.
Die neue Massenfotografie hat mit der alten Kunstfotografie nichts zu tun. Die Kategorien haben sich völlig verkehrt. Ausdrucksformen, die von den Vertretern der Hochkultur als niedrig, vulgär und kitschig verachtet wurden, werden plötzlich bedeutungsvoll:

Die Bilder.
Familienfotos, Kinderfotos, Ferienfotos, Hochzeitsfotos, Betriebsfestfotos, Haustierfotos, Blumenfotos, Safarifotos usw., immer neue Kategorien entstehen. Es gibt nichts, was man nicht fotografieren kann. Es wird auch bald nichts mehr geben, was nicht schon fotografiert worden wäre. Es gibt vor allem keine schlechten Bilder mehr.
Jedes Bild ist ein gutes Bild.

Die Bildwelt.
Alle haben entdeckt, daß man mit Fotos sein Leben reproduzieren kann. Das Vergnügen am Foto wächst ständig. Da alles fotografierbar ist, verliert die Welt auch den Reiz des Einmaligen und ihren absoluten Wert. Wer zum ersten Mal in ein fernes Land reist, ist kaum noch überrascht davon. Man kennt es schon von Fotos. Das Foto wird oft als sehr viel interessanter erlebt als das Fotografierte.

Ein Beispiel aus dem Leben.
Eine Frau mit einem Kinderwagen wird von einer anderen angesprochen: „Was haben Sie für ein hübsches Kind.“ Die Mutter antwortet: „Das ist noch gar nichts, Sie sollten mal sein Foto sehen.“

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

Die Bilder-Instanz.
Klar, daß in einer Zeit, wo Fotografieren zur Massenbewegung wird, die Instanz immer wichtiger wird, die den Leuten beibringt, wie sie mit der Bilderwelt und dem Bildermachen fertig werden können. Diese Instanz gibt es heute noch nicht.

Die Voraussetzungen.
Porst könnte gut diese Instanz werden. Porst hat die Größe, hat die Distribution, hat das, was man zum Fotografieren und Filmen braucht, hat die Leute und hat den Namen. Wir hatten auch eine Idee, wie Porst das schaffen könnte.

So.
Mit der Anzeigenkampagne für Photo Porst in Zeitschriften eröffnen ich und mein Artdirector Axel Hinnen die Fotoschule der Nation. Auf Doppelseiten geben wir Kurse in „Sehen, 1.Teil“ bis „Sehen, 48. Teil“. Auf der einen Seite sieht man den Amateur, der fotografiert, auf der anderen das, was er fotografiert. Meine Texte sind Lektionen einer kleinen Schule des Sehens. Die Serie beginnt mit Axel Hinnen, der eine Skulptur fotografiert und dem Text: „Als der Künstler Aristide Maioll, der 1861 geboren wurde und 1944 dort starb, in seinem Atelier vier Schritte zurücktrat, um sich die gerade Vollendete anzuschauen, die er „Der Strom“ nannte, weil sie so wie hingegossen dalag, dachte er sicher nicht daran, dass Axel Hinnen am 2.3. 1980 vier Schritte zurücktritt, um mit seiner Porst compact reflex von Maiolls Strom ein Königsbild zu machen …“

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

Zeitschriftenanzeige für Photo Porst, 1981

CREDITS

Auftraggeber: Photo Porst KG GmbH & Co
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Axel Hinnen
Fotograf: Chico Bialas
Grafiker: Günter Classen, Beate Lorber
nach oben

SCHÖNER SCHEITERN

Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991

Plakat für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, Großflächenplakat

NOLYMPICS

1991 übernahm Lutz Grüttke, früher Generalbevollmächtigter der IBM Deutschland, die Leitung der Olympia Berlin 2000 GmbH und wurde oberster Olympia-Manager der Stadt. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen wollte eine Kampagne zur Bewerbung von Berlin um die Olympischen Spiele in Jahr 2000, die so stark ist wie die IBM-Kampagne. Lutz Grüttke beauftragte Michael Schirner und sein Team mit der Entwicklung. Artdirector Hans Peter Weiß entwarf Corporate Design und Logo Berlin 2000 mit Nullen als verschränkte Ringe in den Schwarz, Rot Gold und ein Maskottchen als Punkt-Komma-Strich-Bärchengesicht auf gelben Grund. Michael Schirner und sein Team erarbeiteten ein Konzept für die Entwicklung von Berlin zu Olympia-Stadt und europäischen Metropole. Sie skizzierten Visionen und Projekte für das Neues Berlin als Hauptstadt von Medien, Business, Kunst, Kultur, Szene, Film-, Sport, Jugend etc. Sie schlugen vor, wie aus Berlin eine Metropole wie Paris wird. Die Vorschläge für das Neue Berlin und Olympia 2000 präsentierten sie in einer Anzeigenkampagne der 100 Ideen, z.B.:

Gigantische Körper stehen ständig als Ballons über Berlin, sind weit sichtbare neue Wahrzeichen. Ungefähr so hoch wie Empire State Building und Eiffelturm zusammen. Headline: „Jetzt hat auch Berlin eine Skyline“.
Ein schönes Symbol haben wir ja, noch schöner wäre es, viele davon zu haben: „Wie viele Brandenburger Tore sollen wir bauen?“
Die Waschmaschinen des Senats, die machen, dass das gute, alte Berlin wie neu wird: „Berlin – eine Stadt, die sich gewaschen hat“.
Die Künstlerin Katharina Fritsch macht Pappel-Land-Art in der Stadt: „Jetzt wird Berlin erst mal aufgepappelt“.
Stellt Riesenkulissen vor Baustellen! Ein Wettbewerb für Bauherren: „Das neue Berlin. Jetzt schon mal zum Angucken“.  Ein tolles Kunst-Wissenschaft-Musik-Aktions-Gelände: „Kulturtempelhof von Berlin“.
Das Stadion für Olympia 2000 im neuen Berlin: Es beginnt am Brandenburger Tor und zieht sich die ganze Straße des 17. Juni entlang, „Das schönste Stadion der Welt“.
Wir suchen Firmen, die Patenschaften für Stadtviertel übernehmen: „Kreuzberg kriegt Unterberg. Wer will Karlshorst?“
Der neue Geldschein, den gibt es, wenn das neue Berlin den Zuschlag kriegt: „Der Jahrtausender“. Noch ein Konzept-Art-Projekt: Von jeder der 207 Metropolen der teilnehmenden Nationen wird ein 100 Meter langes Stück vom Gehsteig der jeweiligen Hauptstraße abgetragen, nach Berlin auf den Ku’damm gebracht, dort auf dem Gehsteig eingesetzt und mit einem Schild des Herkunftsorts versehen. Die entsprechenden Gehsteig-Stücke des Ku’damms werden an den entsprechenden Stellen in den Gehsteigen der Metropolen eingesetzt und markiert.

Offene Spiele mit freiem Eintritt für alle, Eröffnungsfeier entlang der Spree und Wettkämpfe überall auf Berlins Straßen und Plätzen.

Mayo Thompson, Musiker und Künstler der Avantgarde-Band Red Krayola, komponierte die Olympia-Hymne „All together now“ mit Lyrics von Diedrich Diederichsen.

 

All together now!

Every country on the planet,

south & north & east & west,

black & white & red & yellow ­–

all the nations send their best.

Everybody

try together,

love each other

in Berlin!

All together now!

 

Neither walls, nor wars, nor borders,

no divisions do us part:
with a flame and with a vision
we create Olympia.

Everybody
try together,

love each other

in Berlin!

(„Isch bin ain Balina!“)

All together now!

Das Bärchen wurde Moderator der Bewerbungskampagne und wollte Berliner und IOC für Olympia in Berlin 2000 gewinnen. Es erschien auf Plakaten, Anzeigen, bannern und Flaggen. Doch die Stimmung für Olympia in Berlin – zwei Jahre nach dem Fall der Mauer – war nicht gut. Auch weil die Berliner die Olympischen Spiele nicht wollten, bekam die Stadt den Zuschlag für die Spiele nicht. Strahlender Gewinner ist das Bärchen, das alle lieben und das weiter lebt auf Mützen, Buttons, T-Shirts, Tassen, Taschen, Kissen etc., die in Berliner Souvenier-Läden Absatz finden. Da Michael Schirner auch hier belegen wollte, dass Werbung nur Kunst ist und Kunst nur Werbung, verewigte er das Olympia-Bärchengesicht auf Ölbildern der Serie Lorem ipsum.

Plakat für Olympia 2000 in Berlin, 1988

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, , 1991, Großflächenplakat

Aufkleber für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, Aufkleber

T-Shirt für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, T-Shirt

Flaggen für Olympia 2000 in Berlin, 1991

Michael Schirner, Werbe- und Projektagentur, Olympia Berlin 2000 GmbH, 1991, Beflaggung

CREDITS

Auftraggeber: Olympia Berlin 2000 GmbH
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner, Enrique Jungbauer
Artdirector: Hans Peter Weiß
nach oben