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DOPPEL

Kunsthalle Düsseldorf, 1995

Werbung für die Doppelausstellung "Siqueiros / Pollock" in der Kunsthalle Düsseldorf 1985

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf, 1995, Plakat

ZWISCHENVERGLEICH

Jürgen Harten

Als erster hat Octavio Paz, kein unkritischer Bewunderer der beiden Künstler, Siqueiros mit Pollock verglichen. Wie mit einem Zeitraffer fasst er den Abstand zwischen den dreißiger und späten vierziger Jahren zusammen, um in beiden eine zutiefst verwandte, aber eben verschiedene Motivation von vergleichbarerer Dynamik zu entdecken. Siqueiros, schreibt er, begreift die Materie als von Energien bewegt, die mit sich selbs kämpfen. Zu Pollock heißt es, er arbeite an „einer Vision der Materie, die um sich greift und sich ausdehnt, bis sie sich schließlih selbst negiert, bis sie aufhört, Materie zu sein und sich in Schrei verwandelt; Schrei, nicht Wort: totale Bejahung der Energie und zugleich nicht minder total Verneinung der Bedeutung.“ Mit anderen Worten, Paz diagnostiziert bei Pollock eine Dialektik zwischen einer von „Bedeutung“ freien, rein auf die Materialität reduzierten Malerei und einem unbedingten Ausdruckswillen, während er bei Seiqueiros ein a priori wirksame Dynamik im Umgang mit den malerischen Mitteln annimmt, die zwar unmittelelbar zum Ausdruck kommt, aber trotzdem, also zusätzlich, „Bedeutung“ beansprucht.

CREDITS

Auftraggeber: Kunsthalle Düsseldorf
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Artdirector: Catharina von Poser
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MICHAEL SCHIRNER UND KEXIN ZANG, SHOOTING FUKUOKA

ZKM, Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, 2004

Ambient-Video- und Ambient-Foto-Workshop von Michael Schirner und Kexin Zang an der School of Design, Kiushu University Fukuoka, Japan, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Shooting Fukuoka, 2004, Katalog

Kyushu University School of Design Fukuoka

2004 veranstaltete Michael Schirner zusammen mit Kexin Zang an der Kyushu University School of Design Fukuoka, Japan, mit 30 japanischen Studierenden den Ambient-Video- und Foto-Workshop Shooting Fukuoka. Für die Arbeit in dem Workshop gab Schirner ein formales Prinzip vor: „Benutzt die Foto-Kamera wie eine Video-Kamera und die Video-Kamera wie eine Foto-Kamera.“ So entstanden Ambient-Fotoserien und Ambient-Videos für eine Multimedia-Ausstellung. Hunderte Serien hervorragender Ambient-Fotos und 70 Stunden Ambient-Videos machten Fukuoka zur Stadt der 26 roten Dikyo-, 25 schwarzen Iwataya- und 26 günen Marukyo-Supermarkt-Plastikkörbe voller Waren, 27 engen Studentenstuben, gelb markierten Blindenwegen, auf Holztäfelchen geschriebenen und am Dazaifu-Schrein aufgehängten Wünsche, der Stunde von 5:40 Uhr bis 6:40 Uhr, aufgenommen vom Dach des Ijiri-Dormitory, der Schaufensterpuppenvogelscheuche im Reisfeld, der Fahrt auf dem Transportband der Sushi-Bar etc. 2004 eröffnete Michael Schirner im Medientheater des ZKM Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe die Ausstellung Shooting Fukuoka. Professoren der Kyushu University School of Design Fukuoka kamen zur Eröffnunung und führten Gespräche über eine Partnerschaft der beiden Hochschulen.

Ambient-Fotos aus dem Workshop von Michael Schirner und Kexin Zang an der School of Design, Kiushu University Fukuoka, Japan, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Shooting Fukuoka, 2004, Katalog

Ambient-Fotos aus dem Workshop von Michael Schirner und Kexin Zang an der School of Design, Kiushu University Fukuoka, Japan, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Shooting Fukuoka, 2004, Katalog

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MICHAEL SCHIRNER UND KEXIN ZANG, SHOOTING BEIJING/SHOOTING KARLSRUHE

Hochschule für Gestaltung am ZKM Karlsruhe, 2004

Einladungskarte zu Ausstellung "Shooting Beijing/Shooting Karlsruhe" von Michael Schirner und Kexin Zang in Medientheater der HfG am ZKM Karlsruhe 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Let’s Go Wast! 2004, Einladungskarte

Let’s Go Weast!

2002 führten Michael Schirner und Kexin Zang an der CAFA, Central Academy of Fine Arts Beijing, den Workshop Shooting Beijing durch. Teilnehmer waren 29 chinesische Foto- und Filmstudenten. Die Aufgabe: Macht Ambient-Fotos und -Videos von der Stadt. Benutzt den Fotoapparat wie eine Video-Kamera. Macht von jedem Bildmotiv eine Serie von mindestens 24 Einzelbildern. Macht Fahrten entlang eines Objekts, um ein Objek herum, auf ein Objekt zu oder von ihm weg, macht Einzelbilder für Panoramen, 360-Grad-Schwenks, Serien mit fixierter Kamera, Serien von Einzelbildern zu einem Thema z.B. alle Türen, Fenster, Ladenschilder, Bushaltestellen. Macht Ambient-Videos: Benutzt die Videokamera wie einen Fotoapparat. Fixiert die Kamera, machet Videos mit einer einzigen Einstellung und einer Länge von 12 Minuten, keine Kamerabewegung, keine Fahrt, kein Zoom, kein Schnitt, keine Blende etc. Ambient-Arbeitsprinzip: Macht so viele Aufnahmen wie möglich. Überlasst alles der Kamera und dem Zufall, lasst Euch überraschen. Bei einem Team kam es vor der fixierten Videokamera zu einem Banküberfall. Jeden Morgen trafen sich alle in der CAFA und zeigten Ausschnitte ihrer Shootings. Michael Schirner gab Anregungen. Die Studierenden arbeiteten 10 Tage engagiert täglich rund um die Uhr. Zum Abschluss übergaben sie Hunderte von Fotoserien und 50 Stunden Video-Material für die Ambient-Ausstellung Shooting Beijing in Karlsruhe. In Karlsruhe stellt Michael Schirner seinen Studenten die gleiche Aufgabe: Benutzt den Fotoapparat wie eine Video-Kamera und die Video-Kamera wie einen Fotoapparat, macht Ambient-Fotos und Ambient-Videos für die Ausstellung Let’Go Weast! Jeden Montag trafen sich alle und zeigen die Ausbeute der Woche. 2004 eröffnete  Kulturbürgermeister Ulrich Eidenmüller in der HfG die Ausstellung Let’s Go Weast!

Ambient-Fotos und Ambient-Videos von Beijing: Yin Sheng Qiw, Xin Jin, Chin Weiping, Jerry Zhu, Li Hu Min, Hang Chun Hui, Yu Xin Long, Gan Jie Feng, Zhang Wen Chao, Huang Li, Huang Hong Lang, Gao Pong,, Chi Peng,Li Jing Zhou, Zhang Yu, Chen Yang, Xu Heng, Fu Ai Chen, Chen mau, Yang Da Wie, Wang Hao, Hu Hao, Zhao Hua, Yang Yu Ping, Li Mu Ze, Bang Li Chun, Yin Zhao Hu,  Xin Jing,  Yin Shenqin.

Ambient-Fotos und Ambient-Videos von Karlsruhe: Dominiqie Allard, Susi Ascher, Anabel Angus, Amira Amor ben Ali, Yvonne Bayer, Ariane Beisler, Marion Blomeyer, Diana Boswank, Bernadette Boebel,  Patrik Braun, Isaak Broder, Sarah Brunner, Sebastian Cremers, Kwan Cheng Yap, Victoria Eichwald, Martin Fusseneger, Rachel Gamere, Simoné Gier, Andrew Goldstein, Piero Goldstein, Piero Glina, Patrick Hilss, Pia Katzenberger, Susanne König, Tim Klinger, Claudia Löffler, Joe Miletzki, Martin Morlock, Dennis Orel, Cesar Osarion, Ursula Pontt, Tessy Ruppert, Björn Siebert, Shen Shan, Natalia Schmidt, Nina Schöttle, Daniel Schludi, Stephanie Schneider, Thaya Schroeder, Paul Steinmann, Yukako Sano, Johannes Talk, Katrin Ulmann, Katrin Uecker, Julia Walter, Oliver Wrobel, Pui-Nuen Yfung. Art Direction und Multimedia-Installation der Ausstellung: Johel Hemlinger; Postproduktion und Schnitt: Christine Weber; Assistenz: Iris Holstein, Beate Kamecke, Nagao Masashi, Dennis Orel, Yomada Yuji; Video-Technik und Akustik: Dieter Sellin; Bühnentechnik: Frank Strom.

Plakat und Einladungskarte: Kexin Zang, Foto: Chi Peng. Im Großen Studio der HfG wurden Projektionsflächen in einem Rund von 180-Grad installiert. 17 Video-Projektoren zeigten, wie aus Tausenden Ambient-Fotos ein Ambient-Video von 1 Stunde und 15 Minuten wird. Und wie aus zwei Städten und zwei Kulturen Ambient-City entsteht. Im Blauen Salon wurden an drei Tagen 56 Stunden Videos von Beijing und Karlsruhe gezeigt. Entlang der Hallenwänden erstreckten sich Serien von Foto-Sequenzen beider Städte. Den Katalog gestalteten Studierende des Kommunikationsdesign als meterlanges Panorama-Leporello.

Projektion der Ambient-Fotos in der Ausstellung von Michael Schirner und Kexin Zang im Medientheater der HfG am ZKM Karlsruhe, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Let’s Go Wast! 2004, Multimedia-Installation

Ambient-Foto-Ausstellung von Michael Schirner und Kexin Zang mit Fotos von Studierenden in der HfG am ZKM Karlsruhe, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Let’s Go Weast! 2004, Exhibition Shot

FUTURE STREET VIEW

Michael Schirner

Katalogtext: Let’s Go Weast, die Ausstellung der Ambient-Fotos und -Videos zeigt ein Experiment, das wir 2002 gemacht haben. Hier sehen Sie, wie unsere Städte und das Leben darin in einigen Jahrzehnten aussehen werden. Denn unsere Workshops sind ein globalen Kulturtest, der uns einen Blick in die Zukunft erlaubt. Wir gehen von der Hypothese aus, dass sich in Zeiten der Globalisierung die unterschiedlichen Kulturen/Städte/Menschen/Verhältnisse des Westens und des Ostens mehr und mehr annähern, miteinander verbinden, vermischen und daraus eine dritte Welt/Kultur/Stadt entsteht, eine, die mehr vom einen hat oder mehr vom anderen – je nachdem, was sich durchsetzt. Soweit die Hypothese. Zum analytischen Teil des Experiments, den Workshops: Die Chinesen sollten ihre Welt/Kultur/Stadt erheben und die Deutschen ihre. Das Ergebnis dieser Forschung sind zwei Bilder- und Videokassettenberge. Zur Synthese: Wir werfen die Bilder und Videos des Westens und des Ostens in einen großen Topf, vermengen alles kräftig und servierten dieses deutsch-chinesische Gericht als Ausstellung Shooting Beijing/Shooting Karlsruhe. Unsere synthetische, statistische Stadt aus zwei Kulturen wird in einigen Jahrzehnten Realität sein, denn sie enthält genau die Bilder, die wir in unserem Test der Kulturen als Input und Ergebnis der Recherche bekommen haben. Unsere globaler Kulturtest in Zahlen: Von den 18 Zukunftsforschern in Beijing haben wir ein paar tausend Bilder und 50 Stunden Videomaterial in einem 10tägigen Workshop bekommen, von 38 Forschern in Karlsruhe einige 100 Bilder und knappe 6 Stunden Video.

Katalog der Ambient-Foto-Ausstellung von Michael Schirner und Kexin Zang mit Fotos von Studierenden in der HfG am ZKM Karlsruhe, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Let’s Go Weast, 2004, Katalog

Katalog der Ambient-Foto-Ausstellung von Michael Schirner und Kexin Zang mit Fotos von Studierenden in der HfG am ZKM Karlsruhe, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Let’s Go Weast, 2004, Katalog

Katalog der Ambient-Foto-Ausstellung von Michael Schirner und Kexin Zang mit Fotos von Studierenden in der HfG am ZKM Karlsruhe, 2004

Michael Schirner und Kexin Zang, Let’s Go Weast, 2004, Katalog

 

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FRAGEN SIE IHREN

Servus Toilettenpapier, 1978

Zeitschriftenanzeige für Servus Toilettenpapier, 1978

Zeitschriftenanzeige für Servus Toilettenpapier, 1978

WAS ER WILL

Diesmal ist das zu enthüllende Körperteil der Po. Auf Anzeigen geben Michael Schirner, sein Texter Joachim Beutler und Artdirector Holger Nicolai dem Po die nötige individuell-glorifizierende Qualität durch das Toilettenpapier Servus, das ihn adelt. Joachim Beutler weiß: „Er will das Einlagige von Servus. Er findet, dass Servus Royalweich das richtige ist für jeden Po in der Familie. Er schätzt die feine Lage Tissue, die weich und sicher ist. Er liebt die zarten Farben und freut sich , dass es Royalweich auch mit Blümchen gibt. – Servus. Denn Zartes braucht Zartes.“ Beim Casting wird Holger Nicolai vom Marketing-Chef Oblau unterstützt.

CREDITS

Auftraggeber: Feldmühle AG
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler
Artdirector: Holger Nikolai
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GEORGE SCHWEPPSWELL

Cadbury Schweppes, 1983

Zeitschriftenanzeige für Schweppes, 1983

GGK Düsseldorf, Cadbury Schweppes, 1983, Zeitschriftenanzeige

ENZYKLOPÄDIE

Irgendwann wird es soweit sein, dann wird die Menschheit, vorausgesetzt, es gibt sie noch, vorausgesetzt, sie hat sich noch nicht totgeschweppt (neues enzyklopädisches Stichwort „zu Tode schweppen“), in einer Sprache miteinander reden, deren Alphabet aus jenen sechs Buchstabenbesteht, aus s, c, h, w, e und p, mehr nicht, denn mehr wird man nicht brauchen. Alle werden „Schweppes“ sagen und jeder wird wisen, was gemeint ist: Schweppes. Es wird keine Missverständnisse mehr geben. Der jugendliche Liebhaber wir zu seiner Geliebten sagen: „Schweppes Schweppes Schweppes“. Und während er sich über sie beugt, wird er flüstern: „Schweppes“. Und sie zu ihm. „Schw …“, dann lange nichts. Dann plätzlich sie : „Schweeee …“. Und Er: “ „Psssss“. Der Urgroßvater, früher einmal Kreativdirektor in einer Düsseldorfer Werbeagentur, die berühmt war für ihre haaresträubenden Ideen, wird zu seinem Urenkel sagen: „Schweppes Schweppes Schweppes Schweppes Schweppes Schweppes Schweppes …“, was soviel heißt wie: Dabei hat alles so harmlos angefangen. Wir saßen zu dritt in dieser Düsseldorfer Werbeagentur, Franz Brauer, Michael Preiswerk und ich und hatten die Idee, die Enzyklopädie des Schweppens zu schreiben. Nach den ersten Seiten wurden wir Opfer unserer eigenen Werbung, wie man in der 5. Folge der Enzyklopädie nachlesen kann: „Schweppsomanie (grch.), (die). Ansteckende Krankheit, deren Symptome sich darin äußern, vor ganz normale Worte die Silben „Schweppes“ zu setzen.“ Und alle, die unsere Enzyklopädie lasen, wurden „schweppsophil“ (grch.). Jemand, der immer nur an das Eine denkt … „Das war damals, und so ist es heute, und so wird es immer sein“, sagte der Urgoßvater, legte seine Stirn, seinen Bauch, überhaupt alles, was er hatte, in Falten, nahm einen Schluck, noch einen und flüsterte seinem Urenkel ins Ohr: „Geh nie in die Werbung, mein Kind“, was der Junge nicht verstand. S. Sch. Novum Gebrauchsgrafik, Nr. 7 / 84

Zeitschriftenanzeige für Schweppes, 1983

GGK Düsseldorf, Cadbury Schweppes, 1983, Zeitschriftenanzeige

Zeitschriftenanzeige für Schweppes, 1983

GGK Düsseldorf, Cadbury Schweppes, 1983, Zeitschriftenanzeige

Zeitschriftenanzeige für Schweppes, 1983

GGK Düsseldorf, Cadbury Schweppes, 1983, Zeitschriftenanzeige

CREDITS

Auftraggeber: Cadbury Schweppes
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Franz Brauer
Artdirector: Michael Preiswerk
Grafiker: Willi Barczat
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HEAVEN, AN EXHIBITION, THAT WILL BREAK YOUR HEARD

Kunsthalle Düsseldorf, 1999

Michael Schirner, Amen, in: Heaven, An Exhibition That Will Break Your Heart, Hrsg. Doreet Levitte Harten, Kunsthalle Düsseldorf, Tate Gallery Liverpool, Hatje Cantz Verlag, Osterfildern-Ruit 1999

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Heaven, Kunsthalle Düsseldorf, 1999, Plakat

MICHAEL SCHIRNER, SALVATION

Doreet Levitte Harten

In der Ausstellung HEAVEN ist Schirners Arbeit mit dem Titel Salvation in der Toilette untergebracht, wo Slogans in der Art und Weise von Predigten vorgetragen werden und dabei das geistliche Prozedere imitieren. Die Arbeit trägt den Titel Salvation (Erlösung), da dies das erklärte Ziel ist, das beide Systeme versprechen. Die Toilette ist ein metaphorischer Raum: Hier durchläuft man eine Art Reinigungs- und Läuterungsprozess, entledigt sich körperlicher Abfallstoffe und fühlt sich nach ihrer Benutzung besser. In Beziehung zur Kirche sind Toiletten das, was der Körper in Beziehung zur Seele ist  – ein Dualismus, der noch auf der Suche nach einem Mittler ist. Die Vorstellung von der Toilette als Manifestation des Läuterungsrituals ist nur eine von vielen Metaphern; die Toilette kann auch für die Werbung als solche stehen, da beide Institutionen verabscheut, aber gebraucht, wenn nicht geradezu begehrt werden.

AMEN

Michael Schirner

1999 hatte ich einen Pilgerort als Andachtsraum geschaffen. Das war auf der Ausstellung HEAVEN An Exhibition That Will Break Your Heart in der Kunsthalle Düsseldorf. HEAVEN  war eine Ausstellung über religiöse Erfahrung und ihre Verwandlung in den Künsten und der Populärkultur. In den ausgestellten Werken und Objekten manifestiert sich, wie das Erhabene und Sublime in vielfältiger Weise den medialen Alltag des Jahrhunderts durchdringen. HEAVEN zeigte Werke von Sylvie Fleuty, Gilbert & George, Jeff Koons, Ron Muek, Tony Oustler, Ed Ruscha. u.a. Für HEAVEN entwickelte ich die audiovisuelle Installation SALVATION. Auf Türen von Damen- und Herren-Toiletten wurde vertikal SALVATION plakatiert, der Raum der Toiletten in Schwarzlicht getaucht und beschallt mit gepredigten Werbeslogans:

Auf diese Steine können Sie bauen.

Nichts bewegt sich wie ein Citroen.

Quadratisch, praktisch, gut.

Sind sie zu stark, bist Du zu schwach.

Wir machen den Weg frei.

Come to Marlboro Country.

Aus dieser Quelle trinkt die Welt.

Bild dir deine Meinung.

Smart. Reduced to the max.

Bitte ein Bit.

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf.

Er läuft und läuft und läuft und läuft.

A + T. We connect people.

Der Tag geht, Johnnie Walker kommt.

Heiß geliebt und kalt getrunken.

Bauknecht weiß, was Frauen wünschen.

IBM. Solutions for a small planet.

Für das Beste im Mann.

Campari. Was sonst.

Apple. Think different.

Aus Erfahrung gut.

Hell wie der lichte Tag.

Heinecken refreshes parts other beers don’t reach.

Ich rauche gern.

Lucky Strike. Sonst nichts.

Mobil. We want you to live.

Ich trinke Jägermeister, weil …

Da weiß man, was man hat.

Have a break, have a kitkat.

Ich war eine Dose.

Otto … find ich gut.

Ihr guter Stern auf allen Straßen.

Mit 5 Mark sind Sie dabei.

Coca Cola is it.

Heute ein König.

Michts ist unmöglich.

Happyness is a cigar called Hamlet.

Persil bleibt Persil.

Microsoft. Where do you want to go.

Nie war er so wertvoll wie heute.

No smint. No kiss.

Just do it.

Auch hier habe ich gezeigt, dass Werbung nur Kunst ist und Kunst nur Werbung, also beides nichts Besonderes, aber das Höchste und Erhabenste. Amen.

Michael Schirner, Installation, Ausstellung "Heaven", Kunsthalle Düsseldorf 1999

Michael Schirner, Salvation, Kunsthalle Düsseldorf, 1999, Installation Shot

Michael Schirner, Installation, Ausstellung "Heaven", Kunsthalle Düsseldorf 1999

Michael Schirner, Salvation, Kunsthalle Düsseldorf, 1999, Installation Shot

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ULK

RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH, 1996

Fachanzeige für die RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH, 1996

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH, 1996, Fachanzeige

MAKRO

Die RV-Rheinbraun Handel- und Dienstleistungen GmbH wolltel ein neues Corporate Design und eine Corporate-Kampagne, um Bekanntheit und Position ihrer unterschiedlichen Gesellschaften im Markt zu stärken. Michael Schirner, Stefan Freier und Markus Schüssler entwickelten für RV ein Kommunikationsprinzip, das auf einfache und nachdrückliche Art die unterschiedlichen technischen Leistungen und Produkte der verschiedenen Gesellschaften herausstellt: Für RV erfand die Agentur die Makro-Wort-Kampagne. Auf jeder Anzeige wird ein Schlüsselwort, das für den Geschäftsbereich, ein Produkt oder eine Leistung steht, groß herausgestellt und im laufenden Text erläutert.  Jeder Geschäftsbereich veröffentlichte so seine Leistungen in Anzeigen mit ständig wechselnden Makro-Worten. Das Typo-Prinzip: Der erste Buchstabe füllt bold die Seite, darunter seitenbreit die übrigen Buchstaben des Makro-Worts. „Die ungewöhnlichen Worttrennungen aktivieren beim Betrachter gleichzeitig die rechte und linke Gehirnhälfte, das heißt, Worte wie K-OKS, B-ULK, D-AMPF werden simultan als Text und als Bild wahrgenommen und prägen sich damit nachhaltig ein“ (Detlef. D. Linke, Professor für Klinische Neurophysiologie und Neurochirurgische Rehabilitation an der Universität Bonn).

Fachanzeige für die RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH, 1996

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH, 1996, Fachanzeige

Fachanzeige für die RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH, 1996

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH, 1996, Fachanzeige

CREDITS

Auftraggeber: RV Rheinbraun Brennstoffe GmbH
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Stefan Freier
Artdirector: Markus Schüssler
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ERDE UND HIMMEL

Ruhrgas AG, Essen, 1981

Ruhrgas-Kampagne "Erdgasleitung", 1981

Ruhrgas, Erdgasleitung, 1981, Tageszeitungsanzeige

Idyllische Niederrheinlandschaft mit Erdgasleitung

Unsere Erdgasleitung sieht man nicht, weil wir sie hier bei Zons unter die Wiesen am Rhein gelegt haben. Sie ist ein Stück der Glückaufleitung. Die Glückaufleitung gehört zu einem unserer größten regionalen Versorgungssysteme. Sie zieht sich durch das ganze Ruhrgebiet und versorgt Städte zwischen Drosten und Porz mit Erdgas. Hier heizt man mit Erdgas, weil es umweltfreundlich und sicher ist. Und weil es wettbewerbsfähig gegenüber allen anderen Heizenergien ist. Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass Erdgas auch in Zukunft eine wirtschaftliche Energie bleibt. Und eine sichere. Schon heute haben wir Verträge für Erdgas bis zum Jahr 2000. Wir sorgen also dafür, dass immer Erdgas fließt. Ruhrgas AG. Essen.

Ruhrgas-Kampagne "Erdgasleitung", 1981

Ruhrgas, Erdgasleitung, 1981, Tageszeitungsanzeige

Ruhrgas-Kampagne "Erdgasleitung", 1981

Ruhrgas, Erdgasleitung, 1981, Tageszeitungsanzeige

Ruhrgas-Kampagne "Himmel über ...", 1983

Ruhrgas, Himmel, 1983, Zeitschriftenanzeige

HIMMEL UND ERDE

Ruhrgas AG, Essen, 1983

 

 

Der Himmel über Marburg

Ein Blick vom Rathaus auf den alten Marktplatz, oben links das Landgrafenschloss. Als man hier die Altstadt sanierte, hat man sich auch gleich darum gekümmert, dass die schönen, alten Häuser mit einer umweltfreundlichen Energie versorgt werden, mit Erdgas. Die Leitung, die heute 12.000 Haushalten im Stadtkern Erdgas liefert, kommt von Wetzlar über Gießen nach Marburg. Die Umstellung auf die saubere Energie Erdgas, so haben die Marburger herausgefunden, trägt mit dazu bei, dass der Himmel über der Stadt so sein kann wie auf diesem Foto. Erdgas ist eine saubere Sache.

Ruhrgas-Kampagne "Himmel über ...", 1983

Ruhrgas, Himmel, 1983, Zeitschriftenanzeige

Ruhrgas-Kampagne "Himmel über ...", 1983

Ruhrgas, Himmel, 1983, Zeitschriftenanzeige

 

Ruhrgas-Anzeige "Throwing three balls in the air to get a straight line" (John Baldessari), 1995

Ruhrgas, Throwing three balls in the air to get a straight line, John Baldessari, 1985, Image-Anzeige

THROWING THREE BALLS IN THE AIR

Ruhrgas AG, Essen, 1985

 

 

TO GET A STRAIGHT LINE

Seit 1983 hatte Michael Schirner mit seinen Kreativen bei GGK Werbung mit dem blauen Himmel für Ruhrgas gemacht. Das Blau des Himmels war zum Symbol für Erdgas von Ruhrgas geworden. Als Schirner GGK verließ, um seine KKG zu eröffnen, setzte er in seiner Agentur die Werbung für Erdgas mit dem blauen Himmel fort. Er verband Kunst und Werbung und veröffentlichte Motive der Fotoserie „Throwing three balls in the air to get a straight line“ des Konzeptkünstlers John Baldessari auf Plakaten und Anzeigen für die Ruhrgas AG.

CREDITS

Auftraggeber: Ruhrgas AG
Agentur: GGK Düsseldorf , KKG Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler, Jörg Bruchmann (GGK), Enrique Jungbauer (KKG)
Artdirector: Axel Hinnen, Jürgen Heymen (GGK), Claudia Hammerschmidt (KKG)
Fotograf: Peter Knaup, Franklin Berger
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BRAVO, JETZT KOMMT ROCKY!

Burda GmbH, 1979

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

1979 beauftragte Hubert Burda GGK Düsseldorf mit der Werbung zur Einführung von Rocky, einer Kopie der Jugendzeitschrift Bravo. Reinhold Scheer textete: Bravo, jetzt kommt Rocky. Michael Schirner, sein Texter Joachim Beutler und Artdirector Holger Nicolai verfassten die Kleine Enzyklopädie der jungen Leute, einen Katalog der Sammlungen von Attributen, Zeichen und Moden der Jugendkultur.

Themen: die Frisuren, die Flipper, die Musik-Boxen, die Tänze, die Buttons, die Sprache, die T-Shirts, die Chopper, die Jacken. Zu jedem Thema gibt es große zwei Bildtafeln mit Fotos, jeweils gefolgt von Gesprächen mit 14- bis 19-Jährigen zu den Themen der Enzyklopädie. Zum Beispiel Zitate von Mot-Rockern zu ihren Jacken: Wenn man jetzt die Zeichen hat, kommt das Abzeichen jetzt auf die Jacke drauf, jeder nimmt sich ne Flasche Bier oder Sekt, die Jacke wird auf den Boden geschmissen, dann kommt Sekt oder Bier drüber, danach wird drübergestrullt und anschließend noch paarmal mit der Karre drübergefahren, und dann wieder das Ding angezogen. Ich würde die Jacke nicht verschenken, eher verbrennen oder zerreißen.“

Vorwort

Es gibt zwei Kulturen. Die alte und die junge. Die alte Hochkultur wird in den Museen ausgestellt, in Theatern aufgeführt, in Konzertsälen dirigiert, in Leinen gebunden und in Bibliotheken gehütet. Die Junge Kultur ist die Massenkultur der um die 18jährigen. Sie findet überall statt, auf allen Straßen, auf allen Plätzen, in allen Häusern.

Die Skulpturen der jungen Kultur haben zwei Räder. Das Rad darf vom Motorblock nur 1,50 m entfernt sein, die Gabel muss eine bestimmte Länge haben, der Tank kann individuell bemalt sein. Stufensitzbank möglich, viel Chrom; der Fahrer steht auf Gleiten, nicht auf Rasen.

Das Tafelbild der jungen Kultur ist die Anzeigetafel des Flippers, den Bettina in der Hand hat, der die Breite hat, die toll ist, Beckenbreite, zu dem Anna eine Beziehung aufbaut, wenn sie immer an der gleichen Stelle spielt und er auf einmal weg ist und sie richtig traurig darüber ist, oder sie jemanden gut gefunden hat und mit ihm zusammen geflippert hat, ohne dass sie dabei viel gesagt haben.

Die Literatur der jungen Kultur ist die Sprache der jungen Leute, die Sprache von Günther, der Sachen redet, einfach so in den Satz rein, die gar nicht dazu passen, die praktisch genau das Gegenteil von dem sagen, was wirklich läuft. Die Sprache von Pia, die sich bei diesen Wörtern einem gewissen Trend oder einer gewissen Mode unterworfen hat, die sich laufend ändert und jeden Tag praktisch was Neues kommt, was dann aufgegriffen wird. Die Sprache von Tina, die Hochdeutsch überhaupt nicht sprechen kann, die dann zu stottern anfängt, auch wenn sie liest, dann muss sie ertmal hinten nachsehen, was die Wörter alles heißen. Die Sprache von Roland, der glaubt, die Sprache ist gebildet worden vor etlichen Jahren, um sich von den Erwachsenen zu unterscheiden, und der es unheimlich stark findet, wenn es eine Kultur gibt von Jugendlichen.

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler
Artdirector: Jürgen Dahlen, Holger Nikolai
Grafiker: Detlef Garlipp
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RAUSCHZART

Racke Rauchzart Whisky, 1970

Zeitschriftenanzeige für Racke Rauchzart Whisky, 1970

Y&R Frankfurt, Racke Rauchzart Whisky, 1970, Zeitschriftenanzeige

IMMER, WENN EIN GLAS RACKE RAUCHZART UMFÄLLT

Für den deutschen Whisky Racke rauchzart, der einen ausgesprochen milden Geschmack, aber viele Prozente hat, werben Michael Schirner und Ben Oyne mit der hochprozentigen Wirkung des Alkohols. Der Eröffnungsfilm: Man sieht die Racke-Flasche, daneben ein umgefallenes Glas, aus dem  eine Bächlein Racke rauchzart rinnt, die Kamera folgt dem Nass  bis zur Tischkante  und runter  unter den Tisch, wo ein Herr liegt und seinen Raus ausschläft.  Dazu eine Stimme aus dem Off: „Moral: Dieser Whisky ist so milde, dass Sie vielleicht nicht gleich merken, wie viele Prozente er hat. Bitte trinken Sie ihn nicht allzu hastig. Immer, wenn ein Glas Racke rauchzart umfällt, blutet uns das Herz.“ Ein weiterer TV-Spot zeigt einen beschwipsten Pfarrer, der im schwarzen Talar mit seligem Lächeln an seiner Predigt sitzt, in der Rechten ein Whisky-Glas, vor ihm die Bibel und eine Flasche Racke rauchzart. Die Glocken läuten, der Gottesmann rüstet sich, stößt dabei sein Glas um und sagt mit Blick nach oben: “Hab Dank für so viel Milde. Gib, dass ich stärker bin als die dreiundvierzig Prozente des Racke rauchzart, rülpst und murmelt demutsvoll „Entschuldigung“, es folgt der Slogan: „Moral: Dieser Whisky ist so milde, dass Sie vielleicht nicht gleich merken, wie viele Prozente er hat.“ Im TV-Spot „Vorstandssitzung“ sieht man die Mitglieder des Vorstandes von Racke voll des milden Whiskys. Der Vorsitzende klopft ans Glas und eröffnet die Sitzung: „Wir haben unseren Whisky so milde gemacht, dass wir selbst nicht merken, wie stark seine 43% sind. Sollten wir vielleicht Racke rauchzart weniger mild machen?“ Heftiger Widerspruch, „Oder weniger stark?“ Empörung „Oder weniger trinken?“ Sturm der Entrüstung, Tumult, das goldgerahmte Portrait des Gründers an der Wand geht zu Boden.

CREDITS

Auftraggeber: Racke A. GmbH + Co
Agentur: Y&R Frankfurt
Kreativdirektor: Ben Oyne, Michael Schirner
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