Archiv der Kategorie: Arbeiten

DIE HAUT

Creme 21, 1975

Plakat für den Relaunch von Creme 21, 1975

GGK Düsseldorf, Creme 21, 1975, Großflächenplakat

Die Aufgabe: Macht Creme 21 zur Creme, die moderner, jünger, besser ist als Nivea.

Die Überlegung: Nivea wirbt seit 100 Jahren mit der Verpackung.

Die Idee: Creme 21 wirbt mit Haut und Cremetupfer.

Der Erfolg: Creme 21 wird für seine Werbung international ausgezeichnet.

Welche Bedeutung hat die Nacktheit in einer Werbekampagne?

Anne Dreesbach: Herr Schirner, Sie haben in den 70er Jahren die berühmte Creme 21 Creme-Kleckskampagne entwickelt. Können Sie die Ideenfindung und die Umsetzung skizzieren? Gab es Vorgaben für die Kampagne?

Michael Schirner: Die Entwicklung der Kampagne für Creme 21 ist eng verknüpft mit Joachim Kellner, Produktmanager bei Henkel. Ihn kenne ich seit Anfang der 70er, als ich Texter und Joachim Marketingberater bei der damals ideenreichsten Agentur Y&R in Frankfurt war. Danach übernahmen wir zusammen mit dem Texter Peter Geilenberg und Artdirector Ben Oyne eine Agentur in Hamburg, die wir nach drei guten Jahren schlossen, um anderes zu machen: Ich wurde Kreativchef der legendären Agentur GGK Düsseldorf, Joachim Produktmanager bei Henkel für Creme 21. Henkel beauftragte GGK mit der Entwicklung der Kampagne für den Relaunch von Creme 21. Joachims Briefing: „Macht Creme 21 zu einer Creme, die moderner, jünger, besser ist als Nivea.“ Wir überlegten uns: Wir machen einfach eine bessere Kampagne als Nivea, dann wird Creme 21 für besser, jünger, moderner gehalten. Das war nicht schwer, denn Nivea warb damals mit einer langweiligen Packungskampagne. Statt groß die Packung zu zeigen, wie es Nivea tat, zeigten wir groß einen Tupfer Creme auf der Haut, mal auf der Nase, auf der Brust, auf dem Po etc. Ich glaub, ich hab damals alle Texte selbst geschrieben, auch den Slogan: „Die Haut für die Haut.“ Unsere Kampagne wurde für eine der besten und ideenreichsten gehalten, sie trug dazu bei, dass GGK bald die kreativste und am meisten ausgezeichnete Agentur und mir der Titel „Werbepapst“ verliehen wurde. Entscheidend für den Erfolg war das Medium der Kampagne. Wir waren damals Erfinder einer völlig neuen Form der Plakatwerbung in Deutschland und machten für Creme 21 beeindruckende Großflächenplakate, z.B. den auf 2 mal 3 Meter vergrößerten Ausschnitt einer nackten Hüfte mit Cremetupfer unterm Nabel, darunter stand groß: „Taille 59. Hüfte 88. Creme 21.“ Und wir machten eine neue Art von Anzeigen, die sahen aus wie unsere Plakate, nur in Klein.

Anne Dreesbach: Inwieweit konnten Sie sich mit der Marke Creme 21 identifizieren? War die Arbeit an der Kampagne etwas Besonderes für Sie?

Michael Schirner: Die Werbung für Creme 21 hat großen Spaß gemacht. Ich finde, wenn Werbung keinen Spaß macht, dann macht sie keinem Spaß. Nur wenn sie denen Spaß macht, die sie machen, kann sie auch denen Spaß machen, für die sie gemacht wird. Mit Spaß meine ich nicht den vordergründigen Humor oder Gag. Ich meine den Spaß, den es macht, wenn man ein kniffliches Kommunikationsproblem mit einer guten Idee löst. Und eine Idee ist dann gut, wenn man sie in einen Satz so beschreiben kann, dass jeder sagt: „Das ist aber eine gute Idee.“ Z.B.: „Auf unseren Anzeigen und Plakaten zeigen wir immer einem Tupfer Creme auf nackter Haut“.  Zu Ihrer Frage „War die Arbeit an der Kampagne etwas Besonderes für Sie?“ Ja, jede Aufgabe, die wir bekommen, ist etwas Besonders. Die Suche nach einer Idee ist jedes Mal ein Abenteuer, bei dem man bei Null anfängt und entweder scheitert oder Erfolg hat. Ich freu mich, dass die Creme-Kampagne heute noch  jung aussieht wie damals.

Anne Dreesbach: Welche Bedeutung hat die Nacktheit in einer Werbekampagne?

Michael Schirner: Im Buch Haut und Hülle gibt es dazu ein Beitrag mit dem Titel: „Do you wanna see me naked, lover? Do you wanna peek underneath the cover?“ Der Titel ist von Lady Gaga, der Beitrag von mir. Darin beschreib ich unsere Arbeit der stückweisen Entkleidung menschlicher Körper in Kampagnen für Henkel-Duftstoffe, adidas-Kosmetik, Servus-Toilettenpapier, Care-Herrenkosmetik, AIDS-Prävention und eben Creme 21: „Den nackten menschlichen Körper und insbesondere den des Mannes wollen wir aber nicht allein der Autorenschaft gewisser weitblickender oder entscheidungsfreudiger Einzelner unterschieben. So etwas kann sich kein Einzelner allein ausdenken, geschweige denn durchsetzen. So etwas will die Geschichte selber. Die Kontinuität dieser Entblößung, ihre Umwege, ihre Zähigkeit, aber auch ihre Zielstrebigkeit machen klar, dass es sich hier um ein Produkt der Geschichte handelt. Oder Besser des Gottes der Geschichte. Jeder, der da eine Teilentkleidung vornehmen darf, ist nichts anderes als ein Helfeshelfer dieses Gottes. Was für jemanden, der Werbung macht, und mit der Situation, anderer Leute Interessen mit guten Ideen umzusetzen, vertraut ist, eine gute Ausgangslage ist. Mir jedenfalls war der Gott der Geschichte immer ein angenehmer Kunde, auch wenn seine Marketingabteilung manchmal etwas nervte  … Dann kam Creme 21, in gewisser Weise ein Rückschritt, mit dem mich der Gott der Geschichte prüfen wollte. Denn hier sollte noch einmal eine reale Qualität nackter Haut im Mittelpunkt stehen, ihre weiche, empfindliche Beschaffenheit. Diese Aufgabe wurde ohne Murren erledigt, indem wir nicht die Nacktheit des abgebildeten Körperausschnitts betonten, sondern den Cremetupfer, der ihn weihte. Wichtig: Auch hier wurde weiterhin partikularistisch und nicht total entblößt … Und damit sind wir mit einem Auftrag des Gottes der Geschichte zum Ende gekommen, der stückweisen Eroberung der Nacktheit als Qualität, die eine aufklärerische, enthüllende ist, um andererseits einen neuen Auftrag auszuschreiben: der postaufklärerischen, wo nur noch nackte Aura zählen wird, die sich aber nicht mehr mit Techniken der Entblößung erzielen lassen wird, und bei der wir alle uns um neue Formen der Sichtbarmachung des Unsichtbaren werden kümmern müssen.“

Das Interview führte Anna Dreesbach vom Dreesbach Verlag

Anzeige für den Relaunch von Creme 21, 1975

GGK Düsseldorf, Creme 21, 1975, Zeitschriftenanzeige

Anzeige für den Relaunch von Creme 21, 1975

GGK Düsseldorf, Creme 21, 1975, Zeitschriftenanzeige

Anzeige für den Relaunch von Creme 21, 1975

GGK Düsseldorf, Creme 21, 1975, Zeitschriftenanzeige

Anzeige für den Relaunch von Creme 21, 1975

GGK Düsseldorf, Creme 21, 1975, Zeitschriftenanzeige

CREDITS

Auftraggeber: Henkel-Khasana GmbH
Agentur: GGK Werbeagentur Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Bernd Arnold, Diethardt Nagel, Michael Schirner, Berthold Schmitt
Artdirector: Jürgen Pilger, Helmut Rottke
Fotograf: Christa Peters, Will McBride, Christian von Alvensleben, Jerome Ducrot
Grafiker: Thomas Heuter, Erika Hennig, Susi Richli
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Warum, weshalb, wieso?

Die Chemische Industrie , 1981

Imageanzeige für die Chemische Industrie, 1981

GGK Düsseldorf, Die Chemische Industrie, 1981, Zeitschriftenanzeige

Chemie ist, wenn

Die Aufgabe: Das Image der Chemie verbessern.

Die Überlegung: Wofür ist Chemie gut?

Die Idee: Pro Anzeige eine Anwendung von Chemie im Alltag

Der Erfolg: Wissen, wofür Chemie gut ist.

Imageanzeige für die Chemische Industrie, 1981

GGK Düsseldorf, Die Chemische Industrie, 1981, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Chemische Industrie, 1981

GGK Düsseldorf, Die Chemische Industrie, 1981, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Chemische Industrie, 1981

GGK Düsseldorf, Die Chemische Industrie, 1981, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Chemische Industrie, 1981

GGK Düsseldorf, Die Chemische Industrie, 1981, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Chemische Industrie, 1981

GGK Düsseldorf, Die Chemische Industrie, 1981, Zeitschriftenanzeige

 

CREDITS

Auftraggeber: Die Chemische Industrie
Agentur: GGK Werbeagentur Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joe Enders
Artdirector: Jürgen Dahlen, Manfred Ohling
Fotograf: Peter Droste, Brigitte Richter
Grafiker: Manfred Kamp, Henner Kronenberg, Detlef Krüger
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TAKE CARE

Margaret Astor, 1985

Anzeige für die Herrenkosmetikserie Care, 1985

KKG Projektagentur, Magaret Astor, 1985, Zeitschriftenanzeige

HeLD DER POSTMODERNE

Kaum eine Idee von der Werbung hält sich so renitent wie die, dass die Werbung eine artifizielle Welt um den Menschen herumbaue. Konkurrieren kann mit diesem hartnäckigen Vorurteil, demzufolge die Werbung den Menschen etwas verkaufen wolle, was sie gar nicht brauchen, dass nicht die realen Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden, sondern solche, die erst die Werbung erfunden hat, nur das.

Genau diesen Ideen und Vorurteilen tritt die Werbung selbst entgegen, wenn sie den nackten Mann in den Mittelpunkt stellt, das heißt, in einem Moment, wo die Künstlichkeit der Werbewelt ihren Höhepunkt erreicht hat, ja als solche fast schon akzeptiert ist, trägt sie plötzlich das ursprüngliche, archaische, unkünstlichste Bild vor, das man sich vorstellen kann: den nackten Körper. Ein Geschäft wie die Werbung, deren Alltag doch der geläufigen Vorstellung zufolge darin besteht, sich Verpackungen, Verkleidungen, ja Masken auszudenken, plädiert plötzlich für den Naturzustand, darin den subtilen sozialen Veränderungen, die sich in unserem Empfinden um den Widerspruch Enthüllung/Verhüllung bilden, Rechnung tragend. Bei unserer Kampagne für Care haben wir es ja nicht zuletzt mit einer Produktgattung zu tun, die bereits heute Merkmale enthält, die für viele Produkte der Zukunft bezeichnend sein werden. Denn unser Parfüm ist ja kaum noch als materielle Substanz begreifbar oder zu bewerten. Es ist ein zartes Duftwasser, das kaum in seiner Substantialität, die eher als flüchtig empfunden werden dürfte, Material für Werbung bietet. Und auch der Produktnutzen, eben der angenehme Geruch, gehört zu den ephemeren, schwer zu beschreibenden oder gar zu dramatisierenden, fast schon mystischen Nutzen, die den Produkten der Zukunft anhaften werden. Diese Tendenz zum Immateriellen ist der unangezweifelte Trend zu sogenannten postmodernen Produkten, von denen das Parfüm ein längst eingeführter, sozusagen klassischer Vorläufer ist, die aber in Zukunft, wo der Konsum immaterieller Werte für Ökonomie und Lebensart ungleich wichtiger sein wird als klassische materielle Produkte mit einem offensichtlichen, beweisbaren Nutzwert, auch das Gesicht und die Strategie der Werbung bestimmen werden. In immer mehr Bereichen des Lebens und der Kultur sehen wir heute, dass nicht wegen eines erwarteten Nutzwerts oder gar eines kalkulierten Verhältnisses zwischen Nutzwert und Preis ein Produkt erworben wird, sondern ausschließlich wegen der auratischen, immateriellen Eigenschaften. Dieser Trend gilt besonders für und schon länger in der Jugendkultur. Deren Verhaltensweisen dürften sich aber bei wachsender Prosperität; geringeren Arbeitszeiten etc. in einer postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft auch als Mehrheitskultur durchsetzen. Produkte werden sich also durch das konstituieren, was über sie geredet wird, nicht so sehr durch das, was sie wirklich sind: Sie ähneln also mehr und mehr den Kleidern des berühmten Kaisers in dem berühmten Märchen. Exakt diese Kleider trägt unser Care-Mann. Er trägt sie stolz und sozusagen präventiv gegen einen billigen Vorwurf. Er wird so zum Helden der Postmoderne. Michael Schirner, Werbung ist Kunst, 1988

Anzeige für die Herrenkosmetikserie Care, 1985

KKG Projektagentur, Magaret Astor, 1985, Zeitschriftenanzeige

Anzeige für die Herrenkosmetikserie Care, 1985

KKG Projektagentur, Magaret Astor, 1985, Zeitschriftenanzeige

CREDITS

Auftraggeber: Margaret Astor AG, Mainz
Agentur: KKG Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
Fotograf: Peter Knaup
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CASTINGSHOW

Young Collections von C&A, 1990

Großflächenplakat für Young Collections von C&A, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Young Collections von C&A, 1990, Gloßflächenplakat

SCREAM

Die Aufgabe: Die Marke Young Collections C&A bekanntmachen

Die Überlegung: Wie kann man junge Leute in die Läden von C&A bringen?

Die Idee: Gesucht werden Darsteller für Kinofilme, die tanzen und schreien können. Wer sich bewerben will, kommt zum Casting in C&A-Filialen.

Der Erfolg: Gewaltiger Andrang

Großflächenplakat für Young Collections von C&A, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Young Collections von C&A, 1990, Gloßflächenplakat

Großflächenplakat für Young Collections von C&A, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Young Collections von C&A, 1990, Gloßflächenplakat

CREDITS

Auftraggeber: C&A Brenninkmeyer, Düsseldorf
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
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MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE

Deichtorhallen Hamburg, 2010

Ausstellung MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE, Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg, 2010

Michael Schirner, BYE BYE, Einzelausstellung im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg, 2010

MICH GIBT ES GAR NICHT

Das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg zeigte vom 15.04. bis 25.04.2010 die Einzelausstellung MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE. Ausgestellt wurden großformatige Fine Art Prints der Serie BYE BYE: TRA72, NEW55, PAR 60, WAR70, MUN72, BAR68, MOS70, MEM68, OHI70, NOR44, ABU03, TAM04, CLE08, JEN06, BHO84, SAN73, IWO45, MOS 20, CER36, VER84, BAG08, YAN66, JER61, PAR97, HAM08, BER45, LAK37, GEN87, KITO03, NEW32, TOR98. Am 16.04. zeigte die Galerie Crone Berlin in einer Einzelausstellung Fine Art Prints der Serie MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE. Christoph Gabriel gestaltete das Katalogbuch, herausgegeben von Markus Peichl, erschienen im DISTANZ Verlag Berlin. Website www.michael-schirner-bye-bye.de. Bildmotive der Serie wurden auf Großflächenplakaten und City Light Poster in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt gezeigt. Die Ausgabe der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Eröffnungstag der Ausstellung war mit 17 Arbeiten der Serie BYE BYE bebildert.

Wie es Schirner schafft, dass wir das, was wir auf dem Bild an der Wand nicht sehen, überdeutlich als Bild in unserem Kopf wahrnehmen, verrät er uns: „Meine Kunst ist nicht mein Werk, sondern ganz allein Ihrs. Sie sind der Schöpfer Ihrer Bilder in Ihrem Kopf. Mich gibt es gar nicht.“ Das heißt, so wie das Abgebildete in der Imagination des Betrachters verschwindet, ergeht es dem Autor. Das meint Schirner mit der Selbstabschaffung des Künstlers als Autor und Experte seiner Kunst: Er tritt ganz hinter seinem Werk zurück. Die Arbeit, die Kunst macht, müssen wir, die Betrachter des Werkes, tun.

Michael Schirner, BYE BYE, PAR60, Fine Art Print, 2002 – 2009

Zur Pressekonferenz der Preview spracht Markus Peichl über Michael Schirner und seine Arbeiten: „Die Bilder, die Sie hier sehen, sind nicht von Michael Schirner geschaffen, sondern sie entstehen in den Köpfen der Betrachter. Die Betrachter sind Schöpfer der Bilder. Er, Schirner, existiert nicht. Michael Schirner hat nicht in Hamburg Kunst studiert, er hat nicht bei Max Bill und bei Bazon Brock gelernt. Er hat nicht das Künstlerfest LiLaLe als seine Abschlussarbeit organisiert. Die Besucher und Studierenden haben sich dort nicht nackt ausgezogen. Er wurde darauf nicht von der Hochschule geschmissen. Michael Schirner ist darauf nicht in die Werbung gegangen. Er hat nicht in großen Agenturen wie Young & Rubicam und GGK gearbeitet. Auch nicht in eigenen Agenturen. Er hat auch nicht bahnbrechende Werbearbeiten hinterlassen. Nicht die Jägermeister-Kampagne, die den Älteren von Ihnen noch in Erinnerung ist. Nicht die Volkswagen-Kampagne. Auch nicht die Kampagne für IBM mit dem Wort ’schreibmaschinen‘, wo die Buchstaben i b m in dem Wort versal hervorgehoben wurden und der Rest gemischt geschrieben war. Michael Schirner ist nach seiner Werbearbeit nicht in die Kunst zurückgekehrt und hat nicht Professuren in Peking, nicht an der HfG und am ZKM in Karlsruhe und auch nicht in Bremen innegehabt. Er hat auch nicht für Gruner + Jahr die Serie Pictures in our Minds entwickelt, in der er mit Worten bekannte Bilder beschreibt, die darauf im Kopf des Betrachters entstehen; andere Arbeiten wie die Bilder der Serie BYE BYE, Theateraufführungen im Schauspielhaus in Düsseldorf, Auftritte der Gruppe Pope – all das hat er, weil er ja nicht existiert, nicht gemacht. Ausstellungen und Bücher zeugen von seinen Phantomwesen. Was man von Michael Schirner sagen muss, ist, dass er wahrscheinlich der Einzige ist, der das Postulat, das irgendwann in den 80ern erhoben wurde, dass Werbung Kunst ist und Kunst Werbung, wirklich gelebt und ausgefüllt hat. Ich glaube, dass die Kuratoren der Deichtorhallen das mit der heutigen BYE BYE-Ausstellung wunderbar auf den Punkt gebracht haben.“

Michael Schirner, BYE BYE NOR44, 2002 - 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, NOR44, Fine Art Print, 2002 – 2009

DER TOD DES ANDEREN
DAS VERSCHWINDEN VON AUTOR UND ORIGINAL

Oliver Koerner von Gustorf

Das ästhetische und theoretische Terrain, das Michael Schirner mit BYE BYE betritt, ist ebenso weit wie die entleerten Szenarien seiner Digigraphien. Bereinigt von Menschen erscheint die Landung der Alliierten 1944 in der Normandie nur noch als ein wolkiges, entmaterialisiertes Seestück.

Michael Schirner, BYE BYE, CER36, 2002 – 2009, Fine Art Print, based on a photograph by Robert Capa

Michael Schirner, BYE BYE, CER36, Fine Art Print, 2002 – 2009,  based on a photograph by Robert Capa

Robert Capas ikonische, 1936 entstandene Kriegsfotografie Loyalistischer Soldat im Moment des Todes reduziert sich auf eine verwackelte Landschaft mit flüchtigem Horizont.

Es sei das Ziel seiner jüngsten Arbeiten, betont Schirner, das „Unsichtbare im Sichtbaren“ zu zeigen – die vielen unscheinbaren und unbemerkten Details jener massenmedialen Bilder, die in unserem Bewusstsein wie ein fotografisches Archiv der Welt abgespeichert sind.

Michael Schirner, BYE BYE, MUN72, 2002 – 2009, Fine Art Print, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos

Michael Schirner, BYE BYE, MUN72, Fine Art Print, 2002 – 2009, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos

Nicht nur der vermummte palästinensische Terrorist, der während der Olympischen Sommerspiele in München 1972 bei der Geiselnahme der israelischen Mannschaft fotografiert wird, hat sich in unserer Imagination verankert, sondern auch der Beton-Balkon, auf dem er steht.

Michael Schirner, BYE BYE, WAR70, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, WAR70, Fine Art Print, 2002 – 2009

Von Willy Brandts Kniefall 1970 in Warschau bleiben fragmentarische Eindrücke im Gedächtnis hängen: regennasser Stein, die Steigung der Stufen, das Weiß der Blumen im Gedenkkranz.

Schirners Bilder wirken trotz ihrer Reduktion so unheimlich bekannt, weil wir sie reflexartig nach den Vorlagen in unseren Köpfen ergänzen, ihre Leerstellen ausfüllen. Wir sind also Mitautoren.

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, Fine Art Print, 2002 – 2009

Sein konzeptioneller Ansatz, die zentralen Personen oder Gegenstände und die wesentlichen Bildelemente von ikonischen Fotografien auf ein Minimum zu reduzieren, erzeugt einen Déjà-vu-Effekt, der jedes seiner Szenarien zugleich zum Tatort werden lässt – weil man intuitiv fühlt, dass etwas fehlt oder anonymisiert wurde.

Michael Schirner, BYE BYE, MEM68, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, MEM68, Fine Art Print, 2002 – 2009

Das Gefühl, dass sich etwas Gewaltsames zugetragen hat, kommt nicht von ungefähr. Denn tatsächlich ist der Tod auf sämtlichen dieser geisterhaften und häufig banal anmutenden Bilder präsent …

Michael Schirner, BYE BYE, GEN87, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, GEN87, Fine Art Print, 2002 – 2009

… sei es, weil es sich bei den Vorlagen um Aufnahmen handelt, die unmittelbar mit Katastrophen, historischer und politischer Gewalt in Zusammenhang stehen oder weil das Verschwinden von Menschen aus einem Foto der symbolischen Auslöschung der jeweiligen Person gleichkommt.

Michael Schirner, BYE BYE, PAR97, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, PAR97, Fine Art Print, 2002 – 2009

Wenn vom Tod des Autors gesprochen wird und wir, wie Schirner es postuliert, die Autoren seiner Bilder sind, dann lässt er uns diesen Tod in unserer Imagination als den eigenen erleben.

Michael Schirner, BYE BYE, MOS20, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, MOS20, Fine Art Print, 2002 – 2009

Anders als bei den Bildmanipulationen der Stalinisten und Modemagazine geht es hierbei nicht um gezielte politische oder ästhetische Korrekturen oder die Zementierung bestimmter Bedeutungen, sondern um eine völlig lakonische ästhetische und inhaltliche Entleerung.

Michael Schirner, BYE BYE, ABU03, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, ABU03, Fine Art Print, 2002 – 2009

Indem Schirner die Indizien stattgefundener Gewalt, die Täter, die Opfer, die Akteure auslöscht, fordert er uns auf, ihre Stelle einzunehmen. Schirner eliminiert die Gewalt nicht aus der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, er bittet den Tod nur, für einen Augenblick zur Seite zu treten, damit unsere Imagination mehr Platz hat.

Michael Schirner, BYE BYE, NEW32, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, NEW32, Fine Art Print, 2002 – 2009

So können wir uns vorstellen, wie tief wohl der Fall der Bauarbeiter war, die gerade noch ihr Butterbrot auf einem Stahlträger über den Straßenschluchten von New York gegessen haben, der jetzt leer in den Himmel ragt.

Michael Schirner, BYE BYE, JER61, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, JER61, Fine Art Print, 2002 – 2009

Wir können wie Eichmann in einem Glaskasten in dem Jerusalemer Gericht sitzen und des Völkermordes angeklagt werden.

Michael Schirner, BYE BYE, LAK37, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, LAK37, Fine Art Print, 2002 – 2009

Wir können mit der Hindenburg explodieren.

Michael Schirner, BYE BYE, TRA72, 2002 – 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, TRA72, Fine Art Print, 2002 – 2009

Mit dem Eintritt ins Bild eröffnen sich also unweigerlich medientheoretische Diskurse, Fragen danach, was eine Fotografie ihrem Wesen nach überhaupt ist. In diesem Sinne vermittelt BYE BYE so etwas wie eine Nahtoderfahrung.

Michael Schirner, BYE BYE NEW55, 2002 - 2009, Fine Art Print based on a photograph by Dennis Stock/Magnum Photos

Michael Schirner, BYE BYE NEW55, Fine Art Print, 2002 – 2009, based on a photograph by Dennis Stock/Magnum Photos

Man sieht sich in der Gestalt von anderen quasi selbst beim Verschwinden zu – in Gedächtnisbildern, die uns in ihrer Anonymität und Leere das Drama unserer eigenen Sterblichkeit vor Augen führen. (Katalogtext)

 

http://www.michael-schirner-bye-bye.de

http://www.youtube.com
http://www.faz.net
http://www.artnet.de
http://www.photoscala.de.k1905.ims-firmen.
http://www.freelens.com
http://www.photography-now.com

http://www.abendblatt.de
http://www.spiegel.d
http://www.page-online.de

http://www.d-pixx.de

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LIEBE 18 MIO.

Burda GmbH, 1989

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

BURDA, das sind

15 Zeitschriften für 18 Millionen Leser.

Lebensstil, Kunst, Prestige, Leute, Reisen, Wohnen, Garten, Mode, Einkaufen, Genießen etc.

Bambi, Petrarca-Preis, Passepartout-Preis, Abkommen mit Iswestija, Hilfe für armenische Kinder, Engagement in den elektronischen Medien etc.

15 Anzeigenmotive einer Image-Kampagne über alles, was Burda ist.

(Text einer Image-Broschüre)

 

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

Imageanzeige für die Burda GmbH, München 1989

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Burda GmbH, 1989, Zeitschriftenanzeige

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Enrique Jungbauer
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
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UNSERE TIERE

Burda GmbH, 1980

Großflächenplakat für die BUNTE-Umwelt-Aktion, 1980

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1980, Großflächenplakat

KLAGEN

Die Aufgabe: Werbung für Serie „Unsere Tiere“ in Bunte

Die Überlegung: Bunte wirbt für mehr Umweltbewusstsein.

Die Idee: Tiere klagen ihr Leid.

Die Erfolg: Die Auflage steigt.

Großflächenplakat für die BUNTE-Umwelt-Aktion, 1980

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1980, Großflächenplakat

Großflächenplakat für die BUNTE-Umwelt-Aktion, 1980

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1980, Großflächenplakat

Großflächenplakat für die BUNTE-Umwelt-Aktion, 1980

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1980, Großflächenplakat

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler, Michael Schirner
Artdirector: Axel Hinnen, Dieter Pisculla
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LIEBER KÖNIG

Burda GmbH, 1976

Großflächenplakat für die BUNTE-Aktion „König Carl Gustav“, 1976

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1976, Großflächenplakat

DANZING QUEEN

Die Aufgabe: Werbung für Serie in BUNTE zur Verlobung von König Carl Gustaf und Silvia  Sommerlath

Die Überlegung: In der Serie erzählt BUNTE Silvias Geschichte.

Die Idee: Auf Plakaten spricht BUNTE den König auf intime Details an.

Der Erfolg: Die Auflage steigt.

Großflächenplakat für die BUNTE-Aktion „König Carl Gustav“, 1976

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1976, Großflächenplakat

Großflächenplakat für die BUNTE-Aktion „König Carl Gustav“, 1976

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1976, Großflächenplakat

Großflächenplakat für die BUNTE-Aktion „König Carl Gustav“, 1976

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1976, Großflächenplakat

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Wolf D. Rogosky
Texter: Wolf D. Rogosky
Artdirector: Beat Nägli
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DIE PILLE

Burda GmbH, 1977

Großflächenplakat für die BUNTE-Aktion "Aspirin gegen Herzinfarkt", 1977

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1977, Großflächenplakat

Schon PROBIERt?

Die Aufgabe: Werbung für Serie „Aspirin gegen Herzinfarkt“ in BUNTE

Die Überlegung: Großflächenplakate für Prävention

Die Idee: Close up mit Pille

Der Erfolg: Die Auflage steigt.

Großflächenplakat für die BUNTE-Aktion "Aspirin gegen Herzinfarkt", 1977

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1977, Großflächenplakat

Großflächenplakat für die BUNTE-Aktion "Aspirin gegen Herzinfarkt", 1977

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1977, Großflächenplakat

 

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Helmut Rottke
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WM-MANNSCHAFT GESUCHT

Burda GmbH, 1981

Anzeige für die BUNTE-Aktion „WM-Mannschaft gesucht“, 1981

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1981, Fachanzeige

Stürmer gesucht

„BUNTE wird mit einer eigenen Mannschaft und eigenen Schlachtenbummlern zur Fußball-WM nach Spanien fahren. In den nächsten Wochen verlosen wir hier insgesamt 33 Teilnahmekarten inkl. Flug und Hotel für eine Woche. In dieser Anzeige verlosen wir die nächsten drei 3 Karten für die Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft, eine Karte für die Zwischenspielrunde, egal ob die deutsche Mannschaft dabei ist, und als Hauptgewinn eine Karte für das Endspiel in Madrid. Alle 11 Hauptgewinner sind dann die Spieler der BUNTE-Mannschaft, die in Madrid gegen eine Mannschaft eines anderen deutschen Verlages spielen soll. Diese Mannschaft suchen wir. Wir fordern also die deutschen Verlage auf, in Spanien gegen uns anzutreten …“

Anzeige für die BUNTE-Aktion „WM-Mannschaft gesucht“, 1981

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1981, Fachanzeige

Anzeige für die BUNTE-Aktion „WM-Mannschaft gesucht“, 1981

GGK Düsseldorf, Burda GmbH, 1981, Fachanzeige

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CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Diethadt Nagel
Artdirector: Axel Hinnen
Grafiker: Günter Classen, Claudia Hammerschmidt
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