Alle Beiträge von editor

SCHÖNE WÜRTTEMBERGERIN

Landesbank Baden-Württemberg, 2000

Landesbank Baden-Württemberg Geschäftsbericht 2000

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Landesbank Baden-Württemberg, 2000, Geschäftsbericht

SCHWABEN

Die Agentur empfiehlt der Landesbank Baden-Württemberg für den Jahresbericht 2.000, erfolgreiche Kunden vorzustellen. Der Texter Enrique Jungbauer interviewt die Chefs, und der Fotograf Oliver Sieber macht Firmenportraits, auf der einen Seite das Produkt, das die Firma berühmt gemacht hat, auf der anderen der Kopf des Unternehmens z.B.: Erich Mechel, Geschäftsführer der Märklin Holding GmbH, Göppingen und die „Schöne Württembergerin“, maßstabsgetreu bis ins Detail die Schnellzugslokomotive mit Schlepptender BR 18.1.; Friedrich Bär, Sprecher der Geschäftsleitung der Liebherr-Werk Ehingen GmbH, Ehingen/Donau; Klaus Fischer, geschäftsführender Gesellschafter der Fischer Holding GmbH und Co. KG. Waldachtal mit dem Klassiker der Befestigungstechnik: der graue Fischer-Dübel S aus Nylon.

Landesbank Baden-Württemberg Geschäftsbericht 2000

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Landesbank Baden-Württemberg, 2000, Geschäftsbericht

Landesbank Baden-Württemberg Geschäftsbericht 2000

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Landesbank Baden-Württemberg, 2000, Geschäftsbericht

Landesbank Baden-Württemberg Geschäftsbericht 2000

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Landesbank Baden-Württemberg, 2000, Geschäftsbericht

CREDITS

Auftraggeber: Landesbank Baden-Würtemberg
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Enrique Jungbauer
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
Fotograf: Oliver Sieber
nach oben

LINKSWICHSER

Kunsthalle Düsseldorf, 1992

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

TEXTBILDER

Zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf gestalten Michael Schirner und Claudia Hammerschmidt einen Band zu exemplarischen Ausstellungen und Arbeiten aus 25 Jahren mit plakativen Textbildern z.B.: Ferdinand Kriwets Sehtext, Das Loch von Beuys in der Wand der Kunsthalle, Sigmar Polkes Das große Schimpftuch, Merz, die Erfindung von Kurt Schwitters, Signaturen von Robert Filiou und Gilbert & George, Kommune/Kommunikation, ein Schriftbild von Penck, der Schriftzug Bilderstreit, von Anselm Kiefer bearbeitet, Gerhard Richter 1986 und Baselitz 1991, Jenny Holzers Laments u.a.

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

Katalog zum Jubiläum der Kunsthalle Düsseldorf 1992

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf 1992, Jubiläumsband

CREDITS

Auftraggeber: Kunsthalle Düsseldorf
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
nach oben

FÜR RECHTE

Zeitschrift Konkret, 1981

Inserentenanzeige für die Zeitschrift Konkret, 1981

GGK Düsseldorf, Zeitschrift Konkret, 1981, Inserentenanzeige

FÜR LINKE

Nachdem Manfred Bissinger, Sprecher des Hamburger Senats mit Hans-Ulrich Klose, Erster Bürgermeister von Hamburg, entlassen und Bissinger wegen Ruhestandregelung  als „Hamburg bekanntester Spaziergänger“ skandalisiert wurde, übernahm er die Chefredaktion  der linken Zeitschrift Konkret, traf Michael Schirner im Hamburger Ratskeller und fragte, ob dieser für sein neues Konkret eine Anzeigenkampagne zur Gewinnung von Inserenten entwickeln wolle. Schirner begann gleich am Tisch des Ratskellers zusammen mit Bissinger, Texte für die Inserentenkampagne zu machen. Jede Anzeige zeigt groß eine Aufforderung Bissingers, im neuen Konkret zu inserieren. Die Anzeigen haben die Temperatur des linken Blattes, sind frech, ironisch und humorvoll provozierend.  Nach zwei Jahren hatte Bissinger die Auflage verdreifacht und gratulierte GGK zur Goldmedaille vom Art Directors Club für die Konktet Anzeigenkampagne. Mit einer Anzeige (s. unten).

Inserentenanzeige für die Zeitschrift Konkret, 1981

GGK Düsseldorf, Zeitschrift Konkret, 1981, Inserentenanzeige

Inserentenanzeige für die Zeitschrift Konkret, 1981

GGK Düsseldorf, Zeitschrift Konkret, 1981, Inserentenanzeige

Inserentenanzeige für die Zeitschrift Konkret, 1981

GGK Düsseldorf, Zeitschrift Konkret, 1981, Inserentenanzeige

Inserentenanzeige für die Zeitschrift Konkret, 1981

GGK Düsseldorf, Zeitschrift Konkret, 1981, Inserentenanzeige

Inserentenanzeige für die Zeitschrift Konkret, 1981

GGK Düsseldorf, Zeitschrift Konkret, 1981, Inserentenanzeige

Inserentenanzeige für die Zeitschrift Konkret, 1981

GGK Düsseldorf, Zeitschrift Konkret, 1981, Inserentenanzeige

CREDITS

Auftraggeber: Konkret Verlag, Hamburg
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner, Manfred Bissinger
Artdirector: Michael Preiswerk
Grafiker: Ivica Maksimovic
nach oben

I LOVE KOHL

Wahlkampagne, 1990

Logo der Kampagne für Helmut Kohl zur Wahl, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Wahlkampagne, 1990, Logo

Zur Bundestagswahlwahl 1990 beauftragte das Magazin STERN mehrere Agenturen mit simulierten Wahlkampagnen. Michael Schirner und und seine Artdirektorin Claudia Hammerschmidt entwickelten eine Plakatkampagne für Helmut Kohl. In der zitierten sie die Kampange, die sie für den Verband der Zuckerindustrie entwickelt hatten mit Aussagen wie „Der Hering liebt den Zucker“, „Die Kirsche liebt den Zucker“ etc. Auf ihren Plakaten für Kohl zeigten sie auf einer Seite uObjekte, die Deutsche besonders lieben, auf der anderen Seite das immer gleiche Portrait von Helmut Kohl. Darüber Headlines wie Das Sofakissen liebt den Kanzler, Das Brathähnchen liebt den Kanzler, Die Bettwurst liebt den Kanzler, Der Dackel liebt den Kanzler, Der Toilettenpapierhut liebt den Kanzler. Darunter in Abwandlung des I-love-N.Y-Zeichens: ein Ei, ein Herz, ein Kohlkopf. Worauf Helmut Kohl Michael Schirner auf seine Schwarze Liste setzte. Aber das ist eine andere Geschichte.

FÜR HELMUT

"I love Kohl", Kampagne zur Wahl, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Wahlkampagne, 1990,  Großflächenplakat

"I love Kohl", Kampagne zur Wahl, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Wahlkampagne, 1990,  Großflächenplakat

"I love Kohl", Kampagne zur Wahl, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Wahlkampagne, 1990,  Großflächenplakat

"I love Kohl", Kampagne zur Wahl, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Wahlkampagne, 1990,  Großflächenplakat

"I love Kohl", Kampagne zur Wahl, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Wahlkampagne, 1990,  Großflächenplakat

"I love Kohl", Kampagne zur Wahl, 1990

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Wahlkampagne, 1990,  Großflächenplakat

CREDITS

Auftraggeber: STERN, Gruner + Jahr
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
nach oben

MICHAEL SCHIRNER, KISUAHELI NEUMIX

Galerie Hans Mayer Düsseldorf, 1988

Anzeige für die Landeshauptstadt Düsseldorf, 1986

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Landeshauptstadt Düsseldorf, 1986, Zeitschriftenanzeige

NUR WERBUNG, Nur Kunst

Michael Schirner in Werbung ist Kunst: „Da es mir ernst war mit der Gleichsetzung von Werbung und Kunst, musste ich noch den letzten Schritt tun und die bildende Kunst ganz nebenbei zu meiner Domäne zu erklären. Ich habe, um das Problem der Autorenschaft in den Mittelpunkt zu stellen und um die Herkunft guter Ideen aus der Werbung zu belegen, eine Idee aus unserer Düsseldorf-Kampagne aufgegriffen, und zwar die Anzeige mit den Signaturen berühmter Maler. Diese Signaturen habe ich, immens vergrößert und mit dem Originalhintergrund in Öl gemalt, dort ausgestellt, wo ich vor Jahren die Ausstellung Werbung als Kunst gemacht hatte: in der Galerie Hans Mayer in Düsseldorf. Die Gemälde zeigen, dass aus Kunst Werbung wurde, aus der schließlich Kunst wird, wobei wir am Ende dieser Geschichte wieder bei ihrem Anfang angelangt wären. So habe ich eine Situation geschaffen, in der wir es mit einer Gesamtheit aller kreativen Betätigungen und Berufe zu tun haben, die alle auf ihre Vollendung in der Selbstabschaffung des Experten und Fachmanns hinauslaufen. Unter diese Selbstabschaffung habe ich, da ich eben auch nur ein einzelner, sterblicher Mensch bin, meinen Namen als Signatur gesetzt, für das Ganze also Autorenschaft beanspruchend, das in seinen Teilen die Autorenschaft ad absurdum geführt hat, und bewiesen, dass Kunst nur Werbung und Werbung nur Kunst ist, also beides nichts besonderes, aber das Höchste und Erhabenste.“

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Vincent), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Vincent), Öl auf Leinwand, 1987

EINLADUNG

1987 entstand Michael Schirners Serie von Ölbildern mit Signaturen berühmter Maler. Sie wurde 1988 zum ersten Mal in einer Einzelausstellung der Galerie Hans Mayer in Düsseldorf ausgestellt. Im Gespräch mit Markus Peichl – veröffentlicht im Katalog zur Ausstellung Michael Schirner, BYE BYE – erzählt Schirner, wie es zum Titel Kisuaheli neumix kam: „Vor der Ausstellungeröffnung rief mich der Galerist Hans Mayer völlig aufgelöst an: Es sei ein Fehler passiert, die Druckerei hätte die Einladungskarte zur Ausstellungseröffnung nicht mit unserem Text, sondern mit dem Blindtext des Layouts gedruckt. Anstelle meines Pamphlets zur Autorenschaft stand da: „Kisuaheli neumix doc marc. Redwitzmope …“ Weil ich den Blindtext gut fand, wurde die Einladungskarte so verschickt. Die Besucher fanden die Karte kreativ. Konstantin Jacoby von Springer & Jacoby schickte mir die Einladungskarte mit seinem Kommentar zu den Arbeiten: „Lieber Michael, das ist ja wohl der geilste Kunsteinfall, den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Absolut supergut! Wenn es nicht so typisch und blöd wäre, als Agenturbesitzer Kunst zu kaufen, würde ich Dir die ganze Serie abkaufen. So bleibt mir nur, Dir schwer beeindruckt zu diesem wirklich kategorisch neuen Einfall zu gratulieren: Kunst per Behauptung, jetzt hast Du Deine berühmten Künstler-Vorbilder voll eingeholt! Gruß, Konstantin.“

In der Ausgabe 6/1988 der Zeitgeistzeitschrift Tempo wurde auf einer Doppelseite formatfüllend der Ausschnitt der Signatur von Jean Dufy auf dem Ölgemälde von Michael Schirner abgebildet. Text im Kasten:

„Michael Schirner der doppelte Fake – Düsseldorf Ein guter Fake ist besser als ein schlechtes Original. Unter diesem Motto hat sich der Düsseldorfer Reklame-Guru Michael Schirner jetzt erstmals als Maler versucht: Er fotografierte die Signaturen von 22 berühmten meistern, pinselte sie auf großformatige Leinwände und zeigt das Oevre bis 26. Juni in der Galerie Hans Maye in Düsseldorf. Zu sehen sind die Namenszüge von Mirò, De Chirico, De Kooning, Nolde und von einem gewissen Jean Dufy. Das Dumme dabei: Es gibt keinen Jean Dufy. Die Kunstgeschichte kennt nur den Fauvisten Raoul Dufy. Von Tempo auf diesen Umstand angesprochen, reagierte Schirner verstört: „Raoul? Jean? Raoul Dufy hat eben mit Jean signiert. Vielleicht hatte Raoul ja auch einen Bruder. In der Kunst ist alles möglich.“ Kunst ohne Grenzen – die grenzenlose Illusion des Werbers? Vielleicht hat Schirner den Fauxpas nicht bemerkt. Weil er die Signaturen gar nicht selbst gemalt hat. Böse Zungen behaupten, sämtliche Bilder stammen von der Immendorff-Schülerin Charline von Heyl. Schirner: „Blödsinn. Ich habe alles selbst gemalt.“ Charline von Heyl: Kein Kommentar. Fake oder Doppelfake – Schirners Verwirrspiel hat jedenfalls einen stolzen Preis. Die Bilder werden nur in kompletter Serie verkauft. Für 900 000 Mark. Mit Signatur von Schirner.“

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Jean Dufy), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Jean Dufy), Öl auf Leinwand, 1987

Wenn Kunst zur Ware wird, ist KUNST IMMER SCHON AUCH WERBUNG GEWESEN

Hans Ulrich Reck

Die Kritik an der Kunst als Transformation des Künstlerischen durch die Fortsetzung ihrer avancierten Fragestellungen findet nicht mehr durch die Kunst statt, sondern durch eine Werbung, die Werbung als einzige zeitgenössische Kunst behauptet. Man hat diese These Michael Schirners (Werbung ist Kunst, Klinkhardt und Biermann, München 1988) vehement kritisiert, indem man versuchte, Schirner die Behauptung einer künstlerischen Autorenschaft zu unterstellen. Tatsächlich aber geht Schirner gerade von der Autorlosigkeit von Bildformen und Bildwirkungen aus, indem er die Autorschaft als Behauptungsritual einer vollkommen entleerten Geltungsabsicht entlarvt.

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (P. Mondrian), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (P. Mondrian), Öl auf Leinwand, 1987

Dieser Angriff auf die Originalitätsbehauptung, auf das Einklagen einer Urheberschaft, welche nicht allein Wirkungen, sondern deren bewusste Planbarkeit bedeutet und damit dem Subjekt die Würde des Notwendigen gegenüber einer als undurchsichtig dekretierten Natur verleiht, steht natürlich nicht im Einklang mit dem Selbstverständnis historisch gewachsener Strukturen der bildenden Kunst. Im Gegenteil: Deren Behauptung wird gegenüber anderen Bildformen dem Verdacht ausgesetzt, gerade sie sei nicht mehr kunstfähig, weil das, was als Kunst gelten kann, sich durch die Technisierung der Bildpropaganda und der Herstellung ganz anderer Öffentlichkeiten verlagert habe. Schirners differenziertes Spiel vor allem mit konzeptionellen künstlerischen Mitteln und seine strategische Profanierung der Bildwirkungsmodelle laufen alle auf einen einzigen Punkt hinaus: die Problematisierung des Authentischen durch die einsichtsvolle Handhabung der Modelle, mit denen zeichenstrategische Bedeutsamkeiten erzwungen und öffentlichkeitswirksam hergestellt werden. Das wird man mit Fug als aufklärerisch bezeichnen dürfen. Kunst gilt Schirner als historischer Fundus für eine zeitgenössische Ästhetik. Er radikalisiert als Kunst, was durch Kunst angelegt, über diese zwingend hinausführt: das Prinzip der Öffentlichkeit und vor allem das Prinzip, das als Kunst einer spezifischen Epoche in erster Linie – wenn nicht gar ausschließlich – als das zu gelten hat, was die kollektiven Bildwelten bestimmt. Kunst bleibt für Schirner an die Wirkung im öffentlichen Symbolsystem gebunden. Deshalb seine strategische Vereinnahmung der Kunst als methodisch-technischer Ausdruckskraft für die Manipulation der öffentlichen Bilderkultur. Kunst wird zur Kunst, einen zentralisierten Platz in der konzeptuellen Schärfung der kollektiven Wahrnehmung zu erobern. Dem unterwirft Schirner künstlerische Bildformen und Wirkungsweisen. Er setzt Kunst der These aus, der Kulturwandel führe zu einem immer reflektierten mit konzeptuellen Umgang mit Momenten des Kunstkonsums. Deshalb muss man sich in die technische Bildproduktion zwingen lassen. Und deshalb sei nur Werbung (allerdings eine substanzielle bestimmte) eine angemessene Kunst unserer Tage.

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Ensor), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Ensor), Öl auf Leinwand, 1987

Dass man Schirner Autorenschaftsposen vorgeworfen hat, ist ein Missverständnis. Als Werber beansprucht er keine idividuelle Urheberschaft, sondern geht davon aus, dass Werbung kein „Ich“ kennt. Seine Autorenschaft ist eine reflexive: Er konstruiert einen Diskurs hinsichtlich der Bedeutungen der von ihm mitrealisierten Bildwirkungen: In diesem Diskurs teilt er noch die kulturelle Form, „Ich“ als Denkmotiv auszuspielen und seine Argumente als Individuum vorzutragen. Damit bewegt er sich in Übereinstimmung mit seiner Hauptthese, dass nicht ästhetische, sondern interpretatorische Individualität heute gerechtfertigt ist. Er macht sich genau in der Weise diskursiv zum Objekt der von ihm mitgetragenen Kampagnen, wie das eine alltagskulturelle Überlegung jedes möglichen Konsumenten derselben Kampagnen nicht nur machen könnte, sondern alltäglich implizit immer schon gemacht hat. Individuelle Autorenschaft heißt also: am Eigenen verständig das Allgemeine demonstrieren. Genau an diesem Punkt geht die Kunst kulurtheoretisch in Interpretation über. Wenn immer Werbung die Herstellungsformen und Wirkungsstrukturen der öffentlichen Bildarchive und Gedächtnisse selber thematisiert, wird Werbung zur einzigen zeitgemäßen Kunstform (dass das selten genug geschieht, hat damit zu tun, dass Dummheit auch in der Werbung weiterhin als Motivtugend gilt;  deshalb sind die hochgehandelten Künstler als Werber für sich selbst in der Regel den Produktwerbern  des Alltagskonsums an Rafinesse weit überlegen). Natürlich lässt sich dagegen ein anderer Kunstbegriff ausspielen: der Absolutheitsanspruch der Neoklassik oder das Prinzip absoluter Idividualisierrung.  Wesentlich ist aber, dass der Öffentlichkeitsanspruch an Kunst solche Phänomene in einen merkwürdigen Randbereich abschiebt.

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (G. de Chirico), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (G. de Chirico), 1987, Öl auf Leinwand

Wenn Kunst zur Ware wird, ist Kunst immer schon auch Werbung gewesen. Dass Werbung Kunst wird, provoziert für Kunst eine notwendige Radikalisierung nicht ihres antikapitalistischen Autonomieprinzips, sondern ihres Interventionsanspruchs gegenüber gesellschaftlich relevanten Phänomenen einer visuellen Aneignung des Wirklichen. Damit ließe sich der Streit zwischen Kunst und Werbung auflösen. Zurück bliebe die sich in sich selbst drehende Fiktion einer unbefriedigten Authentizität, die solches von der Kunst nur behauptet, um es der Werbung abzusprechen. Geht es aber um die Organisation der Mittel, Aneignungsformen des Realen zu erwirken, die dieses nicht nominalistisch auflösen, sondern als Unverfügbarkeitsvoraussetzung aller Wirklichkeitserfahrung sichern, dann wird der territoriale Behauptungskampf zwischen Kunst und Werbung gegenstandslos. Er bezieht sich nur noch auf archaische Relikte im Allgemeinen, die Angst vor dem Verlust des Authentischen im Besonderen. Schirners strategisch beanspruchte Autorenschaft bezieht sich auf den gerade kunsttheoretisch über die zur Kunst erklärte Werbung möglich gewordenen Diskurs. Formulierungen gilt es so zu entwickeln, dass ihre Voraussetzungen für ein Selbst als Objekt ihrer Einwirkungen verständlich werden. Die Kritik an der Kunst ist gewiss ohne deren Beraubung nicht möglich. Allerdings bestimmt der neue Kontext eine konzeptionell gesteigerte Qualität. Die Erzeugung neuer Zeichenmodelle treibt die Reflexion auf die Wahrnehmung von Bildwirkungen weiter. Schirners Kunstbegriff identifiziert die wesentlichen Wahrnehmungsformen mit den jeweils öffentlichkeitswirksamsten Zeichenträgern und Bildformen. Er kritisiert also nicht die Kunst im Namen des Lebens oder das Museum im Namen der Kunst, sondern verwendet die künstlerischen Leistungen, um die öffentliche Regulierung der Bilder als Arbeit an ihrer Wahrnehmung zugänglich zu machen. Gleichzeitig klagt Schirner avantgardistische Kunstmodelle und ihr Potential genau dort ein, worauf ihre Intention genuin gerichtet ist: auf die Komplexitätssicherung am Banalen und die Zerschlagung aller metaphysischen Ästhetikbegriffe zugunsten der Organisation der künstlerischen Produktionsmittel selbst. Schirner unterwirft konzeptuelle künstlerische Errungenschaften einem Kunstbegrifft, der aus den neuen technischen Möglichkeit einer strategischen Aneignung der öffentlichen Bilder entwickelt ist. Schirner verlässt die Legitimationsfrage, ob Werbung Kunst sei, indem er darauf verweist, dass unter dem Diktat einer ästhetischen Aneignung der öffentlichen Bilder insgesamt der Begriff der Kunst und die Geltung ihrer Wirkungsabsichten sich verändert haben. Deshalb spielt Schirner kunstvoll mit medial verformten Darstellungsmitteln. Sein ironisch als Tribut an ein Werbemotiv ganz in der traditionellen Sprache der Kunstwerke gemalten Signaturen (1987) verweisen auf den vorläufigen Schlusspunkt einer werberischen Inszenierung: auf Aura, Beglaubigung der Wertprojektion „Kunst“, das inszenierte Individuelle, die Urheberschaft. Gerade diese sind aber durch die ironische Beglaubigung einer Eigenhändigkeit von außen (Schirner, der die Signaturen anderer als Bilder in deren jeweiligem Stil malt) nichts als die Auflösung dieser Prätentionen. Denn sie wurden zuerst in Rahmen einer kommerziellen Kampagne für Düsseldorf als Kulturstadt entwickelt. Die handgemalten Signaturen vergrößern einzelne Elemente dieser Kampagne und übersteigern den zentralen Aura-Ort des Werkes im Sinne einer sprengenden Imitation. Der Autoritätsträger der Signatur wird zum Ausdruck einer konzeptionellen Bildmontage und der werberischen Ironie-Strategie: Werbung als Kunst. Das ist nicht das letzte Wort. Notwendig ist eine Umfunktionierung des Kunstbegriffs. Die kunstvernichtende Parallelisierung von Kunst und Werbung muss zur Provokation neuer, irritierender Ausdrucksformen werden. Kunst als Befremden gegen die Wirklichkeit ihrer Vereinnahmung ist, was es zu entwickeln gilt. Das gelingt nicht mehr der aktuellen eitlen Naivität. Kunst muss sich auf die möglichen subversiven Potentiale im Widerspruch der gnadenlosen Kapitalisierung allen Tuns radikal einlassen. Das tut Schirners Werbung längst.

Hans Ulrich Reck, Kunstforum, November/Dezember 1989

 

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (de Kooning), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (de Kooning), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (OM), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (OM), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Jorn), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Jorn), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Corinth), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Corinth), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Giacometti), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Giacometti), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (G. Braque), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (G. Braque), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Nolde.), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Nolde), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (LK) 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (LK), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Max Ernst) 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Max Ernst), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Manessier) 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Manessier), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Nay) 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Nay), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Mirò) 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Mirò), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Savinio) 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Savinio), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Juan Gris) 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Juan Gris), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Buffet), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Buffet), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (C. Carra), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (C. Carra), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Chagall), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Chagall), Öl auf Leinwand, 1987

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Magritte), 1987, Öl auf Leinwand

Michael Schirner, Kisuaheli neumix, ohne Titel (Magritte), Öl auf Leinwand, 1987

nach oben

JULIA

STERN G+J, 1986

"Julia" Kinofilm, Spendenkampagne für die Kinderkrebshilfe des STERN, Screenshot, 1986

KKG Projektagentur, STERN, 1986, Screenshot

"Julia" Kinofilm, Spendenkampagne für die Kinderkrebshilfe des STERN, Screenshot, 1986

KKG Projektagentur, STERN, 1986, Screenshot

"Julia" Kinofilm, Spendenkampagne für die Kinderkrebshilfe des STERN, Screenshot, 1986

KKG Projektagentur, STERN, 1986, Screenshot

Die Aufgabe: Spendenkampagne für die Kinderkrebshilfe

Die Überlegung: Um Mittel zu sparen, soll der Kino-Spot möglichst einfach sein.

Die Idee: Xenia Fröhlich schreibt einen Satz an die Tafel.

Der Erfolg: Mildred Scheel, Schirmherrin der Krebshilfe, freute sich: Das Spendenaufkommen war so hoch wie nie.

JULIA

Der STERN beauftragte KKG mit der Entwicklung einer Spendenkampagne für die Kinderkrebshilfe. Michael Schirner und Claudia Hammerschmidt gingen ins Filmstudio Fröhlich, eine Schultafel wurde aufgebaut, gefilmt wurde, wie die 12-Jährige Xenia Fröhlich mit dem Rücken zur Kamera mit Kreide an die Tafel schreibt: „Ich heiße Julia, und ich habe Krebs.“ Zum Schluss drehte Xenia sich um und schaute ruhig in die Kamera. Der Sprecher: „Jedes Jahr erkranken 1.800 Kinder an Krebs. Bitte spenden Sie. Konto 100. Kinderkrebshilfe.“ Die Schlusseinstellung des Films ist Bildmotiv von Großflächenplakaten und Anzeigen. Mildred Scheel, Schirmherrin der Krebshilfe,  freute sich: Das Spendenaufkommen bei der Krebshilfe war so hoch wie nie.

Plakat zur Spendenkampagne für die Kinderkrebshilfe des STERN, 1986

KKG Projektagentur, STERN, 1986, Großflächenplakat

CREDITS

Auftraggeber: STERN, Gruner + Jahr
Agentur: KKG Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
Fotograf: Franklin Berger
Filmproduktion: Studio Fröhling
Grafiker: Andrea Mündelein
nach oben

INTERVENTION

Kaarst, Rheinkreis Neuss, 1981

Installation für die Bürgerinitiative gegen die Zerstörung des Naturschutzgebietes Lauvenburg, Kaarst 1981

Franz Brauer und Michael Preiswerk, Bürgerinitative Kaarst, 1981, Installation Shot

GERAHMTE LANDSCHAFTEN

Für die die Bürgerinitiative zum Erhalt des Naturschutzgebietes Kaarst im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen installierten Franz Brauer und Michael Preiswerk an Wanderwegen im Wäldchen Holzrahmen in den Maßen von Großflächenplakaten mit der Beschriftung „Was Sie hier sehen, soll kaputtgemacht werden.“ Die Aktion mit der gerahmten Landschaft brachte so viele Unterschriften, dass der Plan der Stadt, eine Autobahn durch das Naturschutzgebiet zu bauen, aufgegeben wurde.

Installation für die Bürgerinitiative gegen die Zerstörung des Naturschutzgebietes Lauvenburg, Kaarst 1981

Franz Brauer und Michael Preiswerk, Bürgerinitative Kaarst, 1981, Installation Shot

CREDITS

Auftraggeber: Bürgerinitiative Kaarst
Kreativdirektor: Michael Preiswerk (Art), Franz Brauer (Text)
Grafiker: Ivica Maksimovic
nach oben

MÄDCHEN, FORSCHT!

Bundeswettbewerb Jugend forscht, 1987

Anzeige für den Wettbewerb "Jugend forscht", 1987

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Jugend forscht, 1987, Anzeige

BÄH …

Für Symposien vom STERN zur Marktforschungsstudie Dialoge 2 entwickelte Michael Schirner mit Konstantin Jacoby und Jean Remy von Matt von Springer & Jacoby eine Kampagne für das Hamburger Schauspielhaus, mit Franz Brauer und Michael Preiswerk von McCann-Erickson eine Kampagne für die Bahn, mit Manfred Riemel von Eiler & Riemel eine Kampagne für die MD Papierfabriken, mit Ulli Leschack und Jürgen Mandel von GGK eine Kampagne für IBM, mit Feico Derschow und Carlos Obers von RG Wiesmeier eine Kampagne für den Münchener Umwelttag und mit Jean Lessenich von Grey Advertising eine Kampagne für die Nord L/B.

In seiner Agentur entwickelte Michael Schirner mit Claudia Hammerschmidt eine Anzeigen- und Plakatkampagne für  den Bundesjugendwettbewerb Jugend forscht, der 1987 vom STERN gefördert wurde. Die Kampagne sollte dafür sorgen, dass mehr Mädchen am Wettbewerb teilnehmen. Anzeigen, Plakate und Poster zeigen Mädchen, die – wie Albert Einstein auf dem berühmten Foto – dem Betrachter die Zunge herausstrecken. Michael Schirner dreht das Vorurteil, Mädchen seien dümmer als Jungen, in den Schlagzeilen einfach um: „Mädchen sind klüger“, „Mädchen können besser Mathe“, „Mädchen forschen besser“. Absender ist nicht „Jugend forscht“, sondern „Mädchen forscht!“. Nach Einsatz der Kampagne stieg der Anteil der Mädchen am Wettbewerb  um 30%. Der Anteil der Jungen fiel.

Anzeige für den Wettbewerb "Jugend forscht", 1987

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Jugend forscht, 1987, Plakat

Anzeige für den Wettbewerb "Jugend forscht", 1987

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur,  Jugend forscht, 1987, Anzeige

CREDITS

Auftraggeber: STERN, Jugend forscht
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Claudia Hammerschmidt
nach oben

ICH TRINKE JÄGERMEISTER, WEIL

Jägermeister, 1973-1986

Anzeige für Jägermeister mit Paul Gredinger, dem 2. G von GGK und dem 1. von allen, 1973

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

ICH AUCH

Für Jägermeister hatte sich die Agentur eine Unikat-Kampagne ausgedacht. Das heißt, jedes Anzeigenmotiv wurde nur ein einziges Mal in einer Zeitschrift veröffentlicht, jede weitere Anzeige zeigte ein neues Motiv. Die Gestaltung der Unikat-Motive ist einfach, ja banal: Pro Anzeige wird ein Mensch gezeigt, der eine Jägermeister-Flasche und ein Glas hält und mit einem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil …“  irgendeine Begründung dafür abgibt, die witzig ist – schließlich ist es ja Schnapswerbung. Das Ganze wird unterschrieben mit dem Konzeptsätzchen „Jägermeister. Einer für alle.“ Die Anzeigenserie wird durchnummeriert. „Der 1. von allen“ ist Paul Gredinger. Der Spruch: „Ich trinke Jägermeister, weil ich im Wald und auf der Heide meine Freude suche.“ (Seine Lebenspartnerin heißt Heide.) Die Agentur suchte regelmäßig über eine Kleinanzeige Leute, die sich für die Kampagne fotografieren lassen wollen. Alle 4 Wochen machte der Artdirector Feico Derschow ein Jägermeister-Shooting. Alle Mitarbeiter der Agentur machten Ich-trinke-Jägermeister-weil-Sprüche. Michael Schirner machte die Endauswahl zur Präsentation vor Jägermeister-Chef Günther Mast. Ein Teil der Jägermeister-Sprüche kam aus dem Publikum. Bei Veröffentlichung gab’s ein Honorar. Im Laufe von 13 Jahren wurden 3.162 Unikat-Anzeigen veröffentlicht. Die Kampagne sprach alle an und machte Jägermeister zu einer der erfolgreichsten Spirituosen. Und das nicht nur in Deutschland. Die USA sind das stärkste Exportland von Jägermeister. Das zweitstärkste ist Italien. Der Erfolg der Kampagne ist auch dem Publikum, das für Jägermeister warb und sich Jägermeister-Sprüche ausdachte, zu verdanken.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Ausgedacht hatten sich die Jägermeister-Kampagne Paul Gredinger – der Inhaber der GGK Werbeagenturen, das zweite G von GGK und „Der erste von allen“ auf der Abbildung ganz oben…

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

… zusammen mit Wolf D. Rogosky, CD der GGK, und Theophil Butz, damals Artdirector der GGK Basel.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

1973 hatte Rogosky dem Jägermeister-Geschäftsführer Günter Mast die Kampagnenidee so vorgestellt, dass Mast überzeugt war, er hätte die Kampagne selbst erfunden.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Herr Mast war so stolz auf seine Kampagne, dass er immer, wenn er eine andere Werbung sah mit einem Text, in dem das Wörtchen „weil“ vorkam, zornig wurde und die Firma wegen eines Plagiats seiner „Ich trinke Jägermeister, weil …“-Werbung verklagte.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Das Wörtchen „weil“ wollte sich Günter Mast urheberrechtlich schützen lassen. Erfolg hatte er damit nicht; wenn er es geschafft hätte, gäbe es man in der Werbung nichts mehr zu begründen.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Herr Mast bezichtigte die Agentur des Plagiats, wenn sie für einen anderen Auftraggeber eine Kampagne machte und Menschen drauf zu sehen waren …

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

… oder Tiere. Michael Schirner, Kreativchef der GGK Düsseldorf, verbot deshalb seinen Kreativen, für andere Auftraggeber Werbung mit Menschen oder Tieren zu machen.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Das hatte auch sein Gutes: Mit den vielen schönen Kampagnen, auf denen die Agentur– statt Menschen – Kartoffelpuffer, Autoreifen, Unterhosen, Käse und Kohlköpfe abgebildeten, prägte GGK den kreativen Stil der Werbung in Deutschland.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Auf jeder Jägermeister-Anzeige steht der Spruch, der anfängt mit „Ich trinke Jägermeister, weil …“. Eine Ausnahme sehen Sie oben.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Jede Jägermeister-Anzeige ist eine Einzelseite und zeigt einen Jägermeister-Trinker, der vor grünbraunem Hintergrund steht. Eine Ausnahme sehen Sie oben. Das Foto hatten Fallschirmspringer aus Südafrika eingeschickt.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Auf jeder Jägermeister-Anzeige ist ein Jägermeister-Trinker abgebildet. Eine Ausnahme oben.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Auf jeder Jägermeister-Anzeige sind Flasche, Glas und der Spruch. Eine Ausnahme oben.

Anzeige für Jägermeister, 1973 - 1986

GGK Düsseldorf, Jägermeister, 1973 – 1986, Zeitschriftenanzeige

Die meisten Mitarbeiter der GGK wurden für die Kampagne fotografiert, 1974 Michael Schirner.

 

Hier findest Du 3.478 Ich-trinke-Jägermeister-weil-Sprüche:

www.hochsitz-cola.de/liste-der-gruende-warum-sie-jaegermeister-trinken-deutschland/

CREDITS

Auftraggeber: W. Mast KG
Agentur: GGK Düsseldorf

Kreativdirektor: Paul Gredinger, Wolf D. Rogosky, Michael Schirner

Texter: Diethardt Nagel (Haupttexter), Peter Adler, Burkhard Apholz, Bernd Arnold, Werner Baumüller, Hartmut Bauer, Joachim Beutler, Werner Boltenstein, Franz Brauer, Jörg Bruchmann, Lutz Eggert, Joe Enders, Patho Ghosh, Peter Goldammer, Mark Graf, Regine Havekoß, Gerald Heinemann, Rainer Hessenberger, Manfred Höing, Konstantin Jacoby, Jörg Krichbaum, Ruth Ladwig, Jochen Melzian, Rainer Riedlingen, Julia Weiss, Winfried Ritter, Lutz Schaper, Reinhold Scheer, Berthold Schmitt, Helmut Sendlmeier, Arndt Springer, Reinhard Springer, Philipp Tanzmann, Reinhold Weber, Julia Weiss, Klaus Wimmer
Artdirector: Theophil Butz, Jürgen Dahlen, Feico Derchow, Jürgen Pilger, Henner Kronenberg
Fotograf: Feico Derschow, Peter Droste
Grafiker: Susi Richli, Manfred Kamp, Henner Kronenberg
nach oben

IMI

Kunsthalle Düsseldorf, 1997

Plakat für die Ausstellung IMI Knoebel, Kunsthalle Düsseldorf 1997

Michael Schirner Werbe- und Projektagentur, Kunsthalle Düsseldorf, 1997, Plakat

ICH MIT IHM

Imi ist das Pseudonym der Künstler Rainer Giese und Klaus Wolf Knoebel und das Akronym von „Ich mit Ihm“. Rainer Giese und der befreundete Michael Schirner verließen das Internats Gymnasium Bad Sachsa, um Künstler zu werden. Giese  und Knoebel besuchten die Werkkunstschule Darmstadt, die Kunstakademie Düsseldorf, Schirner die Werkkunstschule Saarbrücken, die Werkkunstschule Darmstadt und die Hochschule für Künste Hamburg. Giese und Knoebel bezogen den legendären Raum 19 der Beuys-Klasse an der Düsseldorfer Akademie, wo sich im gegenseitigen künstlerischen Austausch ihre gemeinsame Imi-Identität herausbildete. Schirner kam 1974 nach Düsseldorf und wurde Kreativchef der GGK Werbeagentur. Giese warf ihm vor, die Kunst an die Werbung verraten zu haben. Im selben Jahr brachte Giese sich um. Knoebel behielt den gemeinsam gewählten Vornamen Imi bei.  1997 beauftragte Jürgen Harten, Direktor der Kunsthalle Düsseldorf die Michael Schirner Werbe- und Projektagentur mit der Entwicklung der Kommunikation für eine Ausstellung der Arbeiten von Imi Knoebel. Schirner empfahl, auf Katalog, Anzeigen, Plakaten, Einladungen etc. groß IMI zu setzen.

 

CREDITS

Auftraggeber: Kunsthalle Düsseldorf
Agentur: Michael Schirner Werbe- und Projektagentur GmbH
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Michael Schirner
Artdirector: Catharina von Poser
nach oben