BRAVO, JETZT KOMMT ROCKY!

Burda GmbH, 1979

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

1979 beauftragte Hubert Burda GGK Düsseldorf mit der Werbung zur Einführung von Rocky, einer Kopie der Jugendzeitschrift Bravo. Reinhold Scheer textete: Bravo, jetzt kommt Rocky. Michael Schirner, sein Texter Joachim Beutler und Artdirector Holger Nicolai verfassten die Kleine Enzyklopädie der jungen Leute, einen Katalog der Sammlungen von Attributen, Zeichen und Moden der Jugendkultur.

Themen: die Frisuren, die Flipper, die Musik-Boxen, die Tänze, die Buttons, die Sprache, die T-Shirts, die Chopper, die Jacken. Zu jedem Thema gibt es große zwei Bildtafeln mit Fotos, jeweils gefolgt von Gesprächen mit 14- bis 19-Jährigen zu den Themen der Enzyklopädie. Zum Beispiel Zitate von Mot-Rockern zu ihren Jacken: Wenn man jetzt die Zeichen hat, kommt das Abzeichen jetzt auf die Jacke drauf, jeder nimmt sich ne Flasche Bier oder Sekt, die Jacke wird auf den Boden geschmissen, dann kommt Sekt oder Bier drüber, danach wird drübergestrullt und anschließend noch paarmal mit der Karre drübergefahren, und dann wieder das Ding angezogen. Ich würde die Jacke nicht verschenken, eher verbrennen oder zerreißen.“

Vorwort

Es gibt zwei Kulturen. Die alte und die junge. Die alte Hochkultur wird in den Museen ausgestellt, in Theatern aufgeführt, in Konzertsälen dirigiert, in Leinen gebunden und in Bibliotheken gehütet. Die Junge Kultur ist die Massenkultur der um die 18jährigen. Sie findet überall statt, auf allen Straßen, auf allen Plätzen, in allen Häusern.

Die Skulpturen der jungen Kultur haben zwei Räder. Das Rad darf vom Motorblock nur 1,50 m entfernt sein, die Gabel muss eine bestimmte Länge haben, der Tank kann individuell bemalt sein. Stufensitzbank möglich, viel Chrom; der Fahrer steht auf Gleiten, nicht auf Rasen.

Das Tafelbild der jungen Kultur ist die Anzeigetafel des Flippers, den Bettina in der Hand hat, der die Breite hat, die toll ist, Beckenbreite, zu dem Anna eine Beziehung aufbaut, wenn sie immer an der gleichen Stelle spielt und er auf einmal weg ist und sie richtig traurig darüber ist, oder sie jemanden gut gefunden hat und mit ihm zusammen geflippert hat, ohne dass sie dabei viel gesagt haben.

Die Literatur der jungen Kultur ist die Sprache der jungen Leute, die Sprache von Günther, der Sachen redet, einfach so in den Satz rein, die gar nicht dazu passen, die praktisch genau das Gegenteil von dem sagen, was wirklich läuft. Die Sprache von Pia, die sich bei diesen Wörtern einem gewissen Trend oder einer gewissen Mode unterworfen hat, die sich laufend ändert und jeden Tag praktisch was Neues kommt, was dann aufgegriffen wird. Die Sprache von Tina, die Hochdeutsch überhaupt nicht sprechen kann, die dann zu stottern anfängt, auch wenn sie liest, dann muss sie ertmal hinten nachsehen, was die Wörter alles heißen. Die Sprache von Roland, der glaubt, die Sprache ist gebildet worden vor etlichen Jahren, um sich von den Erwachsenen zu unterscheiden, und der es unheimlich stark findet, wenn es eine Kultur gibt von Jugendlichen.

Seite aus "Kleine Enzyklopädie der jungen Leute", 1979

GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

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GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

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GGK Düsseldorf, Burda GmbH 1979, Kleine Enzyklopädie der jungen Leute

CREDITS

Auftraggeber: Burda GmbH, München
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Joachim Beutler
Artdirector: Jürgen Dahlen, Holger Nikolai
Grafiker: Detlef Garlipp
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