Archiv der Kategorie: Werbung

MICHAEL SCHIRNER, MICH GIBT ES GAR NICHT

Fachhochschule Potsdam, 2017

Michael Schirner, Mich gibt es gar nicht,  Fachhochschule Potsdam, 2017

A Half Century Survey

Mit 10 Studierenden des Kommunikationsdesign der Fachhochschule Potsdam entwickelte Michael Schirner Konzept und Design eines Buchs über seine Arbeiten aus 50 Jahren, Umfang 864 Seiten, 400 vollformatige doppel- und einzelseitige Abbildungen auf. Schwarz mit weißerSchrift. Mit dem Titel des Buchs zitierten die Studierenden Schirners Lecture Performance Schirners: Mich gibt es gar nicht. Zitat: „Meine Kunst ist nicht mein Werk, sondern ganz allein Deins. Du bist der Schöpfer der Bilder in Deinem Kopf. Mich gibt es gar nicht“. Schirners Vorschalg, an Stelle des Mich gibt es gar nicht den durchgestrichenen Namenszug aufs Cover oder den Namen desAutors wegzulassen, zu setzen, fand keine Zustimmung. Vorwort von Hans Ulrich Reck: „A Half Century Survey. Die Erbschaft an und Weiterentwicklung der zeitgenössischen konzeptuellen Künste in den Bereichen angewandter Künste und säkularer Bildstrategien lebt von der Einsicht, dass Bildwirkungen immer lebensweltliche Kraft haben. Ja, dass sie nur ‚reden‘, wenn sie mit dem allgemeinen Bewusstsein, der Mentalität einer Zeit und Epoche auf das engste verbunden sind. Es gibt bezüglich der Welthaltigkeit der Bilder keine substanziell sinnvolle Unterscheidung zwischen Kunst und Werbung. Der Verweis auf die angeblich schnöde, niedrige und triviale kommerzielle Dimension von Werbung blamiert sich längst an den Verhältnissen, seitdem Spitzenwerte der sogenannten ‚freien Kunst‘ zur Hauptwährung von Geldwäscherei und allerlei weiterer Kriminalität geworden ist. Ganz im Sinne der Auffassung: Wenn Kunst zur Ware wird, ist Werbung Kunst. Die Behauptung, es gebe eine gehaltvolle, ja gar eine ontologische, also unverrückbare und prinzipielle Differenz zwischen freien und angewandten Künsten gehört ins Reich der Fabeln …“ Zum Semesterende stellten Michael Schirner und sein Team das Buch und eine  Installation vor: 160 Abbildungen aus Michael Schirner, Mich gibt es gar nicht als DIN A3 Fine Art Prints auf Stoß gehängt füllen die Ausstellungswand.

Michael Schirner, Mich gibt es gar nicht, Fachhochschule Potsdam, 2017

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BYE BYE MEDIA

BYE BYE FAZ, BYE BYE STREET ART, 2010

Michael Schirner, BYE BYE MOS20, 2002 – 2009, Fine Art Print, Kaschierung auf Alu-Dibond-Platte

EINE GESCHICHTE DER ENTFERNUNG

Zu Michael Schirners Fotografien im heutigen Feuilleton

„Die Methodik, durch Weglassungen die Wirkmacht von ikonischen Bildern zu erproben, hat sich der vor allem als Werber bekannt gewordene Michael Schirner für sein BYE BYE genanntes Projekt auf direktmöglichem Wege zu eigen gemacht. Er entfernt die wesentlichen Figuren aus ikonischen Pressebildern: den fallenden Kämpfer aus Robert Capas berühmten Bild des Spanischen Bürgerkriegs, James Dean aus der Szene am verregneten Times Square, einen Toten in Ohio aus dem Bild von 1970. Übrig bleibt auch hier ein ‚punktum‘: Wer ist die Frau, die da im Sommer 1970, den Pullover um die Hüfte geknotet, an der Kent State University über den Campus läuft; wo kam sie her, was geschah mit ihr, wo lebt sie heute – und warum wurde dieses Bild gemacht? … Ein fast unvermeidlicher Gag ist es, dass Schirner aus dem Bild, aus dem Stalin Trotzki entfernen ließ, Lenin entfernt – was auf eine mögliche Botschaft dieser Bildmanipulationen hinführt: Die Geschichte wäre anders verlaufen, wenn hier andere Menschen das Wort und die Macht ergriffen hätten, Geschichte ist kein Naturereignis, sondern das Produkt menschlicher Auftritte und Idealbilder. So könnte man Schirners Entfernungen vielleicht als Werbung und Ermunterung lesen, auch politisch mehr Druck zu machen.“  Niklas Maak

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2010, Nr. 87 / 15 D3

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2010, Nr. 87 / 15 D3

Die BYE BYE FAZ

FAZ-Ausgabe vom 15. April 2010

In der Ausgabe der FAZ vom Eröffnungstag der Ausstellung MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE im Haus der Photographie der Hamburger Deichtorhallen machte die Redaktion der Frankfurter Allgemeine Zeitung ein hochinteressantes Experiment: In der aktuellen Ausgabe der FAZ werden 17 Beiträge mit 17 Werke der Serie BYE BYE bebildert. Dabei nutzen die Redakteure die BYE BYE Bilder als Material für literarischen Neuschöpfungen, indem sie in ihren Bildtexten eine Verbindung zwischen Inhalt der BYE BYE Bilder mit redaktionellen Beiträgen herstellt. Das Spiel beginnt auf der Titelseite mit der Arbeit BYE BYE, CER36, 2002 – 2009, Fine Art Print based on a photograph by Robert Capa und setzt sich auf den Folgeseiten fort.

BYE BYE, WAR70: Geschichtsbücher werden immer wieder umgeschrieben. Ein wenig wohler ist einem aber doch, wenn sie noch gedruckt vorliegen.

BYE BYE, NOR44: Wenn man Windstärke, Temperatur und Niederschlagsmenge vorausberechnen kann, ist dann auch der Ausgang der Geschichte bereits determiniert?

BYE BYE, NEW55: Helden gehen gern zu Fuß, auch wenn sie hoch hinaus wollen.

BYE BYE, VER84: Die Polen greifen in höchste Register öffentlichen Gedenkens und erweisen damit ihrem verunglückten Präsidenten eine heikle letzte Ehre.

BYE BYE, CLE08: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr: Auf dem Land herrscht jedenfalls ein anderes Verhältnis zur Transgression als in großen Städten.

BYE BYE, TRA72: Krieg, das heißt Gräuel. Man entkommt ihnen nicht, wenn man nicht von ihm spricht.

BYE BYE, PAR97: Manchmal wäre es besser, nicht durch Drehtüren zu eilen.

BYE BYE, BAG08 : Der Traum aller Gäste des Pictoplasma-Festivals ist es, die Welt des Trickfilms um eine Figur zu bereichern, die später jeder kennt.

BYE BYE, NEW32: Hoch hinaus, denn Baukunst heißt heute überwiegend Montage.

BYE BYE, TOR98: Die ewige Frage: Was würdest du wählen, wenn du entscheiden könntest zwischen dem Leiden und dem Nichts.

BYE BYE, HAM08 : Damit akademische Karrieren in Fahrt kommen, werden Anführungsstriche schon einmal auch weggelassen.

BYE BYE, JER61:
Ein Mann, der sein Rollenbild für die Wirklichkeit nahm.

BYE BYE, GEN87: Die ARD blickt auf ihre Geschichte zurück. Vier Nächte lang geht es um Wegmarken des politisch, informierenden wie des unterhaltenden Fernsehens. Einen neuen Slogan gönnen sich die Sender demnächst auch: „Wir sind eins. ARD.“

BYE BYE, IWO45 : Vox, 20.15 Uhr, der Flug des Phoenix: Ein Flugzeug stürzt über der Wüste Gobi ab. Die Passagiere müssen um ihr Überleben kämpfen.

BYE BYE, YAN66: Wenn die Natur außer Kontrolle gerät, versagen die Bilder.

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

BYE BYE Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

bye bye STREET ART

BYE BYE Großflächenplakate und -City Light Poster

Als Teil der Medien-Kunst-Aktion erschienen Bilder der Serie BYE BYE auf mehr als tausend Großflächenplakaten, Plakatsäulen und City Light Poster in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt.

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Düsseldorf, 2010

BYE BYE City Light Poster in Düsseldorf, 2010

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

BYE BYE Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

Michael Schirner, BYE BYE, Katalogbuch zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg, Hrsg. Markus Peichl, Distanz Verlag, Berlin 2010

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MICHAEL SCHIRNER, BLACK WHITE BOOKS

HAWK Hildesheim, 2019

Michael Schirner, Black White Books, HAWK Hildesheim, 2019

Das GGK-Prinzip

Barbara Kotte, Prodekanin der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, wollte, dass Michael Schirner die schwarzen und weißen Präsentationsbücher, die er seit 1974 nach dem GGK-Prinzip  verfasst hatte, zum Gegenstand eines Editorial-Design-Projekts an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim macht. Michael Schirner stellte den Masters of Arts Manuela Bust, Leonie Egge, Farina Lichtenstein und Michael Breuninger die Aufgabe, Konzept, Redaktion und Design für das Editorial-Projekt zu entwickeln. Aus über tausend Präsentationsbuchern wählten die Studierenden 11 aus, tippen 11 Kampagnenkonzeptpräsentationen Wort für Wort, Seite für Seite, Buch für Buch ab, zeichnten zu jeder Konzeptpräsentation ein Gespräch mit Michael Schirner über die Geschichte der jeweiligen Kampagne auf, gestalteten aus Präsentationstexten, Gesprächen und Abbildungen der Kommunikationsmittel den 532-seitigen Übungsband Black White Books. Teil des Publikation ist ein Faksimile des Präsentationsbuchs für die Post mt dem Titel „Die längsten 8 Minuten, die es je gab“. Für die E-Book-Bibliothek von Black White Books digitalisierten die Studierenden 236 weiteren Präsentationsbücher mit einem Umfang von insgesamt 11.800 Seiten.

Black White Books

Michael Schirner, Black White Books, Workshop an der HAWK Hildesheim, 2019

Inhalt

Das GGK-Prinzip 008
Das 9. Gebot 032
Wie Sie kreative Meisterschaft erlangen 040
Konzeptbücher 1974 – 2001 042
Die längsten 8 Minuten, die es je gab. 046
Die Nahdienst-Kampagne der Post.
Rot und Schwarz. 194
Die Werbung für das Post-Image.

Black White Books, Michael Schirner und Diedrich Diederichsen in der KKG, Düsseldorf, 1984
Foto Andreas Gursky

Ich trinke Jägermeister. Ich nicht. 208
Das jüngste Gericht 226
Das war eigentlich die Geburt von neuer Plakatgestaltung. 228
Der Puffer sind wir. 229
Maßnahmen für den Kartoffelpuffer von Pfanni.
IBM 246
Die Kommunikation der Kommunikations-Firma. 247
Das Werbekonzept für IBM.
Vorurteile mit Vorurteilen bekämpfen 330
Geld für die goldenen Betten Afrikas. 331
Anzeigen für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Black White Books, Mitarbeiter der KKG, Düsseldorf, 1987
Foto Andreas Gursky

Black White Books, Mitarbeiter der KKG, Düsseldorf, 1987
Foto Andreas Gursky
Das Klicken der Auslöser wird ohrenbetäubend sein. 350
Die Fotoschule der Nation. 351
Oder eine recht persönliche Geschichte.
Per aspera ad astra. 374
Per aspera ad astra. 377
Werbung für den Stern.
Das Beste an Düsseldorf ist die Werbung für Düsseldorf. 388
Eine gute Adresse. 390
Die Image-Kampagne für die Stadt Düsseldorf

Black White Books, Michael Schirner und Diedrich Diederichsen in der KKG, Düsseldorf, 1984
Foto Andreas Gursky

Die Bewerbungskampagne von Berlin um die Olympischen Spiele. 408
Die freien Spiele im neuen Berlin. 410
Das Konzept für Olympia Berlin 2000.
Das Kommunikationskonzept 424
für Olympia/Berlin.
Eine gute Idee. 442

Black White Books, Markus Lüpertz und Penck in der KKG, Düsseldorf, 1984
Foto Andreas Gursky

https://www.mydrive.ch/shares/38731/600c5b56beab1129626e3ead4d6d8232/browse

Wühlt Grün! 444
Sie haben die Wahl. 445
Drei Kampagnen für Bündnis 90/Die Grünen.
Erigierter Penis mit Hand und Kondom 468
Man kommt nicht mehr ohne. 469
Die Pro-Präservativ/ Anti-Aids-Kampagne der KKG.
Artists for Safer Sex. 476
Die HIV/Aids-Präventions- und -Spendenkampagne
der Schirner Zang Foundation.

Black White Books, Eröffnung KKG, Düsseldorf, 1984
Foto Andreas Gursky

Gott 490
Kampagnen, Kinder, Körperteile. 494
Leben und Wirken 512
Werk Bildende Kunst 518
Werk Angewandte Kunst 522
Dank 528
Impressum 532

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MICHAEL SCHIRNER, ABSTRACT REALITY

Schirner Zang Foundation Berlin, 2019

Michael Schirner, Abstract Reality, 2019, 250 Fine Art Prints

Die Serie der Serien

Aus Installationen in Potsdam und der Galerie von Esther Schipper entwickelte Michael Schirner das Konzept seiner Serie aus Serien mit dem Titel  Abstract Reality. Premiere des ersten Werks der Serie fand in den Räumen der Schirner Zang Foundation als Performance statt. Besucher erlebten, wie das Werk Stück für Stück entstand. Im Ausstellungsraum standen Rechner und Drucker, Mitarbeiter wählten aus der Bild-Datenbank mit allen Werke Schirners chronologisch Dateien zum Drucken im Format DIN A3 aus, hefteten die Fine Art Prints horizontal fortlaufend auf Stoß, bis die gesamte Wand mit 250 Fine Art Prints bedeckt war. Die Ensembles der Serie Abstract Reality unterscheiden sich durch die Anzahl Fine Art Prints – Minimum 3, Maximum 1.000 – und ihre Anordnung. Eine Variable ist die Farbigkeit der Arbeiten, die monochrom eingefärbt werden können. Jedes Werk wird nach dem Raum, in dem es ausgestellt wird, konzipiert und ist damit ein Unikat.

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MICHAEL SCHIRNER, KAFFTEE IN ACADEMIA

Schirner Zang Foundation, 2020

Kafftee, Palazzo Grassi, Venedig 2019

Ich liebe Kaffee, ich liebe Tee

Albert Oehlen hat ein Produkt entwickelt, es heißt Kafftee und ist ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk, Zutaten: Natürliches Mineralwasser, Bio-Kaffee, Bio-Schwarztee, Bio-Limettensaftkonzentrat. Auf dem Flaschenetikett: KAFFTEE, COFFTEA, AO, Albert Oehlen Aqua Monaco GmbH 80337 München, 0,23 l und die Zeichnung einer Hand mit Armbanduhr. Vorgestellt wurde Kafftee zu Albert Oehlens Ausstellung Cows by the Water im Palazzo Grassi, Venedig 2019 mit einem Getränkeautomaten im Foyer, Beschriftung nie mehr schlafen, they are coming to take me away und Kafftee-T-Shirts im Museums Shop.

Kafftee, Flaschenetikett

Albert Oehlen möchte mit Michael Schirner eine Kampagne für die Einführung von Kafftee entwickeln. Sie sammeln erste Ideen. E-Mail von Albert Oehlen an Aqua Monaco: „Liebe Leute, das Gespräch mit Michael war sehr gut. Insbesondere haben wir den Bezug zur Kunst geklärt. Das Ganze ist Kunst. Aber nur dadurch und so lange, wie es das nicht sagt und sich stattdessen als trocken kommerzielles Unternehmen präsentiert. Es darf durchsickern, dass ich damit zu tun habe, aber das darf auf keinen Fall so aussehen, als ob ich als Künstler irgendwelche Vorteile daraus ziehen wollte bzw. Kunst als Entschuldigung anbringe. Höchstens sollte es die Frage aufwerfen, wie wahnsinnig geldgierig ich denn sei o.ä. Damit das funktioniert, muss Kafftee als eines der Produkte eures Angebotes dastehen. Also nicht Limo in Flaschen und Kafftee im Tetrapack. Das muss ernst dastehen. Verkauft wird es zunächst nur im Onlineshop. Wir sollten einen Vertrag machen, wie wir damit umgehen, weil ja Kosten entstehen und im Extremfall auch was reinkommt.“

Kafftee, Getränkeautomat, Palazzo Grassi, Venedig 2019

„Die Werbung ist der eigentliche Spaß. Sie soll nicht viel kosten und nicht als Kampagne gedacht sein. Eher kleine Einzelaktionen, die dann dokumentiert werden und verbreitet über soziale Netze. Also Werbung über Werbung. Wir haben bereits ein paar Ideen, mit denen wir anfangen würden: transzendentale Werbung, parasitäre Werbung, im Wesentlichen geht es um nichts anderes als: Abstract Reality. Das Produkt wird in der Werbung nicht beschrieben, genannt, gelobt, gepriesen, noch sonst was. Auch nicht seine Wirkung oder, was es tut usw.  Die Werbung ist Selbstzweck, kann aber mit Kafftee assoziativ verbunden werden, der Sound ist futuristisch, kryptisch, International Taste als Marke, das Ganze langsam anlaufen lassen, keine große Kampagne, nichts erzwingen, einzelne Aktionen, die dokumentiert und auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet werden, Meta-Werbung z.B.: den Automaten filmen, wie das Werbebrett mit nie mehr schlafen nach oben fährt, den Film nachts an eine Wand strahlen, das filmen und über soziale Netzwerke verbreiten, den Film in einem Kino zeigen – Regie Oliver Hirschbiegel (fragen kostet nix), plakatieren: 2 x 3 m, Foto Querformat, Ausschnitt Front des Automaten, „nie wieder schlafen“ ohne jeden Bezug und wirken lassen. Frauenbrust mit T-Shirt „What time is it?“ atmet. Da war noch was mit China, Seidenstraße … drunter tun wir es nicht. Gruß, Albert“. Thomas Fehlmann, der mit Holger Hiller die NDW-Band Palais Schaumburg gründete, macht einen Jingle für Kafftee. Lyrics: Kafftee, Kafftee, ich liebe Kaffee, ich liebe Tee, Kafftee, Kafftee.

Audio anhören:

Michael Schirner, Kafftee in Academia, 2019, Fine Art Print

MICHAEL SCHIRNER, KAFFTEE IN ACADEMIA

Für Michael Schirner suchte die Forschungs-Plattform Academia.edu in 22 Millionen Zeitschriften, Büchern, Entwürfen, Thesen-Papieren, Lehrplänen und im Web nach Erwähnungen von Kafftee. Bis Ende 2021 hat Academia über 1.750 Erwähnungen von Kafftee in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert: „Dear Michael, Congratulations on your 1.750th Mention! The name Kafftee is cited in a paper published in Current Cancer Drug Targets.” Die Reputation von Kafftee in der akademischen Welt steigt unaufhaltsam. Mit Kafftee in Academia macht Michael Schirner die Sammlung der Untersuchungsergebnisse als Edition und Künstlerbuch mit über tausend Academia-Seiten zum Teil der Einführungskampagne von Albert Oehlens Kafftee.

Michael Schirner, Kafftee in Academia, 2019, Fine Art Print

Michael Schirner, Kafftee in Academia, 2019, Fine Art Print

CREDITS

Auftraggeber: Michael Schirner, Kafftee in Academia
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WERBUNG IST KUNST

Ringvorlesung TU, HU, UdK Berlin, 2021

Ästhetik & Kommunikation – Nr. 1807181, Werbung ist Kunst, Ralf Nöcker

10 THESEN Von Michael Schirner

Werbung ist Kunst – Ein Fragebogen zu 10 Thesen von Michael Schirner macht die Runde betitelt Ralf Nöcker seinen Beitrag in Ästhetik und Kommunikation und schreibt: „In der Biographie des Werbers Schirner aus dem Jahr 1990 finden sich zehn Thesen zur Werbung und natürlich zum Verhältnis Werbung und Kunst. Diese Thesen haben wir auf ihre Aktualität hin überprüfen lassen, indem wir Top Werbepraktiker*innen von heute baten, sie aus der Perspektive der aktuellen Werbepraxis zu kommentieren. Auch den Urheber selbst haben wir mit seinen Thesen konfrontiert.“ Benjamin Minack, Michael Schirner, Larissa Pohl, Imran Ayata, Britta Poetzsch, Tobias Spörer, Mo Whiteman, Torben Hansen, Heinrich Paravicini und Stephan Vogel kommentieren  Schirners Thesen in der Zeitschrift und diskutieren das Thema in einer gemeinsamen Online-Ringvorlesung von TU, HU und UdK Berlin, die Ralf Nöcker moderiert.

Werbung ist Kunst, Ralf Nöcker, Seite 39

Werbung ist Kunst, Ralf Nöcker, Seite 46

 

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NOTHINGTOSEENESS

Akademie der Künste, Berlin, 2021

Max Dax und Michael Schirner, Black Album / White Cube, Installation, Akademie der Künste, 2021

BLACK ALBUM/WHITE CUBE

Max Dax und Michael Schirner zeigen auf der Ausstellung Nothingtoseeness Leere/Weiß/Stille in der Akademie der Künste  ihre Installation Black Album / White Cube mit Black Album von Prince und Michael Schirners Pictures in our Minds, Judas! I don’t believe you. You are a liar! Siebdruck auf Leinwand, 2021. Außerdem die Installation We Buy White Albums von Rutherford Chang.

Künstler: Peter Ablinger, Absalon, Frank Badur, Mirosław Bałka, Rosa Barba, Gerhard Bohner, George Brecht, Trisha Brown, Klaus vom Bruch, Günter Brus, John Cage, Enrico Castellani, Rutherford Chang, Max Dax, Ulrike Draesner, Maria Eichhorn, Olafur Eliasson, Ulrich Erben, Ceal Floyer, Lucio Fontana, Sam Francis, Katharina Fritsch, Heinz Gappmayr, Jochen Gerz, Raimund Girke, Eugen Gomringer, Gotthard Graubner, Katharina Grosse, Hans Haacke, Marcia Hafif, David Hammons, Oskar Holweck, Stephan Huber, Alfonso Hüppi, Pierre Huyghe, Ray Johnson, Isaac Julien, Ellsworth Kelly, Per Kesselmar, Astrid Klein, Yves Klein, Harald Klingelhöller, Bernd Koberling, Christina Kubisch, Raimund Kummer, Mark Lammert, Henning Lohner, Inge Mahn, Piero Manzoni, Joseph Marioni, Sara Masüger, Reiner Maria Matysik, Bruce Nauman, Yoko Ono, Roman Opałka, David Ostrowski, Nam June Paik, Otto Piene, Thomas Rentmeister, Bridget Riley, Robert Ryman, Karin Sander, Hanns Schimansky, Michael Schirner, Gregor Schneider, Jan J. Schoonhoven, Nina Schuiki, George Segal, Qiu Shihua, Strawalde, Mark Tobey, James Turrell, Günther Uecker, Timm Ulrichs, Lothar Wolleh.

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Judas! I don’t believe you. You are a liar! 2020, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

WE BUY WHITE ALBUMS

Max Dax

Das von Richard Hamilton als weiße Projektionsfläche gestaltete White Album der Beatles steht dem als Selbstermächtigung zu begreifendem, als schwarzes Quadrat gestaltete Black Album von Prince gegenüber. Während das White Album millionenfach verkauft wurde und von Hamilton als Kommentar zum Massenprodukt mit einer eingeprägten, fortlaufenden Nummer versehen worden war, die den Status des Unikats behauptete, verhält es sich bei Prince genau umgekehrt: Hier zog der Künstler seine Musik und den Tonträger wenige Tage vor dessen Auslieferungsdatum, dem 8. Dezember 1987, zurück. Hunderttausende Vinylalben wurden zerstört, nur etwa 100 Exemplare gelangten versehentlich als Rezensionsexemplare in Umlauf – sie sind tatsächlich Unikate im Vergleich zum White Album der Beatles. Beide Cover haben ihre ikonischen Vorbilder in der Malerei – das schwarze Quadrat von Malewitsch und die weißen Quadrate von Robert Ryman. 2007 begann der US-amerikanische Konzeptkünstler Rutherford Chang, alle Exemplare des White Albums zu kaufen, derer er auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden habhaft werden konnte. In immer größeren, an einen Schallplattenladen erinnernden Rauminstallationen stellt Chang seit 2012 seine bis heute auf 2.620 Exemplare angewachsene Sammlung von Kopien des White Albums aus. Aufgrund von Benutzungsspuren, aber auch Wasserschäden oder ‘Verzierungen’ sieht kein weißes Quadrat aus wie das andere. Sie sind alle individuell gealtert.

Rotherford Chan, We Buy White Albums, Exhibition Shot, Akademie der Künste, Berlin, 2021

100 Farben Weiß: Während die verschiedenen Weißabstufungen in Rutherford Changs Installation We Buy White Albums genau einhundert Mal wie in einem Plattenladen ausgestellt sind, wird das Black Album von Prince, das in der Sammlerwelt der Musik den Status des Heiligen Grals besitzt, von einer einbruchsicheren Vitrine geschützt. Mehr noch: Die Vitrine steht auf einem Sockel, um den herum ein mattschwarzer Kubus gebaut ist, der an den Pilgerort Mekka erinnert, während das Innere dieses Kubus weiß gestrichen, die ideale Präsentationsform für Kunst, die in Galerien zum Verkauf angeboten wird, der White Cube ist. In der Blickachse Eingang / Sicherheitsvitrine hängt schließlich die Arbeit Judas! I don’t believe you / You are a liar! von Michael Schirner an der Stirnwand des White Cubes. Es handelt sich um die erste Erweiterung von Schirners Serie Pictures in our Minds in die Dimension der Musik. Bis zu der von Max Dax kuratierten Ausstellung Black Album / White Cube im Jahr 2020 in der Kunsthal Rotterdam beschränkten sich die Motive aus Michael Schirners Pictures in our Minds auf Bilder, die sich tief in das kollektive Bewusstsein eingegraben haben: der Fußabdruck des ersten Menschen auf dem Mond, die brennenden Twin Towers, Willy Brandts Kniefall in Warschau etc. – in Form eines schwarzen Quadrates, auf das in weißer Helvetica-Schrift eben das Weltereignis knapp beschrieben wird. Das Bild entsteht im Kopf des Betrachters. Auf Einladung von Max Dax erweiterte Michael Schirner seine Serie in die Welt der Musik. Bob Dylans berühmte Antwort auf die 1966 aus dem Publikum in Manchester gerufene Beleidigung „Judas!“ konterte Dylan mit den Worten „I don’t believe you. You are a liar!“ Mit seiner wütenden Reaktion verteidigte Dylan die eigene künstlerische Selbstermächtigung, als Musiker nicht automatisch Entertainer sein zu wollen.

Kunst führt zu neuer Kunst. Dylans spontaner Wutausbruch ging in einer neuen Arbeit von Michael Schirner auf, ein gerettetes Originalexemplar des Black Album von Prince wird als Testament schwarzer Selbstermächtigung im Kontext des Schwarz-Weißen Kubus zum Denkmal, aber auch zum klugen Malewitsch-Kommentar, das White Album der Beatles im Kontext von Rutherford Changs We Buy White Albums Albums-Installation zur Meditation über die Einzigartigkeit von Massenprodukten und das Wesen von Projektionsflächen.

Rutherford Chang, Max Dax, Michael Schirner, Nothingtohearness, Artists‘ Book, Berlin 2021

SOMETHINGTOREADNESS

Das Buch enthält ein Gespräch von Lucia Margarita Bauer mit Max Dax über Black Album / White Cube, einen Beitrag von Michael Schirner über die Geschichte der Pictures in our Minds und ein Gespräch von Max Dax mit Rutherford Chan über We Buy White Albums. Da beide Arbeiten als Klang-Installationen ohne Klang Teil der Ausstellung Nothingtoseeness sind, ergab sich Nothingtohearness als Titel des Katalogs, der für den Erwerber, um das Spiel mit den Titeln auf die Spitze zu treiben, Somethingtoreadness ist.

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DAUERLUTSCHER

IBM Deutschland, 1982

TV-Spot für die kleinen Computer von IBM, 1982, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland , 1982, TV-Screenshot

TV-Spot für die kleinen Computer von IBM, 1982, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland , 1982, TV-Screenshot

TV-Spot für die kleinen Computer von IBM, 1982, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland , 1982, TV-Screenshot

TV Commercial

1. Junge: Guten Tag, Herr Bankdirektor.
2. Junge: Guten Tag.
1. Junge: Soll ich für mein Geld Gold kaufen oder Ölaktien oder soll ich lieber Häuser kaufen?
2. Junge: Kaufen Sie Dauerlutscher. Das ist zur Zeit der große Renner.
Sprecher: Spielend einfach, die kleinen Computer von IBM.

CREDITS

Auftraggeber: IBM Deutschland GmbH
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Franz Brauer
Artdirector: Michael Preiswerk
Filmproduktion: Studio Fröhling
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ICH BIN EIN TIPPFEHLER

IBM Deutschland, 1977

TV-Spot für die IBM Schreibmaschine mit der Korrekturtaste, 1977, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland, 1977, Screenshot

TV-Spot für die IBM Schreibmaschine mit der Korrekturtaste, 1977, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland, 1977, Screenshot

TV-Spot für die IBM Schreibmaschine mit der Korrekturtaste, 1977, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland, 1977, Screenshot

TV commercial

Eine Schreibmaschine schreibt:
„Lieber Chöf“.
Das ö wird lebendig und sagt:
„Guten Abend, ich bin ein Tippfehler.
Ich bin leicht zu machen, aber schwer wieder wegzumachen.
Radiergummis rubbeln mich weg. Aber auch ein Loch ins Papier.“
Das ö lacht schrecklich laut und hämisch:
„Korrekturflüssigkeiten decken mich zu,
aber man sieht dann immer noch, wo ich vorher war.
Es soll zwar Schreibmaschinen geben, die eine Korrekturtaste haben,
und Tippfehler wie mich einfach wieder wegtippen,
aber das ist sicher nichts als Werbung …“
Man hört das Originalgeräusch des Korrekturvorgangs,
das ö wird von der Korrekturtaste gelöscht,
der richtige Buchstabe, das e, wird eingetippt,
Eine Sprecherin sagt: „Die IBM Schreibmaschine 96C mit der Korrekturtaste“

 

CREDITS

Auftraggeber: IBM Deutschland GmbH
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Bernd Arnold
Artdirector: Michael Preiswerk, Helmut Rottke
Filmproduktion: Dragon, London
Grafiker: Jürgen Dahlen, Josef Emonts-Pohl
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Guten Abend

IBM Deutschland, 1984

TV-Spot für IBM-Computer am Arbeitsplatz, 1984, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland, 1984, TV-Screenshot

TV-Spot für IBM-Computer am Arbeitsplatz, 1984, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland, 1984, TV-Screenshot

TV-Spot für IBM-Computer am Arbeitsplatz, 1984, Screenshot

GGK Düsseldorf, IBM Deutschland, 1984, TV-Screenshot

TV commercial

Der Bildschirm spricht: Guten Abend, hier spricht Dein Fernsehschirm.

Stell Dir vor, ich stehe morgen früh auf Deinem Schreibtisch im Büro.
Dann könntest Du auf mir zeichnen: Punkte, Kreise, Fläche,
alles dreidimensional verzerren und um die eigene Achse drehen.
Off Sprecher: Wir haben den Computer für Sie. IBM

CREDITS

Auftraggeber: IBM Deutschland GmbH
Agentur: GGK Düsseldorf
Kreativdirektor: Michael Schirner
Texter: Franz Brauer
Artdirector: Michael Preiswerk
Filmproduktion: Dragon, London
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