Archiv der Kategorie: Kunst

BYE BYE MEDIA

BYE BYE FAZ, BYE BYE STREET ART, 2010

Michael Schirner, BYE BYE MOS20, 2002 – 2009, Fine Art Print, Kaschierung auf Alu-Dibond-Platte

EINE GESCHICHTE DER ENTFERNUNG

Zu Michael Schirners Fotografien im heutigen Feuilleton

„Die Methodik, durch Weglassungen die Wirkmacht von ikonischen Bildern zu erproben, hat sich der vor allem als Werber bekannt gewordene Michael Schirner für sein BYE BYE genanntes Projekt auf direktmöglichem Wege zu eigen gemacht. Er entfernt die wesentlichen Figuren aus ikonischen Pressebildern: den fallenden Kämpfer aus Robert Capas berühmten Bild des Spanischen Bürgerkriegs, James Dean aus der Szene am verregneten Times Square, einen Toten in Ohio aus dem Bild von 1970. Übrig bleibt auch hier ein ‚punktum‘: Wer ist die Frau, die da im Sommer 1970, den Pullover um die Hüfte geknotet, an der Kent State University über den Campus läuft; wo kam sie her, was geschah mit ihr, wo lebt sie heute – und warum wurde dieses Bild gemacht? … Ein fast unvermeidlicher Gag ist es, dass Schirner aus dem Bild, aus dem Stalin Trotzki entfernen ließ, Lenin entfernt – was auf eine mögliche Botschaft dieser Bildmanipulationen hinführt: Die Geschichte wäre anders verlaufen, wenn hier andere Menschen das Wort und die Macht ergriffen hätten, Geschichte ist kein Naturereignis, sondern das Produkt menschlicher Auftritte und Idealbilder. So könnte man Schirners Entfernungen vielleicht als Werbung und Ermunterung lesen, auch politisch mehr Druck zu machen.“  Niklas Maak

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2010, Nr. 87 / 15 D3

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2010, Nr. 87 / 15 D3

Die BYE BYE FAZ

FAZ-Ausgabe vom 15. April 2010

2009 wurden Michael Schirners Arbeiten der Serie BYE BYE von der Jury der Lead Awards ausgezeichnet und mit Gewinnerarbeiten in den Hamburger Deichtorhallen ausgestellt. Markus Peichl, Organisator der Lead Awards und Partner von Andreas Osarek, dem Leiter der Berliner Crone Galerie, schlug vor, die ausgezeichneten Arbeiten in der Galerie auszustellen. Schirner wollte mehr: eine Einzelausstellung in den Deichtorhallen, eine mehrseitige BYE BYE-Bildstrecke in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, BYE BYE-Großflächenplakate und -Citylight-Poster in Hamburg, Berlin, Düsseldorf Frankfurt und ein BYE BYE-Katalogbuch, das die Medienkunstaktion dokumentiert.

Frank Schirrmacher, Chefredakteur und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der radikale Ideen liebte, war so begeistert von der Schirners Serie, dass er alle Pressefotos einer aktuelle Ausgabe der FAZ durch Arbeiten der Serie BYE BYE ersetzen lassen wollte.

Am 15. April 2010, dem Eröffnungstag der Ausstellung Michael Schirner I BYE BYE in den Hamburger Deichtorhallen erschien die FAZ, und 17 redaktionellen Beiträgen waren mit 17 Fotos der Serie BYE BYE bebildert. Das Titelbild auf Seite 1 zeigt die Arbeit BYE BYE, CER36, Fine Art Print, 2002 – 2009, based on a photograph by Robert Capa, darüber steht: „Kriegsbild?“, darunter „Bilderrätsel – Hier fehlt etwas – aber was? Die Auflösung finden Sie auf Seite 4. Es geht dabei um Leben und Tod, so wie auch in Afghanistan auf Seite 3, wo Soldaten in einem Konflikt im Einsatz sind, mit dessen Benennung sich die deutsche Politik so schwertut, dass der Außenminister und die Opposition lange Umschreibungen dafür benötigen. Was es mit dieser begrifflichen Verwirrung auf sich hat und weshalb manche ein kurzes Wort mit fünf Buchstaben nicht verwenden wollen, steht auf Seite 31. Noch mehr Rätsel finden sich im ganzen Feuilleton.“

Es folgen Ausschnitte der FAZ vom 15. April 2010 mit BYE BYE-Motiven und Bildunterschriften der Redaktion.

Geschichtsbücher werden immer wieder umgeschrieben. Ein wenig wohler ist einem aber doch, wenn sie noch gedruckt vorliegen.

Wenn man Windstärke, Temperatur und Niederschlagsmenge vorausberechnen kann, ist dann auch der Ausgang der Geschichte bereits determiniert?

Helden gehen gern zu Fuß, auch wenn sie hoch hinaus wollen.

Die Polen greifen in höchste Register öffentlichen Gedenkens und erweisen damit ihrem verunglückten Präsidenten eine heikle letzte Ehre.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr: Auf dem Land herrscht jedenfalls ein anderes Verhältnis zur Transgression als in großen Städten.

Krieg, das heißt Gräuel. Man entkommt ihnen nicht, wenn man nicht von ihm spricht.

Manchmal wäre es besser, nicht durch Drehtüren zu eilen.

Der Traum aller Gäste des Pictoplasma-Festivals ist es, die Welt des Trickfilms um eine Figur zu bereichern, die später jeder kennt.

Hoch hinaus, denn Baukunst heißt heute überwiegend Montage.

Die ewige Frage: Was würdest du wählen, wenn du entscheiden könntest zwischen dem Leiden und dem Nichts.

Damit akademische Karrieren in Fahrt kommen, werden Anführungsstriche schon einmal auch weggelassen.

Ein Mann, der sein Rollenbild für die Wirklichkeit nahm.

Die ARD blickt auf ihre Geschichte zurück. Vier Nächte lang geht es um Wegmarken des politisch, informierenden wie des unterhaltenden Fernsehens. Einen neuen Slogan gönnen sich die Sender demnächst auch: „Wir sind eins. ARD.“

Vox, 20.15 Uhr, der Flug des Phoenix: Ein Flugzeug stürzt über der Wüste Gobi ab. Die Passagiere müssen um ihr Überleben kämpfen.

Wenn die Natur außer Kontrolle gerät, versagen die Bilder.

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

BYE BYE Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

bye bye STREET ART

BYE BYE Großflächenplakate und -City Light Poster

Als Teil der Medien-Kunst-Aktion erschienen Bilder der Serie BYE BYE auf mehr als tausend Großflächenplakatstellen, Plakatsäulen und City Light Poster in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt.

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Düsseldorf, 2010

BYE BYE City Light Poster in Düsseldorf, 2010

Michael Schirner, BYE BYE, Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

BYE BYE Großflächenplakat in Frankfurt/M, 2010

Michael Schirner, BYE BYE, Katalogbuch zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg, Hrsg. Markus Peichl, Distanz Verlag, Berlin 2010

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BILDER VOM TERROR

C/O Berlin, 2011

Michael Schirner, BYE BYE, NEW01, Fine Art Print, 2011, based on a photograph by Thomas Hoepker/Magnum Photos

MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE

Michael Schirner zeigte dem Fotojournalisten Thomas Hoepker – früher Artdirector vom STERN und Präsident von Magnum New York – Arbeiten seiner Serie BYE BYE. Hoepker wollte, dass Schirner sein legendäres Bild Blick von Brooklyn auf Manhattan, 11. September 2001 „verzaubert, damit aus dem Bild mit der schrecklichen schwarzen Wolke ein ganz normales Touristenfoto wird.“ Das bearbeitete Werk bekommt den Titel BYE BYE NEW01. Auf der Jahreskonferenz von Magnum in New York schlägt Thomas Hoepker vor, Michael Schirner mit einer Serie seiner Pictures in our Minds zu Arbeiten von Magnum-Fotografen zu beauftragen.

C/O Berlin eröffnet im historischen Postfuhramt Oranienburger Straße die Gruppenausstellung Unheimlich vertraut – Bilder vom Terror.  C/O Berlin zeigt Arbeiten von Michael Schirner: BYE BYE MUN72, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos, BYE BYE IWO45 und BYE BYE NEW01,  based on a photograph by Thomas Hoepker/Magnum Photos ­ und Arbeiten von Dennis Adams, Robert Boyd, Sarah Charlesworth, Plascal Convert, Natalie Chzech, Raymond Depardon, Christoph Draeger, Thomas Galler, G.R.A.M., Johan Grimonpretz, Thomas Hirschhorn, Thomas Hoepker, Michael Kasakowski, Coco Kühn, Fiorenza Menini, Simon Menner, Mikael Mikael, Naeem Mohaiemen, Gael Peltier, Peter Piller, Thomas Ruff, Michael Schäfer, The Atlas Group/Walid Raad, Marc Volk, Malte Wandel, Luuk Wilmering.

Michael Schirner, BYE BYE, MUN72, 2002 – 2010, Digigraphie by Epson, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos

Michael Schirner, BYE BYE, MUN72, Fine Art Print, 2002 – 2009, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos

PUNKTUM

„Michael Schirner ist Werber, Kommunikationsdesigner, Künstler, Professor an den Kunsthochschulen in Karklruhe, Bremen, Beijing und Fukuoka, und er Autor und Kurator. Über den verschiedenen Feldern seiner Tätigkeiten schwebt eine Philosophie, die alle Projekte seit den 80er Jahren durchdringt: die Annäherung von Kunst und Werbung. Schirner setzt sich mit einer medial vemittelnden Fotografie auseinander, die sich in unserem kollektiven Gedächtnis in historischen Bildern verankert. Es sind Ikonen der uns umgebenden Massenkultur, die die Grundlage seiner konzeptuellen Arbeiten bilden und die ihn dazu bringen, spektakuläre Fotoausstellungen zu machen, ohne ein einziges Foto an der Wand zu zeigen. Schirners Serie BYE BYE basiert auf einer ähnlichen Annahme der Involvierung des Betrachters: Aus uns vertrauten Medienbildern werden mittels digitaler Technik sämtliche inhaltsbestimmenden Elemente eliminiert. Schirner trägt Stück für Stück den ursprünglichen Informationsgehalt des Bildes ab. Er entzieht dem Bild das „Punktum“. Diese visuelle Irritation bewirkt eine grundlegende Reflexion über Fotografie und die Art, wie wir diese durch die Medien rezipieren. Als 2010 BYE BYE zum ersten Mal im Kunstkontext in den Deichtorhallen Hamburg und in der Galerie Crone, Berlin gezeigt wird, sind die Arbeiten parallel als groß angelegte Aktion auf Großflächenplakaten im öffentlichen Raum und in Tageszeitungen zu sehen. Auf diese Weise gibt Schirner das radikal sezierte Bild dem Ursprung seiner Entstehung zurück und erzeugt mit der Kraft visueller Reduktion ein laustarkes Echo, da sich weit in den Kreislauf des medialen Systems ausbreitet.“ (Katalogtext)

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, 2002 – 2010, Digigraphie by Epson

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, Fine Art Print, 2002 – 2009

„Ein Mann, eine Strumpfmaske, ein Betonbalkon. Zwei Türme, ein Flugzeug, eine Wolke aus Feuer und Rauch. Geschichte, Erinnerung, Angst sind verdichtet in diesen beiden Bildern, es sind festgehaltene Momente, von denen an alles anders wurde – sei es nur in Gedanken, im Gedenken. Die Bilder wurden zu Ikonen im kollektiven Gedächtnis. Zwei Motive und sofort ist alles da: Olympische Spiele München 1972, der Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf die israelischen Sportler, der vermummte Attentäter. Und New York, 11. September 2001, der Angriff auf das World Trade Center (WTC), die einstürzenden Türme. Die beiden Ereignisse bilden die historischen Enden der Ausstellung Unheimlich vertraut. Bilder vom Terror, die bis zum 4. Dezember im c/o Berlin im Postfuhramt in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte zu sehen ist. Die Kritik am Kapitalismus verschränkt sich mit dem gezielten Nutzen der von ihm produzierten Bilderflut. Die entsteht gerade auch durch ständige Wiederholung, nicht nur wie nun zum zehnten Jahrestag von 9/11. Wie sehr sich Motive einprägen, zeigt unter anderem Michael Schirners Reihe BYE BYE  in der er aus berühmten Aufnahmen das entscheidende Detail wegretuschiert, die WTC-Türme etwa oder den Vermummten. Die Bilder funktionieren trotzdem, die Assoziationen sind sofort da.“ (Der Spiegel)

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BILD OHNE BILDER

BILD-Zeitung vom 8. September 2015, 2015

Titelseite von BILD am 8. September 2015

Titelseite von BILD, 8. September 2015

30 JAHRE Fotoausstellung ohne Fotos IN BILD OHNE BILDER

Zum 30jährige Jubiläum der Ausstellung Bilder im Kopf von Michael Schirner in Hamburg 1985 lässt Chefredakteur und Herausgeber Kai Diekmann die BILD-Zeitung vom 8. September 2015 ohne Bilder drucken.

Auf der Titelseite: „Warum BILD heute keine Bilder druckt!“ der Beitrag: „Heute halten Sie eine besondere BILD-Ausgabe in Ihren Händen. Eine Ausgabe, die uns besonders wichtig ist. Eine Ausgabe ganz ohne redaktionelle Fotos. Dort, wo sonst starke, aussagekräftige Bilder stehen, sind graue Flächen. In der Zeitung und in unseren digitalen Kanälen verzichten wir auf Bilder. Wir wollen damit zeigen, wie wichtig Fotos im Journalismus sind … Denken Sie an das Schwarz-Weiß-Foto eines vietnamesischen Mädchens. Es rennt schreiend auf den Fotografen zu. Im Hintergrund US-Soldaten und eine bedrohlich schwarze Wolke. Bis heute prägt dieses Foto unsere Abscheu vor Krieg mehr als jede Politiker-Rede, mehr als jedes geschriebene Wort. Auch das Foto des ertrunkenen Aylan (3) am Strand ging um die Welt. Es sorgte für Bestürzung und Mitgefühl, rüttelte Millionen Menschen wach. Darum steht BILD für die Veröffentlichung umstrittener Fotos ein …“

Auf Seite 8: Bilder im Kopf – 30. Jubiläum der Fotoausstellung ohne Fotos!“ der Beitrag: „Gibt es Bilder, die so stark und unvergesslich sind, dass sie auch ohne ein Foto in den Köpfen der Betrachter entstehen? Ja, sagt Prof. Michael Schirner (74), der Künstler und Kommunikationsdesigner hat vor 30 Jahren in den Hamburger Messehallen die Ausstellung Bilder im Kopf initiiert. Seine mutige Idee: eine Fotoausstellung ohne Fotos! Statt der Bilder sahen die Besucher 1985 nur schwarze Tafeln, auf denen in weißer Farbe die Beschreibung der Fotos stand. Schirners Idee: Das Gehirn des Menschen ist wie Hardware eines Computers, auf dessen Festplatte alle Bilder gespeichert sind. Diese Fotos werden dann durch die Vorstellung abgerufen. So steht zum Beispiel auf einer Tafel: „Albert Einstein streckt die Zunge raus.“ Ein anderes Bild: „DDR-Soldat flüchtet über Stacheldraht beim Bau der Berliner Mauer.“ Sofort entstehen die Bilder im Kopf.“

Am nächsten Tag erscheint BILD mit einer Beilage: „BILD ohne Bilder – Was Sie gestern verpasst haben!“ der Beitrag: „Heute zeigen wir Ihnen alle 12 Seiten mit Fotos, die Sie gestern nicht sehen konnten. Und wir dokumentieren die wichtige Debatte, die unsere Aktion bewirkt hat …“

BILD feiert 30 Jahre BILDER IM KOPF von Michal Schirner

Innenseite von BILD, 8. September 2015

Titelseite vom BILD, 9. September 2015

Innenseite vom BILD, 9. September 2015

Beiträge auf bild.de

http://www.bild.de/news/inland/darstellungsform-bilder/keine-bilder-in-bild-reichelt-warum-wir-uns-zwingen-muessen-hinzuschauen-42487776.bild.html

http://www.bild.de/news/inland/ausstellung/vor-30-jahren-in-hamburg-fotoausstellung-ohne-fotos-42487780.bild.html

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BIENNALE DES ARTS VISUELLS

Festival Image Vevey, Suisse, 2016

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, 2002 – 2010, Digigraphie by Epson

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, Fine Art Print, 2002 – 2009

MICHAEL SCHIRNER, Bye Bye

Festival Image Vevey, Biennale Des Arts Visuells, Vevey, Suisse, 2016 zeigt vom 10. September – 2. Oktober 2016 eine Installation mit Michael Schirners Fine Art Prints der Serie BYE BYE: CER36, CLE08, GEN87, HAM08, IWO45, PAR97, SAN73, TRA72, MUN72, NEW32, NEW55, NOR44, PAR60, ABU03, BAG08, BAR68, NEW01, BER 45, WAR70, YAN66.

Künstler: Terry Brown & Gordon Stettinius, James Casebere, Mat Collishaw, Jojakim Cortis, Edoardo Delille, Hans-Peter Feldmann, Stephen Gill, Cyril Hatt, Lei Lei & Thomas Sauvin, Christian Jankowski, Cristina de Middel, Madoz Guido Mocafico, Asako Narahashi, Martin Parr, Christian Patterson, Pierre et Gilles, Michael Schirner, Laurie Simmons, Alec Soth, Matjaz Tancic, Sylvie Théraulaz u.a.

“Michael Schirner appropriates a series of historical snapshots by working on images found in newspapers and on the Internet. From Robert Capa’s picture of a falling Republican soldier in 1936 to video surveillance images of the last time Princess Diana was seen alive in 1997, the artist erases elements which would a priori make these images instantly recognisable. This clever process compels visitors to search their photographic memory to reconstruct the whole image and the historical event to which to refers.” Katalogtext

Michael Schirner, BYE BYE, Insallation Shot, Vevey, Suisse, 2016

Photoserie Bye Bye von Michael Schirner wurde auf der Bienniale "Image" in Vivey in der Schweiz ausgestell. Ausstellungsdauer: 10 September – 2 Oktober 2016

Michael Schirner, BYE BYE, Insallation Shot, Vevey, Suisse, 2016

Photoserie Bye Bye von Michael Schirner wurde auf der Bienniale "Image" in Vivey in der Schweiz ausgestell. Ausstellungsdauer: 10 September – 2 Oktober 2016

Michael Schirner, BYE BYE, Insallation Shot, Vevey, Suisse, 2016

Photoserie Bye Bye von Michael Schirner wurde auf der Bienniale "Image" in Vivey in der Schweiz ausgestell. Ausstellungsdauer: 10 September – 2 Oktober 2016

Michael Schirner, BYE BYE, Insallation Shot, Vevey, Suisse, 2016

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IM ZWEIFEL FÜR DEN ZWEIFEL

NRW Forum Düsseldorf, 2018

Michael Schirner, BYE BYE, WAR70, 2002 - 2009, Fine Art Print

Michael Schirner, BYE BYE, WAR70, Fine Art Print, 2002 – 2009

MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE

In der Gruppenausstellung Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung zeigt das NRW-Forum Düsseldorf Werke von Michael Schirners Serie BYE BYE: WAR70, MUN72, MEM68, ABU03, JEN06, BHO84, NEW01, MOS20, CER36, JER61, GEN87 und Arbeiten von Julius von Bismark mit Richard Wilhelmer & Benjamin Maus, Disnovation.org, Ólsafur Elíasson, Forensic Architekture, Juliane Herrmann, IOCOSE, Felix Kubin, Olaf Metzler, Tony Oursler, Trevon Paglen, Andreas Slominski, Suzanne Treister und Holger Wüst.

„Die internationale Gruppenausstellung untersucht mit den Mitteln der Kunst die Macht von Verschwörungstheorien und setzt ihnen die Sichtbarkeit des Zweifels sowie die Möglichkeit zu kritischem Zweifel entgegen. Ein falscher Stern, Überwachungstechnologien, Fotofälschungen und forensische Recherchen – in der Ausstellung treffen die Besucher auf verstörende Situationen und nicht-eindeutige Zustände, in denen sie sich selbst orientieren müssen.“  Pressemitteilung

Michael Schirner, BYE BYE, GEN87, 2002 – 2009, Digigraphie by Epson

Michael Schirner, BYE BYE, GEN87, Fine Art Print, 2002 – 2009

BARSCHEL-WANNE OHNE BARSCHEL

Oliver Jungen, FAZ

Weiterhin lassen sich die bekannten, aber immer wieder eindrücklichen Großformate des aus der Werbung kommenden Künstlers Michael Schirner bestaunen. Es sind Reproduktionen ikonischer Pressefotografien, aus denen das entscheidende, oft gesellschaftsverändernde Motiv herausretuschiert wurde: Brandts Kniefall ohne Willy Brand, New York am 11. September 2001 ohne rauchende Türme, die Barschel-Wanne ohne Barschel. Man kann das simple Photoshop-Kunst nennen, aber hier geschieht etwas, weil vor dem inneren Auge Nachbilder des Geschehenen auftauchen, die dem meist friedlichen Eindruck der Abbildungen widersprechen, ein Ringen zwischen Realitäts- und Möglichkeitssinn.

Michael Schirner, BYE BYE, Exhibition Shot, NRW Forum Düsseldorf, 2018

Michael Schirner, BYE BYE, Exhibition Shot, NRW Forum Düsseldorf, 2018

Michael Schirner, BYE BYE, Exhibition Shot, NRW Forum Düsseldorf, 2018

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MICHAEL SCHIRNER, BILLBOARDS

Schirner Zang Foundation, 2019

Michael Schirner, Billboards, Mich gibt es gar nicht, 2019, 247 Fine Art Prints

MICH GIBT ES GAR NICHT

Die Berliner Galeristin Esther Schipper beauftragte Michael Schirner mit dem Branding für den Bookstore der Galerie. Schirner gab seiner Konzeptpräsentation den Titel More is More und empfahl, vor die Koje vom Bookstore ein Billboard in den Maße 365 x 750 cm zu setzen. Sein Ausstellungskonzept: Immer, wenn eine Publikation eines Künstlers der Galerie erscheint, wird eine Ausstellung für den Künstler im Bookstore eröffnet.  Die Idee: Aus der Publikation des Künstlers wird ein Billboard im Store. Beispiel einer Ausstellung ist Blow Out, der unvollständige Roman von Christopher Roth, der zum großen Teil aus grünen Buchseiten ohne Text besteht. Die Textseiten und die grünen Seiten ergeben ein Wandbild. Für die Sales-Aktion von Drucken und Papierarbeiten von Künstlern der Galerie entwickelte Schirner das Prinzip einer Hängung, bei der von jeder ausgestellten Arbeit die gesamte Auflage vertikal gehängt wird und das Ganze das Bild einer Matrix ergibt. Als weiteres Beispiel zeigte Michael Schirner ein Billboard mit 247 DIN A3 auf Stoß gehängten Fine Art Prints seines Buchs Mich gibt es gar nicht. Albert Oehlen empfiehlt Michael Schirner, aus der Installation von Fine Art Prints seiner Arbeiten eine neue Serie von Werken zu machen, bei der  Anzahl und Anordnung der einzelnen Arbeiten sich nach den Proportionen des jeweiligen Ausstellungsraums richten. Für Oehlen ist die Serie ein Beispiel für Abstrakt Reality.

Michael Schirner, Billboards, Blow Out, Der unvollständige Roman von Christopher Roth, 2019, 130 Fine Art Prints

Michael Schirner, Billboards, Sales, 2019, 15 Editionen verschiedener Künstler

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MICHAEL SCHIRNER, ABSTRACT REALITY

Schirner Zang Foundation Berlin, 2019

Michael Schirner, Abstract Reality, 2019, 250 Fine Art Prints

Die Serie der Serien

Aus Installationen in Potsdam und der Galerie von Esther Schipper entwickelte Michael Schirner das Konzept seiner Serie aus Serien mit dem Titel  Abstract Reality. Premiere des ersten Werks der Serie fand in den Räumen der Schirner Zang Foundation als Performance statt. Besucher erlebten, wie das Werk Stück für Stück entstand. Im Ausstellungsraum standen Rechner und Drucker, Mitarbeiter wählten aus der Bild-Datenbank mit allen Werke Schirners chronologisch Dateien zum Drucken im Format DIN A3 aus, hefteten die Fine Art Prints horizontal fortlaufend auf Stoß, bis die gesamte Wand mit 250 Fine Art Prints bedeckt war. Die Ensembles der Serie Abstract Reality unterscheiden sich durch die Anzahl Fine Art Prints – Minimum 3, Maximum 1.000 – und ihre Anordnung. Eine Variable ist die Farbigkeit der Arbeiten, die monochrom eingefärbt werden können. Jedes Werk wird nach dem Raum, in dem es ausgestellt wird, konzipiert und ist damit ein Unikat.

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MAX DAX UND MICHAEL SCHIRNER, Black Album/White Cube

Kunsthall Rotterdam, 2020

Max Dax und Michael Schirner, Black Album / White Cube, A Journey in Art and Music, Exhibition Shot, Kunsthal Rotterdam, 2020

A JOURNEY IN ART AND MUSIC

Michael Schirner und der Kurator Max Dax zeigen auf der Ausstellung Black Album / White Cube,  A Journey In Art And Music in der Kunsthal Rotterdam vom 20.6.20 bis 10.1.2021 die zentrale Installation: White Cube mit Black Album von Prince und Pictures in our Minds, Judas! I don’t believe you. You are a liar! 2020, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm.

Künstler: Daniel Blumberg, Rutherford Chang, Phil Collins, Anton Corbijn, Kim ­Gordon, Scott King, Peter Knoch, Mark Leckey, Julian Lescoeur, Sven Marquardt, Michaela Melián, Radenko Milak, Albert Oehlen feat H.P. Baxxter, Thomas Ruff, Peter Saville, Thomas Scheibitz, Michael Schirner, Bettina Scholz, Emil Schult, Andrea Stappert, Henning Strassburger, Wolfgang Tillmans, Philip Topolovac, Ari Versluis / Ellie Uyttenbroek and Wolfgang Voigt.

PICTURES IN OUR MINDS

Max Dax

In his Pictures in our Minds Michael Schirner plays with the idea of the invisible, or the archive of images that we have seen in our lives and carry within us. He developed the concept in 1985, when he was still working in advertising. For the magazine Stern he realized an exhibition concept, a form of presentation of the most powerful images that had been published in magazines and newspapers up to that time. Instead of hanging the iconic journalistic photos side by side in an exhibition, he showed a series of black images, black squares with white typography, Helvetica, that described in concise words what could have been seen on them: The footprint of the first man on the moon, Marilyn Monroe poised above a subway airshaft, Wreckage of the World Trade Center. I’ve admired Michael Schirner’s work since the eighties. He has a gift for casting complex things in the simplest of forms and messages. That’s probably why he’s considered the most important advertiser in the Federal Republic of Germany – he was even labled the Pope of advertising. For decades, he has been exclusively an artist now, and he has also defended the thesis that advertising is art. For many years, Michael Schirner indirectly supported the magazine Spex by giving its editor-in-chief at the time, Diedrich Diederichsen, the opportunity to work as a copywriter, conceptionist and alter ego in his agency. The situation was similar with the painter Albert Oehlen and the musician Mayo Thompson, with whom Michael Schirner realized various projects. Quite naturally, a network of ideas, attitudes and thoughts formed around him. In my eyes, Michael Schirner has worked with staying power over decades on his own invisible social sculpture, which has left its deep traces in the discourse of the Federal Republic.

Max Dax und Michael Schirner, Black Album / White Cube, A Journey in Art and Music,  Black Album von Prince und Michael Schirner Pictures in our Minds, Judas! I don’t believe you. You are a liar! Installation Shot, Kunsthal Rotterdam, 2020

I asked Michael for a new motif for his Pictures in our Minds series, but it should have a musical reference, that is, it should create a phantom sound in the mind. Michael immediately suggested Bob Dylan’s famous shout-out “Judas! I don’t believe you. You are a liar!” His suggestion spoke from the heart. Michael had transcended the invisible concept of the exhibition and had added an important new work to it, which not least expanded his own series. At that time I was still looking for a suit able amplification for the object of the Black Album, because I did not want to exhibit it like a trophy. The solution then came in the form of Michael Schirner’s black square. I really wanted to present the two black squares in a square cabinet space, and Michael suggested that we should have a black cube built, that is, that the space itself become part of the installation. And while the cube is reminiscent of the Kaaba from the outside, the interior is white like a white cube. And in an instant there was an accumulation of meanings negotiated in this amplified space of reference, which for me is both an exhibition space and an echo chamber. For there are those who claim that this exchange of words between Bob Dylan and an anonymous fan in the audience marks the birth of punk rock as early as 1966. For sure it is the date of a proud manifestation of artistic autonomy.

Max Dax und Michael Schirner, Black Album / White Cube, A Journey in Art and Music, Exhibition Shot, Kunsthal Rotterdam, 2020

 

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MICHAEL SCHIRNER, KAFFTEE IN ACADEMIA

Schirner Zang Foundation, 2020

Kafftee, Palazzo Grassi, Venedig 2019

Ich liebe Kaffee, ich liebe Tee

Albert Oehlen hat ein Produkt entwickelt, es heißt Kafftee und ist ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk, Zutaten: Natürliches Mineralwasser, Bio-Kaffee, Bio-Schwarztee, Bio-Limettensaftkonzentrat. Auf dem Flaschenetikett: KAFFTEE, COFFTEA, AO, Albert Oehlen Aqua Monaco GmbH 80337 München, 0,23 l und die Zeichnung einer Hand mit Armbanduhr. Vorgestellt wurde Kafftee zu Albert Oehlens Ausstellung Cows by the Water im Palazzo Grassi, Venedig 2019 mit einem Getränkeautomaten im Foyer, Beschriftung nie mehr schlafen, they are coming to take me away und Kafftee-T-Shirts im Museums Shop.

Kafftee, Flaschenetikett

Albert Oehlen möchte mit Michael Schirner eine Kampagne für die Einführung von Kafftee entwickeln. Sie sammeln erste Ideen. E-Mail von Albert Oehlen an Aqua Monaco: „Liebe Leute, das Gespräch mit Michael war sehr gut. Insbesondere haben wir den Bezug zur Kunst geklärt. Das Ganze ist Kunst. Aber nur dadurch und so lange, wie es das nicht sagt und sich stattdessen als trocken kommerzielles Unternehmen präsentiert. Es darf durchsickern, dass ich damit zu tun habe, aber das darf auf keinen Fall so aussehen, als ob ich als Künstler irgendwelche Vorteile daraus ziehen wollte bzw. Kunst als Entschuldigung anbringe. Höchstens sollte es die Frage aufwerfen, wie wahnsinnig geldgierig ich denn sei o.ä. Damit das funktioniert, muss Kafftee als eines der Produkte eures Angebotes dastehen. Also nicht Limo in Flaschen und Kafftee im Tetrapack. Das muss ernst dastehen. Verkauft wird es zunächst nur im Onlineshop. Wir sollten einen Vertrag machen, wie wir damit umgehen, weil ja Kosten entstehen und im Extremfall auch was reinkommt.“

Kafftee, Getränkeautomat, Palazzo Grassi, Venedig 2019

„Die Werbung ist der eigentliche Spaß. Sie soll nicht viel kosten und nicht als Kampagne gedacht sein. Eher kleine Einzelaktionen, die dann dokumentiert werden und verbreitet über soziale Netze. Also Werbung über Werbung. Wir haben bereits ein paar Ideen, mit denen wir anfangen würden: transzendentale Werbung, parasitäre Werbung, im Wesentlichen geht es um nichts anderes als: Abstract Reality. Das Produkt wird in der Werbung nicht beschrieben, genannt, gelobt, gepriesen, noch sonst was. Auch nicht seine Wirkung oder, was es tut usw.  Die Werbung ist Selbstzweck, kann aber mit Kafftee assoziativ verbunden werden, der Sound ist futuristisch, kryptisch, International Taste als Marke, das Ganze langsam anlaufen lassen, keine große Kampagne, nichts erzwingen, einzelne Aktionen, die dokumentiert und auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet werden, Meta-Werbung z.B.: den Automaten filmen, wie das Werbebrett mit nie mehr schlafen nach oben fährt, den Film nachts an eine Wand strahlen, das filmen und über soziale Netzwerke verbreiten, den Film in einem Kino zeigen – Regie Oliver Hirschbiegel (fragen kostet nix), plakatieren: 2 x 3 m, Foto Querformat, Ausschnitt Front des Automaten, „nie wieder schlafen“ ohne jeden Bezug und wirken lassen. Frauenbrust mit T-Shirt „What time is it?“ atmet. Da war noch was mit China, Seidenstraße … drunter tun wir es nicht. Gruß, Albert“. Thomas Fehlmann, der mit Holger Hiller die NDW-Band Palais Schaumburg gründete, macht einen Jingle für Kafftee. Lyrics: Kafftee, Kafftee, ich liebe Kaffee, ich liebe Tee, Kafftee, Kafftee.

Audio anhören:

Michael Schirner, Kafftee in Academia, 2019, Fine Art Print

MICHAEL SCHIRNER, KAFFTEE IN ACADEMIA

Für Michael Schirner suchte die Forschungs-Plattform Academia.edu in 22 Millionen Zeitschriften, Büchern, Entwürfen, Thesen-Papieren, Lehrplänen und im Web nach Erwähnungen von Kafftee. Bis  Dezember 2022 hatte Academia über 2.500 Erwähnungen von Kafftee in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert: „Dear Michael, Congratulations on the 2.540th Mention! The name Kafftee was me ntioned in a Medicine paper uploaded to Academia.“ Die Reputation von Kafftee in der akademischen Welt steigt unaufhaltsam. Mit Kafftee in Academia macht Michael Schirner die Sammlung der Untersuchungsergebnisse als Edition und Künstlerbuch mit über tausend Academia-Seiten zum Teil der Einführungskampagne von Albert Oehlens Kafftee.

Michael Schirner, Kafftee in Academia, 2019, Fine Art Print

Michael Schirner, Kafftee in Academia, 2019, Fine Art Print

CREDITS

Auftraggeber: Michael Schirner, Kafftee in Academia
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NOTHINGTOSEENESS

Akademie der Künste, Berlin, 2021

Max Dax und Michael Schirner, Black Album / White Cube, Installation, Akademie der Künste, 2021

BLACK ALBUM/WHITE CUBE

Max Dax und Michael Schirner zeigen auf der Ausstellung Nothingtoseeness Leere/Weiß/Stille in der Akademie der Künste  ihre Installation Black Album / White Cube mit Black Album von Prince und Michael Schirners Pictures in our Minds, Judas! I don’t believe you. You are a liar! Siebdruck auf Leinwand, 2021. Außerdem die Installation We Buy White Albums von Rutherford Chang.

Künstler: Peter Ablinger, Absalon, Frank Badur, Mirosław Bałka, Rosa Barba, Gerhard Bohner, George Brecht, Trisha Brown, Klaus vom Bruch, Günter Brus, John Cage, Enrico Castellani, Rutherford Chang, Max Dax, Ulrike Draesner, Maria Eichhorn, Olafur Eliasson, Ulrich Erben, Ceal Floyer, Lucio Fontana, Sam Francis, Katharina Fritsch, Heinz Gappmayr, Jochen Gerz, Raimund Girke, Eugen Gomringer, Gotthard Graubner, Katharina Grosse, Hans Haacke, Marcia Hafif, David Hammons, Oskar Holweck, Stephan Huber, Alfonso Hüppi, Pierre Huyghe, Ray Johnson, Isaac Julien, Ellsworth Kelly, Per Kesselmar, Astrid Klein, Yves Klein, Harald Klingelhöller, Bernd Koberling, Christina Kubisch, Raimund Kummer, Mark Lammert, Henning Lohner, Inge Mahn, Piero Manzoni, Joseph Marioni, Sara Masüger, Reiner Maria Matysik, Bruce Nauman, Yoko Ono, Roman Opałka, David Ostrowski, Nam June Paik, Otto Piene, Thomas Rentmeister, Bridget Riley, Robert Ryman, Karin Sander, Hanns Schimansky, Michael Schirner, Gregor Schneider, Jan J. Schoonhoven, Nina Schuiki, George Segal, Qiu Shihua, Strawalde, Mark Tobey, James Turrell, Günther Uecker, Timm Ulrichs, Lothar Wolleh.

Michael Schirner, Pictures in our Minds, Judas! I don’t believe you. You are a liar! 2020, Siebdruck auf Leinwand, 120 x 120 cm

WE BUY WHITE ALBUMS

Max Dax

Das von Richard Hamilton als weiße Projektionsfläche gestaltete White Album der Beatles steht dem als Selbstermächtigung zu begreifendem, als schwarzes Quadrat gestaltete Black Album von Prince gegenüber. Während das White Album millionenfach verkauft wurde und von Hamilton als Kommentar zum Massenprodukt mit einer eingeprägten, fortlaufenden Nummer versehen worden war, die den Status des Unikats behauptete, verhält es sich bei Prince genau umgekehrt: Hier zog der Künstler seine Musik und den Tonträger wenige Tage vor dessen Auslieferungsdatum, dem 8. Dezember 1987, zurück. Hunderttausende Vinylalben wurden zerstört, nur etwa 100 Exemplare gelangten versehentlich als Rezensionsexemplare in Umlauf – sie sind tatsächlich Unikate im Vergleich zum White Album der Beatles. Beide Cover haben ihre ikonischen Vorbilder in der Malerei – das schwarze Quadrat von Malewitsch und die weißen Quadrate von Robert Ryman. 2007 begann der US-amerikanische Konzeptkünstler Rutherford Chang, alle Exemplare des White Albums zu kaufen, derer er auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden habhaft werden konnte. In immer größeren, an einen Schallplattenladen erinnernden Rauminstallationen stellt Chang seit 2012 seine bis heute auf 2.620 Exemplare angewachsene Sammlung von Kopien des White Albums aus. Aufgrund von Benutzungsspuren, aber auch Wasserschäden oder ‘Verzierungen’ sieht kein weißes Quadrat aus wie das andere. Sie sind alle individuell gealtert.

Rotherford Chan, We Buy White Albums, Exhibition Shot, Akademie der Künste, Berlin, 2021

100 Farben Weiß: Während die verschiedenen Weißabstufungen in Rutherford Changs Installation We Buy White Albums genau einhundert Mal wie in einem Plattenladen ausgestellt sind, wird das Black Album von Prince, das in der Sammlerwelt der Musik den Status des Heiligen Grals besitzt, von einer einbruchsicheren Vitrine geschützt. Mehr noch: Die Vitrine steht auf einem Sockel, um den herum ein mattschwarzer Kubus gebaut ist, der an den Pilgerort Mekka erinnert, während das Innere dieses Kubus weiß gestrichen, die ideale Präsentationsform für Kunst, die in Galerien zum Verkauf angeboten wird, der White Cube ist. In der Blickachse Eingang / Sicherheitsvitrine hängt schließlich die Arbeit Judas! I don’t believe you / You are a liar! von Michael Schirner an der Stirnwand des White Cubes. Es handelt sich um die erste Erweiterung von Schirners Serie Pictures in our Minds in die Dimension der Musik. Bis zu der von Max Dax kuratierten Ausstellung Black Album / White Cube im Jahr 2020 in der Kunsthal Rotterdam beschränkten sich die Motive aus Michael Schirners Pictures in our Minds auf Bilder, die sich tief in das kollektive Bewusstsein eingegraben haben: der Fußabdruck des ersten Menschen auf dem Mond, die brennenden Twin Towers, Willy Brandts Kniefall in Warschau etc. – in Form eines schwarzen Quadrates, auf das in weißer Helvetica-Schrift eben das Weltereignis knapp beschrieben wird. Das Bild entsteht im Kopf des Betrachters. Auf Einladung von Max Dax erweiterte Michael Schirner seine Serie in die Welt der Musik. Bob Dylans berühmte Antwort auf die 1966 aus dem Publikum in Manchester gerufene Beleidigung „Judas!“ konterte Dylan mit den Worten „I don’t believe you. You are a liar!“ Mit seiner wütenden Reaktion verteidigte Dylan die eigene künstlerische Selbstermächtigung, als Musiker nicht automatisch Entertainer sein zu wollen.

Kunst führt zu neuer Kunst. Dylans spontaner Wutausbruch ging in einer neuen Arbeit von Michael Schirner auf, ein gerettetes Originalexemplar des Black Album von Prince wird als Testament schwarzer Selbstermächtigung im Kontext des Schwarz-Weißen Kubus zum Denkmal, aber auch zum klugen Malewitsch-Kommentar, das White Album der Beatles im Kontext von Rutherford Changs We Buy White Albums Albums-Installation zur Meditation über die Einzigartigkeit von Massenprodukten und das Wesen von Projektionsflächen.

Rutherford Chang, Max Dax, Michael Schirner, Nothingtohearness, Artists‘ Book, Berlin 2021

SOMETHINGTOREADNESS

Das Buch enthält ein Gespräch von Lucia Margarita Bauer mit Max Dax über Black Album / White Cube, einen Beitrag von Michael Schirner über die Geschichte der Pictures in our Minds und ein Gespräch von Max Dax mit Rutherford Chan über We Buy White Albums. Da beide Arbeiten als Klang-Installationen ohne Klang Teil der Ausstellung Nothingtoseeness sind, ergab sich Nothingtohearness als Titel des Katalogs, der für den Erwerber, um das Spiel mit den Titeln auf die Spitze zu treiben, Somethingtoreadness ist.

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