BILDER VOM TERROR

C/O Berlin, 2011

Michael Schirner, BYE BYE, NEW01, 2011, Fine Art Print, Kaschierung auf Alu-Dibond-Platte, based on a photograph by Thomas Hoepker/Magnum Photos

MICHAEL SCHIRNER, BYE BYE

Michael Schirner zeigte dem Fotojournalisten Thomas Hoepker – früher Artdirector vom STERN und Präsident von Magnum New York – Arbeiten seiner Serie BYE BYE. Hoepker wollte, dass Schirner sein legendäres Bild Blick von Brooklyn auf Manhattan, 11. September 2001 „verzaubert, damit aus dem Bild mit der schrecklichen schwarzen Wolke ein ganz normales Touristenfoto wird.“ Das bearbeitete Werk bekommt den Titel BYE BYE NEW01. Auf der Jahreskonferenz von Magnum in New York schlägt Thomas Hoepker vor, Michael Schirner mit einer Serie seiner Pictures in our Minds zu Arbeiten von Magnum-Fotografen zu beauftragen.

C/O Berlin eröffnet im historischen Postfuhramt Oranienburger Straße die Gruppenausstellung Unheimlich vertraut – Bilder vom Terror.  C/O Berlin zeigt Arbeiten von Michael Schirner: BYE BYE MUN72, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos, BYE BYE IWO45 und BYE BYE NEW01,  based on a photograph by Thomas Hoepker/Magnum Photos ­ und Arbeiten von Dennis Adams, Robert Boyd, Sarah Charlesworth, Plascal Convert, Natalie Chzech, Raymond Depardon, Christoph Draeger, Thomas Galler, G.R.A.M., Johan Grimonpretz, Thomas Hirschhorn, Thomas Hoepker, Michael Kasakowski, Coco Kühn, Fiorenza Menini, Simon Menner, Mikael Mikael, Naeem Mohaiemen, Gael Peltier, Peter Piller, Thomas Ruff, Michael Schäfer, The Atlas Group/Walid Raad, Marc Volk, Malte Wandel, Luuk Wilmering.

Michael Schirner, BYE BYE, MUN72, 2002 – 2010, Digigraphie by Epson, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos

Michael Schirner, BYE BYE MUN72, 2002 – 2009, Fine Art Print, Kaschierung auf Alu-Dibond-Platte, based on a photograph by Raymond Depardon/Magnum Photos

PUNKTUM

„Michael Schirner ist Werber, Kommunikationsdesigner, Künstler, Professor an den Kunsthochschulen in Karklruhe, Bremen, Beijing und Fukuoka, und er Autor und Kurator. Über den verschiedenen Feldern seiner Tätigkeiten schwebt eine Philosophie, die alle Projekte seit den 80er Jahren durchdringt: die Annäherung von Kunst und Werbung. Schirner setzt sich mit einer medial vemittelnden Fotografie auseinander, die sich in unserem kollektiven Gedächtnis in historischen Bildern verankert. Es sind Ikonen der uns umgebenden Massenkultur, die die Grundlage seiner konzeptuellen Arbeiten bilden und die ihn dazu bringen, spektakuläre Fotoausstellungen zu machen, ohne ein einziges Foto an der Wand zu zeigen. Schirners Serie BYE BYE basiert auf einer ähnlichen Annahme der Involvierung des Betrachters: Aus uns vertrauten Medienbildern werden mittels digitaler Technik sämtliche inhaltsbestimmenden Elemente eliminiert. Schirner trägt Stück für Stück den ursprünglichen Informationsgehalt des Bildes ab. Er entzieht dem Bild das „Punktum“. Diese visuelle Irritation bewirkt eine grundlegende Reflexion über Fotografie und die Art, wie wir diese durch die Medien rezipieren. Als 2010 BYE BYE zum ersten Mal im Kunstkontext in den Deichtorhallen Hamburg und in der Galerie Crone, Berlin gezeigt wird, sind die Arbeiten parallel als groß angelegte Aktion auf Großflächenplakaten im öffentlichen Raum und in Tageszeitungen zu sehen. Auf diese Weise gibt Schirner das radikal sezierte Bild dem Ursprung seiner Entstehung zurück und erzeugt mit der Kraft visueller Reduktion ein laustarkes Echo, da sich weit in den Kreislauf des medialen Systems ausbreitet.“ (Katalogtext)

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, 2002 – 2010, Digigraphie by Epson

Michael Schirner, BYE BYE, IWO45, 2002 – 2009, Fine Art Print, Kaschierung auf Alu-Dibond-Platte

„Ein Mann, eine Strumpfmaske, ein Betonbalkon. Zwei Türme, ein Flugzeug, eine Wolke aus Feuer und Rauch. Geschichte, Erinnerung, Angst sind verdichtet in diesen beiden Bildern, es sind festgehaltene Momente, von denen an alles anders wurde – sei es nur in Gedanken, im Gedenken. Die Bilder wurden zu Ikonen im kollektiven Gedächtnis. Zwei Motive und sofort ist alles da: Olympische Spiele München 1972, der Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf die israelischen Sportler, der vermummte Attentäter. Und New York, 11. September 2001, der Angriff auf das World Trade Center (WTC), die einstürzenden Türme. Die beiden Ereignisse bilden die historischen Enden der Ausstellung Unheimlich vertraut. Bilder vom Terror, die bis zum 4. Dezember im c/o Berlin im Postfuhramt in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte zu sehen ist. Die Kritik am Kapitalismus verschränkt sich mit dem gezielten Nutzen der von ihm produzierten Bilderflut. Die entsteht gerade auch durch ständige Wiederholung, nicht nur wie nun zum zehnten Jahrestag von 9/11. Wie sehr sich Motive einprägen, zeigt unter anderem Michael Schirners Reihe BYE BYE  in der er aus berühmten Aufnahmen das entscheidende Detail wegretuschiert, die WTC-Türme etwa oder den Vermummten. Die Bilder funktionieren trotzdem, die Assoziationen sind sofort da.“ (Der Spiegel)

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